13 Luther-Münzen aus Lettiner Porzellan

Von 1858 bis zur Schließung im Jahr 1990 wurde Porzellan, das sogenannte „weiße Gold“, nicht nur in Berlin und Meißen, sondern auch in Halle-Lettin produziert. Ferdinand Baensch hatte ein paar Jahre zuvor, 1840, hier ein Unternehmen zur Reinigung von Porzellanerde (Kaolin) gegründet. Diese Porzellanerde bezog er aus der Nähe.

Erst 18 Jahre später gelang es seinem Sohn, Heinrich Baensch, die industrielle Fertigung von Porzel­lanwaren in Lettin einzuführen. Damit fiel das Monopol der Preußischen Porzellanmanufaktur in Berlin sowie der „Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur“ in Meißen. Damals wurde aufwändig handgemachtes und zierlich dekoriertes, aber auch robustes Porzellan in Lettin hergestellt: Tafel- sowie Kaffeegeschirr, Bierkrüge, Schmuck- und Festteller, Sammeltassen, Vasen, Döschen und verzierte Souvenirs.

Nach ziemlichem wirtschaftlichem Auf und Ab zwischen den 1920er und 1940er Jahren begann die Produktion 1953 in dem Betrieb erneut, und zwar unter dem Namen VEB Porzellanwerk Lettin Halle/Saale. Neben Alltagsgeschirr wurden hier von vielen hundert Mitarbeitern ebenso Prestige-Objekte, wie zu Weltfestspielen, Massenveranstaltungen diverser Parteien, DDR-Architektur oder sportlichen Erfolgen, unter anderem des VfB 07 Lettin, hergestellt. In den 1960er Jahren intensivierte man die Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Denn angelehnt an die funktionale Bauhauskunst galt es, praktisches und zugleich formschönes Porzellan für die Bevölkerung zu produzieren. Der Export in die ehemalige Sowjetunion spielte bis zur „Wende“ gleichfalls eine große Rolle.

Die letzte von 13 Luther-Medaillen zum 500. Reformationsjubiläum – gestaltet von Prof. Helmut Brade (Rückseite). (Foto: Galerie Nord)

Mit dem Ende der DDR und der Privatisierung des Werkes wurde die Produktion von Porzellan beim größten Arbeitgeber in Lettin eingestellt; 348 Menschen verloren von heute auf morgen ihre Arbeit. Sammler, wie der Heimatforscher Max Horst Mühlpfordt, oder die Deparades aus Lettin verfügen noch heute über eine Vielzahl an wertvollen Sammelobjekten – mit kobalt-blauen Verzierungen und ebenfalls teilweise mit dem berühmten „Baensch-Rot“. Auch beim VfB 07 Lettin lagern noch einige Kleinode im Vereinsraum.

Übrigens, die hallesche Galerie Nord (Bernburger Straße 14) lässt kleinere exklusive Auflagen an Porzellan-Medaillen, -Plastiken sowie -Gefäßen von halleschen Künstlern gestalten. So kamen erst im vergangenen 500. Jubiläumsjahr der Reformation 13 Luther-Medaillen mit Motiven aus dem Leben des Reformators, unter anderem gestaltet von Prof. Helmut Brade, Prof. Joachim Dimanski, Rossen Andreev, Carsten Theumer, Heidi Wagner-Kerkhof, Julia Schleicher, heraus.