Redaktion Halle-West

9. September: Zehntes Fontänefest

Nach Operation am eisernen Herzen einer 50-Jährigen auf Halles Ziegelwiese

Dieses Jahr hat es wieder einmal in sich für die Freunde der Fontäne beim Peißnitzhaus-Verein. Nachdem bereits im Vorjahr das Wasser der Fontäne komplett abgelassen und neue Leitungen verlegt wurden, machte die Pumpe des Wasserspiels zum Saisonstart in diesem Frühjahr sorgenvolle Geräusche. Da hieß es: Demontage, Transport, Begutachtung und Reparatur des Aggregats durch KSB. Es galt, das Axiallager der Pumpe auszutauschen, und auch ein Lager des Motors war defekt.

50 Jahre schwerer Arbeit hatten der Pumpe augenscheinlich ziemlich zugesetzt. Und auch, wenn der Einbau der Pumpe nun – für diesen Monat vorgesehen – für viele Anwesende wohl ein sehenswertes Spektakel sein mag: Die ganze Aktion war ein sehr aufwändiges und kostspieliges Unterfangen. Dankbarer Weise unterstützten hallesche Firmen die Arbeiten am Springbrunnen erneut großzügig.

Nach dem aktuellen Kraftakt können die elf Mitglieder der Freunde der Fontäne in diesem Jahr nun ein erstes rundes Jubiläum begehen. Dazu laden sie am 9. September von 13 bis 22 Uhr zum zehnten Fontänefest auf die Ziegelwiese ein. Und dies wieder für Groß und Klein mit allerhand Kunst, Kultur, Kulinarischem und Sportlichem sowie illuminierter Fontäne am Abend. Neben der Stadt als Mitveranstalter treten wie immer zahlreiche Unternehmen bei der Feierlichkeit als treue Sponsoren auf.

Bereits 2008 gab es im November ein Spektakel für Jung und Alt an der Fontäne. (Foto: Gabriele Bräunig)

Auf das bisher Erreichte können die Freunde der Fontäne stolz zurückblicken – neben der jeweils knapp einjährigen Organisation der jährlichen Feierlichkeiten vor allem auch auf ihr unermüdliches Engagement für die Erhaltung des 50-jährigen, weithin sichtbaren Wahrzeichens der Peißnitz und magischen Anziehungspunkts für jährlich tausende Hallenser. Hier bringt jeder, ob Angestellter, Beamter oder Rentner, ob Architekt, Mediziner oder Medienvertreter, sein Wissen und Können mit ein. Jedoch auch über neue Mitglieder mit frischen Ideen würde sich das Team sehr freuen. Mindestens einmal im Monat trifft sich der Freudeskreis.

Uwe Selke von den „Freunden“: „Die Fontäne hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die schon von Anfang an von den Bürgern der Stadt und den Medien mit großem Interesse begleitet wurde. So berichtete die ‚Liberal-Demokratische Zeitung‘ (LDZ) am 23. Januar 1968 unter der Überschrift ‚Erholung auf der Ziegelwiese. Neugestaltung zu den 10. Arbeiterfestspielen‘ über die Pläne, Peißnitzinsel sowie Ziegelwiese in einen Kultur- und Erholungspark umzugestalten. Und nur wenige Tage später, am 27. Januar 1968, schrieb dasselbe Blatt unter dem Titel ‚Pumpe für 40-Meter-Fontäne‘ darüber, dass der VEB Pumpenwerke Halle kostenlos eine Pumpe für die Fontäne auf der Ziegelwiese zur Verfügung gestellt habe. Kurz danach, während der Bauphase, titelte die ‚Freiheit‘ am 10. April 1968: ‚Riesenstrahl gen Himmel – Das Geschenk der Pumpenwerker für unsere Stadt‘. Und dann endlich, am 13. Juni 1968, konnte die ‚Freiheit‘ vermelden: ‚Fontäne. Gestern Nachmittag stieg erstmalig die 40-Meter-Fontäne auf der Ziegelwiese auf‘.“

Ganz so, wie ursprünglich geplant, wurde das Projekt Kultur- und Erholungspark zwar nicht umgesetzt. Die Peißnitzinsel, und besonders die Ziegelwiese mit ihrer Fontäne, wurde aber trotzdem eines der bestbesuchten Naherholungsziele für die Saalestädter und ihre Gäste. Wer heute an lauen oder heißen Tagen über die Ziegelwiese geht, kann sich stets davon überzeugen. Und in ganz kalten Wintern wird der Fontäne-Teich auch schnell mal zur Schlittschuhbahn oder zu einem Eishockeyfeld.

Luftbild vom Fontänefest 2015. (Foto: Maike Glöckner)

In ihrem Dasein machte die Fontäne so einiges durch. Dazu gehörten sowohl schöne Momente, wie die Einweihung des Plastikparks im Jahr 1970, als auch Tiefschläge wie Hochwasser sowie – teilweise damit verbunden – Schäden an der Technik. Mit den Jahren kam es durch die Alterung der Technik und diese Schäden dazu, dass die Fontäne immer seltener und zeitweise überhaupt nicht sprudelte. „Das kann nicht so weitergehen!“, sagte sich im Jahr 2006 der hallesche Architekt Christian Däschler, dessen sportliche Laufrunden oft über die Ziegelwiese führten. Er begann, sich nach Gleichgesinnten umzusehen, und schon kurz darauf gab es die Freunde der Fontäne, die mit großer Unterstützung hiesiger Firmen und Bürger die dringend nötige Generalsanierung des Wasserspiels auf den Weg brachten. Für alle Sanierungsaufgaben – von Motor über Pumpe, Schieberegler, Rohrleitungen bis zur Düse, die elektronische Steuerung und bauliche Maßnahmen – konnten private und unternehmerisch tätige Sponsoren gefunden werden.

Im August 2009 war es dann soweit: Die Freunde der Fontäne übergaben den restaurierten Brunnen mit dem ersten großen Fontänefest an die Stadt und deren Bürger. Auf Grund der speziellen Windverhältnisse vor Ort ist das Becken einer der höchsten Fontänen Europas elliptisch geformt. Es ist mit rund 25.000 Kubikmetern Saalewasser gefüllt; die Fontäne wird voll automatisch betrieben. Die heute maximal 80 Meter hohe Pracht des Wasserstrahls ist jeweils vom 1. Mai bis zum 3. Oktober freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 15 bis 20 Uhr sowie sonntags wiederum von 15 bis 18 Uhr zu bewundern. Bei starkem Wind und Regen schalte sich die Fontäne durch einen Wind- und Regenwächter selbständig aus, berichtet Uwe Selke.

Es mangelte auch nach dem ersten Fontänefest 2009 keineswegs an Tatendrang bei den Enthusiasten. Denn damals wurde beschlossen, jährlich ein Fontänefest durchzuführen – sowohl als Dankeschön für das enorme Engagement aller an der Restaurierung Beteiligten als auch als Beitrag zum kulturellen Angebot in der Stadt.

Für ihr Engagement wurden die Freunde der Fontäne im Frühjahr 2010 mit dem Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ ausgezeichnet.

Festfalter zum Fontänefest.
Festfalter zum Fontänefest.