Ärztenotstand in Heide-Nord passé

Erfolgreicher Kampf der Bürgerinitiative – Allgemeinmedizinerin Dr. Rajka Thoma eröffnete Praxis

Treffer! Anders kann man es kaum nennen, was der Bürgerinitiative Heide-Nord/Lettin mit der neuen Allgemeinmedizinerin Dr. med. Rajka Thoma geglückt ist. Zehn Jahre lang hatte in Halles Stadtteil Heide-Nord Ärztenotstand geherrscht. Zwar gab es einige Fachärzte, aber mit Dr. Ilona Weber nur eine einzige Fachärztin für Allgemeinmedizin. Da erscheint es wie ein Naturgesetz, dass die Patienten in der Praxis lange bis sehr lange warten mussten – zumal es auch im benachbarten Stadtteil Lettin schon jahrelang keinen Allgemeinarzt mehr gab.

Glücklich waren damit weder Ärztin noch Patienten. Wer konnte, sah sich nach Hausärzten in anderen Stadtvierteln um. Doch eine befriedigende Lösung konnte das nicht sein – vor allem nicht für die Leute von der Bürgerinitiative um Wolfgang Heinrich und Dr. Ines Budnik. „Ein Arzt muss mitten in der Bevölkerung sein“, sind die beiden überzeugt. „Er muss erreichbar sein.“ Und wandten sich an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt. Sicherheitshalber nahmen sie zusätzlich noch Kontakt zum Universitätsklinikum Kröllwitz auf: Einen Arzt in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner nach Heide-Nord zu schicken, war eine Idee, oder die Patienten mit einem Pendelbus ins Klinikum und zurück…

Zufriedene Bürgerinitiative Heide-Nord/Lettin. Ihr langer Kampf für eine Allgemeinmedizinerin hatte Erfolg! (Foto: Gabriele Bräunig)

Doch ehe es dazu kam, meldete sich schon die KV wieder: Eigentlich gebe es genug Ärzte in Halle, wie man der Bürgerinitiative bereits Ende 2016 beschieden hatte. Aber nicht in den Randgebieten. Wenn eine Praxis frei und wiederbesetzt werde, müsse sie nicht unbedingt am selben Standort weiter betrieben werden. Sondern die KV könne in solch einem Fall dringende Empfehlungen aussprechen, wo diese eingerichtet werden soll – zum Beispiel in Heide-Nord.

Heide-Nord, dachte Dr. Rajka Thoma, als ihr die KV eine Praxiseröffnung in ebendiesem – freilich nicht mehr neuen – Neubaugebiet nahelegte. Heide-Nord. Bis dahin war ihr das überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Sie hatte sich ihr Arbeitsumfeld „richtig dörflich“ vorgestellt, oder wenigstens in einem Teil am Rande Halles, „wo es schon dörflich ist“. Doch sie sah sich in Heide-Nord um, und bald konnte die KV der Bürgerinitiative mitteilen, dass eine neue Allgemeinärztin gefunden sei. Wobei das aber nur die halbe Wahrheit ist. Dr. Thoma hat vor ihrem Medizinstudium drei Jahre in der Kinderkrankenpflege gearbeitet, ist Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin sowie erfahrene Palliativmedizinerin.

Wichtiger Ansprechpartner auf dem Weg zu ihrem Ziel für die Bürgerinitiative Heide-Nord/Lettin war die Kassenärztliche Vereinigung. Das Foto zeigt eine Beratung im vergangenen Jahr. (Foto: Gabriele Bräunig)

Den Weg zum Facharzt für Allgemeinmedizin hat sie über das Quereinsteigerprogramm genommen, das die KV extra für Ärzte eingerichtet hat, die schon über einen Facharzttitel verfügen. Sie arbeiten für zwei Jahre in verschiedenen Hausarztpraxen mit und können dann die Prüfung zum Allgemeinmediziner ablegen. Das hat Rajka Thoma im August getan – und im September eröffnete sie in der Fischerstecherstraße 29 ihre Praxis. Wo sich der Eintretende willkommen und wohlfühlt.

Daran hat auch Udo Serafin Anteil. Sein Tätigkeitsfeld lässt sich mit Praxisassistent, guter Geist, rechte Hand und Stimmungsaufheller umschreiben.

Noch ist die Zahl der Patienten überschaubar. Doch Dr. Thoma merkt schon jetzt, dass sie gebraucht wird: „Die Patienten sind wirklich dankbar.“ Und zuverlässig. „Wenn ich ihnen sage, dass sie ein Medikament nehmen müssen, dann nehmen sie das auch.“ Ebenso fühlt ihre Kollegin Dr. Weber sich entlastet. Beide tauschen sich miteinander aus und vertreten sich gegenseitig. Dass sie aufgrund einer Bürgerinitiative nach Heide-Nord gelenkt wurde, hat Rajka Thoma zunächst gar nicht gewusst. Das habe ihr der Leiter der nahegelegenen Apotheke erzählt, erinnert sie sich schmunzelnd. Daraufhin habe sie bei Wolfgang Heinrich angerufen, sich bei einem Treff der Bürgerinitiative vorgestellt, und Ines Budnik habe ihr zur Praxiseröffnung einen Blumenstrauß geschenkt. Dem zuständigen KV-Mitarbeiter übrigens hat Dr. Budnik einen Dankbrief geschrieben. Und, alles gut? Schwer zu sagen, meinen Budnik und Heinrich. Eins aber sei gewiss: Es ist alles besser.