Redaktion Halle-Süd

„Befürchtungen teilweise ausgeräumt“

Begehung von Alter Bodenkippe und neuer Deponie mit Anwohnern – Fragen bleiben

Aufgrund der Unsicherheit von Anwohnern der Heimstättensiedlung bezüglich der Ausweitung der Alten Bodenkippe sowie der neu entstehenden Deponie nordöstlich des Wohnviertels hatten Stadtverwaltung und GP Papenburg AG am 23. Mai eine Begehung des Areals mit Bürgern anberaumt. Das Treffen sorgte gleich zu Beginn für Aufregung.

Bereits im Vorfeld der Inspektion gab es mehrere Bemühungen zur Aufklärung der massiven Baumaßnahmen im an die Heimstättensiedlung angrenzenden Wald. Die Siedlergemeinschaft hatte im Februar einen Brief wegen der teilweisen Zerstörung des Wäldchens an die Stadt geschickt. Ein Anwohner hatte Ende desselben Monats in der Stadtratssitzung Informationen dazu gefordert. Die LINKE erhielt dort zudem die Antworten der Stadtverwaltung auf ihre zwölf Fragen bezüglich der Aktivitäten des Bauunternehmens, während CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Keindorf einen Brief an Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminster Armin Willingmann schrieb. Eine weitere kleine Gruppe Anwohner traf sich überdies Ende März mit Halles Stadtentwicklungs-Beigeordneten René Rebenstorf und der städtischen Umwelt-Fachbereichsleiterin Kerstin Ruhl-Herpertz.

Nun also Ende Mai die Besichtigung des sich rapide verändernden Waldabschnitts, wo die GP Papenburg AG die Alte Bodenkippe schließen und eine neue Deponie errichten will. Zunächst sah es so aus, als ob man dem Ansturm der Interessierten gar nicht Herr werden würde. Denn ursprünglich waren laut Siedlergemeinschaft 25 Bewohner angemeldet und zugelassen worden. Dann nur noch zehn. Allerdings wollten andere Bewohner der Heimstättensiedlung scheinbar genau dies, um im kleinen Kreis effektiver arbeiten zu können – sowie laut Papenburg aus Sicherheitsgründen. Die Presse war ebenfalls nicht eingeladen.

Container neben der Halde und vor der künftigen Deponie der GP Papenburg AG, die einmal zwei Millionen Kubikmeter Bauschutt der Deponieklasse O enthalten soll. (Foto: Gabriele Bräunig)

Offensichtlich haben hier zwei Gruppen aus der Heimstättensiedlung parallel – jedoch mit unterschiedlichen Zielen und ohne Absprache – agiert. Sie einte nur die Bestrebung, mit der Stadt sowie Papenburg eine Aufklärung der Anwohner über die massive Bautätigkeit im Wald in die Wege zu leiten. Mehrere Siedler hatten denn auch den Eindruck, dass mit der Begrenzung auf zehn Personen kritische Stimmen unterbunden werden sollten. Trotz der mindestens 35 erschienenen Bewohner, Abgeordneten und Medien­vertreter raunte Geschäftsführer Dr. Andreas Heilmann von der GP Papenburg Entsorgung Ost GmbH einer anwesenden städtischen Mitarbeiterin zu: „Niemanden wegschicken!“ Offensichtlich sollte ein möglicher Image-Schaden vermieden werden.

Ein paar Anwohner waren fachlich sehr gut auf das Treffen mit Baufirma und Stadtverwaltung vorbereitet, stellten kompetente Fragen, die von Geschäftsführer Heilmann sowie Gunnar Landgraf, Betriebsleiter der GP Baustoffe Ost, zumeist geduldig beantwortet wurden. Beide betonten, dass eine Verlagerung des Haldenkörpers nach intensiven Überlegungen deshalb nicht in Betracht gezogen wurde, weil das Gelände ohnehin durch die Altdeponie vorbelastet sowie eine Verlegung von Abfällen außerhalb der Verursacherregion fragwürdig sei. Es hätte das Problem des Flächenverbrauchs nicht gelöst. Obendrein sei eine Verlagerung auch wegen des hohen Transportaufwands unwirtschaftlich. Nicht zu vergessen der hohe Ausstoß von Luftschadstoffen während des Transportes.

Auf die Frage, ob es bekannt sei, dass unter dem Gelände der neuen Deponie ein altes Tunnelsystem liege, sagte Gunnar Landgraf, man habe hier 60 Bohrungen in bis zu 60 Metern Tiefe vorgenommen und nichts gefunden. Und hinsichtlich der zwei Millionen Kubikmeter Baustoffe, die in den kommenden 20 Jahren auf die neue Deponie gebracht werden sollen, wurde immer wieder versichert, dass es sich dabei nur um ungefährliche Bauabfälle der Deponieklasse 0 (gering belastete mineralische Abfälle) handele, die jedoch nicht mehr verwertet werden könnten. Der Bauschutt würde stets labor-technisch überprüft, danach mineralogisch aufgearbeitet. Die Papenburg-Vertreter beteuerten stets aufs Neue, dass alle gesetzlich geforderten Emissionswerte eingehalten werden würden. Die Sicherheit der Bürger vor Ort stehe an erster Stelle. Bedenken der Anwohner, dass die neue Halde später einmal in Richtung Regattastrecke beziehungsweise Straße am Tagebau ausgeweitet werden könnte, dementierte Landgraf. Und die Befürchtung, dass von der Halde über das Speicherbecken für Oberflächenwasser und den Überlaufkanal doch kontaminiertes Wasser in das „Blaue Auge“ laufen könnte, versuchten die beiden Verantwortlichen ebenso zu zerstreuen.

Insgesamt will die Papenburg AG eine 60.000 Quadratmeter große Fläche aufforsten – als Kompensation für die aufgekauften und zerstörten Gebiete. Das betrifft sowohl die neue Deponie vor Ort als auch andere Areale in der Stadt. Bereits im Herbst soll mit der Rekultivierung einer Teilfläche der stillgelegten Bodenkippe begonnen werden. Die Firma würde gern in der Nähe umfangreicher renaturieren. Aber es sei schwer, hier geeignete Flächen zu finden, erklären die Unternehmensvertreter. Die Ausgleichsfläche soll voraussichtlich in Neuragoczy sein.