Redaktion Halle-Süd

Bezahlbare Wohnungen für alle

Anlage um Johannesplatz und Johanneskirche prägt den Süden

Mit der rasanten industriellen Entwicklung im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dem damit verbundenen Anstieg der Bevölkerung wurde die Wohnungsfrage zu einem städtischen Problem. Die Beseitigung dieser Wohnungsnot wurde jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg ernsthaft in Angriff genommen, als sich mit der Weimarer Republik die politischen Bedingungen in Deutschland geändert hatten. Der soziale, städtische und genossenschaftliche Wohnungsbau wurde zu einer zentralen Aufgabe für alle deutschen Großstädte. Damit sollte bezahlbarer Wohnraum für die unteren Bevölkerungsschichten geschaffen werden.

So entstanden zwischen 1918 und 1932 zahlreiche Klein- und Großwohnanlagen, die noch heute das hallesche Stadtbild prägen. Eines dieser Vorhaben war die Wohnanlage um den Johannesplatz, die in verschiedenen Bauetappen entstand.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Gelände – damals noch freies Feld – die Johanneskirche errichtet. Die Grundsteinlegung war 1892. Bereits ein Jahr später, am 10. November 1893, konnte die Kirche geweiht werden. Besonders markant ist der schlanke, 61 Meter hohe Turm mit spitzem Helm, der weithin sichtbar ist. Zu DDR-Zeiten verfiel der Kirchenbau immer mehr, da der Gemeinde die finanziellen Mittel für die notwendigen Reparaturen fehlten. So übertünchte man bereits in den 1950er Jahren die reiche Innenausmalung.

Am Heiligabend des Jahres 1977 fand dann der vorerst letzte Gottesdienst statt. Danach mussten die Gottesdienste im Gemeindehaus durchgeführt werden. Erst nach der „Wende“ begann man mit der schrittweisen Wiederinstandsetzung begonnen werden. Nach der Dachsanierung war sie schließlich 1993 zum 100-jährigen Weihejubiläum wieder zugänglich. Die vollständige Sanierung (einschließlich der Fenster in Chor und Kirchenschiff) erstreckte sich in verschiedenen Bauabschnitten bis ins Jahr 2011.
Bereits 100 Jahre zuvor hatte man mit dem Bau einer Wohnanlage östlich der Johanneskirche angefangen. Entlang der Joseph-Haydn-Straße entstanden durch den „Bauverein für Kleinwohnungen“ genossenschaftliche Wohngebäude, deren Anordnung an die Form eines Kreuzes erinnert. Die Wohnanlage um den Johannesplatz wurde von 1920 bis 1927 westlich der Johanneskirche errichtet.

Verantwortlicher Architekt war überwiegend Hermann Frede (1883-1965), der auch zahlreiche Verwaltungs- und Industriebauten sowie Geschäftshäuser in der Saalestadt entwarf.

Mittelpunkt des gesamten Komplexes wurde der große, ovale Johannesplatz, dessen Fläche heute zum größten Teil von einem großzügigen Abenteuerspielplatz eingenommen wird. Die hellgeputzten, dreigeschossigen Häuserzeilen erhielten Fassadenschmuck mit Gesimsen, Ornamenten und Klinkern. Weiterhin krönten turmartige Runderker die Gebäudeecken. Im Gegensatz dazu wurden die Hoffronten wesentlich schlichter gestaltet. Insgesamt entstanden in den beiden geschwungenen Gebäudezeilen 177 Wohneinheiten.
Nach 1929 wurde die Anlage nach Osten in Richtung Thomasiusstraße und nach Norden in Richtung Pfännerhöhe erweitert. Hier findet sich eine weitere architektonische Besonderheit: Die Großgarage Süd. Die fünfgeschossige Hochgarage (1927-1929) mit ihrem Aufzug für Autos und drei Schiebebühnen gehört zu den bedeutendsten Hochgaragen in Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen.

Die bauliche Abrundung der Siedlung nach Süden wurde jedoch vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr verwirklicht. Durch die Nachbarschaft von Maschinenfabrik, Malzfabrik oder Zuckerraffinerie war die gesamte Wohnanlage eng mit der Industrie und den Arbeitsstätten verbunden. Heute ist das Ensemble am Johannesplatz ein geschlossener Denkmalbereich.