Redaktion Halle-Süd

Das große „Wir-Projekt“

Kirchengemeinde Wörmlitz-Böllberg saniert das über 800 Jahre alte Gotteshaus St. Petri

Als der hallesche Barockkomponist und Protestant Samuel Scheidt 1628 in der Dorfkirche St. Petri zu Wörmlitz mit Helena Magdalena Keller zum Traualtar schritt, hatte das imposante Sandsteingemäuer schon beinahe 500 geschichtsträchtige Jahre vorzuweisen. 1184 das erste Mal schriftlich erwähnt, im romanischen Stil errichtet und das Kirchenschiff Mitte des 18. Jahrhunderts im barocken Stil umgebaut, gehört die Kirche heute zu den ältesten Baudenkmalen der Saalestadt.

1967 fast gänzlich ausgebrannt, sah es lange nicht so aus, als könne man in dem sakralen Bau jemals wieder einen Gottesdienst abhalten. Dank der engagierten Kirchengemeinde und später auch des Kirchenbauvereins waren die Aussichten darauf seit 1994 sehr viel rosiger. Doch einiges ist noch zu tun an dem beschädigten Kirchenschiff.

Klaus König, der Vorsitzende des Kirchenbauvereins, vor seinem Lieblingsprojekt, das vorerst noch gestützt werden muss. (Foto: Gabriele Bräunig)
Klaus König, der Vorsitzende des Kirchenbauvereins, vor seinem Lieblingsprojekt, das vorerst noch gestützt werden muss. (Foto: Gabriele Bräunig)

„Das war und ist ein großes Wir-Projekt“, erläutert Klaus König, Gründungsmitglied und Vorsitzender des Kirchenbauvereins in Wörmlitz. Es waren zahlreiche Gespräche nötig, um die Gemeinde mit ins Boot zu nehmen, damit das Gotteshaus ganzjährig nutzbar werden kann. Und wiederum unzählige Stunden sind seitdem vergangen, um etappenweise den Wiederaufbau voranzubringen.

Viel Geld aus Spenden, aber besonders mit Hilfe von Fördermitteln von der Landeskirche, dem Kirchenkreis Halle, dem Land Sachsen-Anhalt, Lotto, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland ist zusammengekommen. Auch die örtliche CDU legt beim Land seit langem fundierte Argumente in die Waagschale, um die Kirchengemeinde und den Kirchenbauverein bei seinem großen Projekt zu unterstützen. 410.000 Euro sind insgesamt im ersten Bauabschnitt für die Sanierung nötig.

Durch die Risse im Gemäuer ist die Wörmlitzer Kirche St. Petri statisch instabil geworden. (Foto: Gabriele Bräunig)
Durch die Risse im Gemäuer ist die Wörmlitzer Kirche St. Petri statisch instabil geworden. (Foto: Gabriele Bräunig)

St. Petri wurde von einer Ruine bis heute Schritt für Schritt wieder aufgebaut. Zuerst wurde 1994 das Dach neu gedeckt und die Kirche entrümpelt. Bereits im September 1995 konnte das erste Konzert stattfinden. Unter der Leitung des Architekten Peter Girke wurde dann das Tonnengewölbe saniert, die elektrische Anlage, die Fenster und etliche andere Teile eingebaut. 2017 sicherte man den romanischen Turm und setzte ihn instand, und es erklingt nun wieder eine Glocke. Besonders groß war die Freude in der Gemeinde, als 2011 eine barocke Orgel aus Erfurt übernommen werden konnte, „ein Geschenk des Himmels“, so Klaus König.

Mit der Instandsetzung des Friedhofsweges zur Kirche 2016 wurde unterirdisch eine Leitung verlegt, um in den Kirchenraum vorkonditionierte Luft einleiten und die zu feuchte Luft verdrängen zu können – eine geniale Idee des Physikers Rolf Sandner. Eine böse Überraschung hielt 2017 der Statiker für die Gemeinde parat: Das Kirchenschiff sei statisch instabil und einsturzgefährdet. Nur mit einer Notsicherung der Wände durfte die Kirche wieder betreten werden. Das war ein harter Schlag für die Gemeinde. Und es erforderte weitere, bis dahin ungeplante Finanzen. Die Fördermittel sind nun bewilligt, und im März konnte der erste Bauabschnitt beginnen. Geplant ist, die statische Sicherheit des Kirchenschiffs wieder herzustellen und außen auf dem Tonnengewölbe einen mineralischen Brandschutz aufzubringen. Während der Bauarbeiten sind aber keine Veranstaltungen möglich.

Ziel sei es, so der Diplom-Ingenieur Klaus König, den Dachstuhl brandschutztechnisch vom Kirchenraum zu trennen und das Raumklima während künftiger Veranstaltungen angenehmer zu gestalten.

Ein Geschenk des Himmels: Die barocke Orgel, eingehaust. (Foto: Gabriele Bräunig)
Ein Geschenk des Himmels: Die barocke Orgel, eingehaust. (Foto: Gabriele Bräunig)

Voraussichtlich bis Mitte November sollen die Bauarbeiten dauern. Der 75-Jährige, der seit 1975 nebenan im Neubaugebiet Südstadt II wohnt, meint: „Man muss bei den Planungen für das Objekt immer das Ganze im Blick haben und vor dem ersten Schritt schon an die folgenden denken. Die gegenwärtigen Maßnahmen sind die Voraussetzungen dafür, dass erst mit der Realisierung des zweiten Bauabschnitts alle bereits installierten Aggregate klimatisch wirksam werden. Wir hoffen zudem, dass auch andere Gemeinden mit ähnlichen Bauwerken aus dem Mittelalter von unseren Ideen und Erfahrungen profitieren können.“
Verein und Gemeinde haben ehrgeizige Pläne: Noch vor Weihnachten sollen wieder ein Konzert und die Christvesper in der imposanten, mehr als 800 Jahre alten Kirche stattfinden. Eine gute Prämisse, damit dieses evangelische Gotteshaus im Süden von Halle auch in Zukunft noch Magnet für viele Besucher sein und ihr beeindruckendes geschichtsträchtiges Flair ausstrahlen kann.