Dauer-Ärgernis: Keine Lösung in Sicht!

Nachtfahrverbot als kurzfristiger Kompromiss abgelehnt – Ortsumfahrung noch lange ein Traum

Die Lärmbelästigung durch Fahrzeuge in Radewell und Osendorf ist inzwischen schon seit fast drei Jahrzehnten ein Ärgernis für die Anwohner. Ihre Beschwerden und die bislang vergeblichen Bemühungen um eine Verbesserung füllen beim Landtagsabgeordneten Thomas Keindorf (CDU) einen dicken Aktenordner.

In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten gab es keine Einwohnerversammlung im halleschen Süden, bei der die Verkehrsbelastung entlang der Regensburger Straße inklusive Nebenstraßen nicht eines der diskutierten Hauptthemen war. So auch zu Beginn dieses Jahres bei der jüngsten Zukunftswerkstatt für Ammendorf, Osendorf und Radewell. Die Verantwortlichen aus Halles Stadtverwaltung – in der Sache offenkundig ohnmächtig – konnten nur verkünden, dass die Hoffnung auf eine kurzfristige Verbesserung durch ein Lkw-Nachtfahrverbot (22 bis 6 Uhr) vom Landesverwaltungsamt nicht mitgetragen werde.

Die Problematik wirklich lösen könne nur eine Ortsumfahrung. Aber die ist nicht in Sicht! Gesprochen werde zwar schon seit 1991 davon und darüber. Doch das war es dann auch! Alle geäußerten Absichtserklärungen erwiesen sich bisher nur als eine Mischung aus Wunschtraum und Fantasie. Daran kann auch das Vorhaben der Stadtverwaltung nichts ändern, bis zur nächsten Zukunftswerkstatt das Ergebnis zwischenzeitlich erfolgter Untersuchungen in Form einer Vorzugsvariante präsentieren zu wollen. Die nötige Finanzierung und damit die Grundlage für die Realisierung einer solchen Ortsumfahrung steht nämlich auf einem ganz anderen Papier.

(Foto: Frank Schumann)

Thomas Keindorf kennt die Problematik nicht nur als Landespolitiker aus diesem Wahlkreis und durch sein Engagement im „Netzwerk Süd“. Schon 30 Jahre hat der Schornsteinfeger-Meister in Halles Süden seinen Kehrbezirk, hört die Sorgen und Nöte seiner Kunden – also der hier lebenden Menschen – aus erster Hand. Auf seinem Schreibtisch liegen unter anderem sieben zusammengeheftete A4-Seiten: Die Zeittafel zur Regensburger Straße. Die ersten Einträge stammen vom Juli 1991 und vom Juni 1993 – Briefe an den damaligen Oberbürgermeister Klaus Rauen (CDU). Im September 1993 erhielt der hallesche Stadtrat Lösungsvorschläge. Und lehnte ab! Trotzdem kam es im November 1993 zu einer Ortsbegehung mit dem positiven Ergebnis einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde (km/h) – jedoch nur für die Radeweller Straße.

Im Mai 1996 folgte eine weitere Ortsbegehung. Dazu heißt es im Protokoll: „Eine Umgehungsstraße ist Voraussetzung für weitere Gewerbeansiedlungen.“ Im Januar 1997 schließlich wurde die Umgehungsstraße Radewell „mit höchster Priorität“ im verkehrspolitischen Leitbild der Stadt Halle festgeschrieben. Nur ein Jahr später war im Stadtrat sogar vom Baubeginn im Jahr 2001 die Rede. Doch die Zeit verging. Und wiederum tat sich nichts. Im April 2002 erfuhren Anwohner durch ein Schreiben der Verwaltung, dass die Kosten einer Umgehungsstraße von ursprünglich sechs Millionen DM auf nunmehr zwölf Millionen Euro gestiegen seien und eine Realisierung nicht vor dem Jahr 2007 möglich wäre.

Mittlerweile sind weitere zehn Jahre ins Land gezogen, ohne dass die Radeweller und Osendorfer irgendeinen Grund zum optimistischen Blick nach vorn haben könnten. Einzig die Geschwindigkeitsbegrenzung für die Regensburger Straße auf 30 km/h war im Juni 2012 ein kleiner Lichtblick. Zuvor hatte sich Halles Stadtverwaltung dieser Forderung der Anwohner stets verweigert.

Letzter Hoffnungsschimmer bisher – für eine weitgehend ungestörte Nachtruhe – war vor gut zwei Jahren die Testphase eines Nachtfahrverbotes für Lkw über 7,5 Tonnen. Im vergangenen Februar verkündete Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) aber das Veto aus dem Landesverwaltungsamt. Die Landesverwalter begründeten ihre Ablehnung mit einer Benachteiligung ortsansässiger Unternehmen und der erwarteten Verlagerung der Verkehrsbelastung in den Saalekreis. Mit Blick auf die Entscheidung kritisiert Keindorf das offensichtlich mangelhafte Zusammenwirken der beiden Verwaltungen von Stadt und Kreis.
Auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob er aktuell davon ausgeht, die Ortsumfahrung einmal selbst noch zu erleben, lächelt der Landespolitiker nur. Thomas Keindorf weiß, dass die Kommunalpolitik in Radewell in den vergangenen mehr als 25 Jahren sehr viel Vertrauen verspielt hat und sagt dies auch.