Der Gesundbrunnen – heiliger Quell

Erste Erwähnung Anfang des 14. Jahrhunderts – Engagierter Verein kümmert sich seit 2008

Der Süden der Saalestadt ist durch üppige Grünflächen geprägt und einladender Naherholungsmagnet für viele Hallenser. Da sind beispielsweise die urwüchsige Rabeninsel, die Grünzüge in Böllberg-Wörmlitz, in der Südstadt sowie auf der Silberhöhe, der Südfriedhof, das Gelände um den Wasserturm Süd herum, der Pestalozzipark und die Gartenstadt Gesundbrunnen.

Zwischen 1926 und 1931 wurde die Gartenstadt errichtet, als Großsiedlung des vorwiegend genossenschaftlichen Wohnungsbaus. Geplant war das Gebiet für mehr als 13.200 Einwohner, die in Einfamilienhäusern wie auch in zwei- und dreigeschossigen Mietshäusern leben sollten. Der Pestalozzipark wurde als zen­trale Grünzone der Siedlung konzipiert.

Der Gesundbrunnen selbst mit seinem Brunnenhaus nebst Quelle hat laut den Recherchen des Bürgervereins Brunnenhaus – Gesundbrunnen Halle in halleschen Archiven schon eine sehr lange Geschichte. Die sogenannte „Hallesche Störung“, tektonische Bewegungen der Erde in der Kreidezeit (vor 136 bis 65 Millionen Jahren), sowie spätere kleinere Verwerfungen hätten neben großen Solequellen und Salzlagerstätten auch die kleine, eisenhaltige Quelle im südlichen Halle entstehen lassen. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde der „heilige Born“ wohl erstmalig urkundlich erwähnt, seine heilende Wirkung jedoch noch nicht erkannt.

Reiner Schock (links) und Thomas Zeisler, Vorstandsvorsitzender des Vereins Gesundbrunnen Halle. (Foto: Gabriele Bräunig)
Reiner Schock (links) und Thomas Zeisler, Vorstandsvorsitzender des Vereins Gesundbrunnen Halle. (Foto: Gabriele Bräunig)

Zunächst leitete man das heilige Wasser über Holzröhren westlich zur Saale hinunter zu einer kleinen Kapelle, die dem Heiligen Mauritius geweiht war. Und spätestens im 16. Jahrhundert gab es regelmäßige Wallfahrten der Halloren und Ratsherren mit ihren Familien zur Kapelle mit dem nun entdeckten Heilwasser. Kranke und Gebrechliche tranken davon oder badeten darin, hinterließen Opfergaben. Dem säuerlich schmeckenden Quellwasser wurden Effekte unter anderem bei Gicht, Schwächen des Muskel- und Nervensystems, des Magen- und Darmtraktes sowie bei Katarrhen und anderen Verschleimungen nachgewiesen.

Dann folgten die verheerende Pest in Halle und weitere Epidemien, an denen tausende Menschen starben. 1646 erinnerte man sich wieder der heilsamen Wirkung des Brunnens im Süden der Stadt und versuchte, mit dessen Wasser die Pest und andere Krankheiten zu heilen. Aus dem „Heiligen Born“ wurde der „Gesundbrunnen“. Viele Jahrhunderte befand sich die Quelle übrigens auf freiem Feld.

Ab 1696 nutzte der Doktor Heinrich Caspar Abel den Brunnen. Später kam er in Verruf als „Krätzebrunnen“, da das Quellwasser einigen Hallensern, die sich vorher nicht richtig ärztlich beraten ließen, schlecht bekam. Das Wasser wurde untersucht, 1710 gereinigt, die Quelle wieder aufgegraben sowie ein achtseitiges massives Haus darüber gesetzt. Der hallesche Chronist Johann Christoph von Dreyhaupt beschreibt das Wasser als „überaus hell, subtil, klarer als ein Kristall, und dennoch steckt eine zarte gelbe Erde der Crocus Martis, samt einem Eisenvitriol (schwefelsaures Eisenoxydul) in demselben“. Neueren Analysen zufolge enthält das Wasser jedoch ebenso geringe Mengen Natrium und Chlorid sowie viel Sulfat, Kalzium und Magnesium.

Die Zapfstelle des Gesundbrunnens.           (Foto: Gabriele Bräunig)
Die Zapfstelle des Gesundbrunnens. (Foto: Gabriele Bräunig)

1795 wurde der Bankier Gründler Eigentümer des Brunnens, dann der Seifensiedemeister Schmidt. 1807 kaufte Johann Christian Reil den „Heiligen Born“ für seine Badeanstalt in der Klaustor-Vorstadt, um dessen Wasser medizinisch zu nutzen. Er mischte das eisenhaltige Wasser mit Sole oder nutzte es getrennt und erzielte dadurch weitere Erfolge bei seinen Patienten. Selbst Johann Wolfgang von Goethe und Wilhelm Grimm ließen sich durch Reil behandeln. Die Sole bekam er unentgeltlich von der Saline.

Mit dem Weggang Reils sowie dessen Tod Anfang des 19. Jahrhunderts, so der Gesundbrunnen-Verein, verlor der Brunnen an Bedeutung. Erst 1858 kaufte die Universität den Gesundbrunnen, und 1885 veräußerte sie ihn an die Stadt. Aber auch danach tat sich nicht viel zur Erhaltung des Gebäudes und der Quelle.

Erst 1900 baute man das marode Quellhaus neu. Die beibehaltene achteckige Grundstruktur erhielt unter anderem eine Schweifhaube.

Was alles nichts daran änderte, dass das Baudenkmal danach wiederum Jahrzehnte lang verfiel und zuwuchs. 1928 wurde immerhin beim Bau des Gesundbrunnenbades der Name aufgegriffen.
Auch zu DDR-Zeiten vernachlässigte man das Brunnenhaus. Im September 2008 gründeten interessierte Anwohner der Siedlung und weitere Hallenser dann den Verein Brunnenhaus – Gesundbrunnen Halle, um dieses kulturelle Erbe durch ehrenamtliches Engagement plus Spenden zu erhalten und zu verschönern.

Zum „Europäischen Tag des offen Denkmals“ im September 2009 öffnete der Verein um den Vorstandsvorsitzenden Thomas Zeisler erstmalig die Pforten des Brunnenhauses. Und im Dezember 2009 übergab die Stadt feierlich den Schlüssel, die Bauunterlagen sowie die Überlassungsurkunde für das Wahrzeichen.

Seither hat sich viel im, am und um das Gebäude herum getan: Es wurde beräumt, gesäubert, saniert, beleuchtet, gesichert, die Umgebung gepflegt. Zahlreiche hallesche Unternehmen unterstützten den Verein bei seinen Bemühungen. Seit mehr als fünf Jahren erstrahlt der Gesundbrunnen nun wieder in seinem alten Glanz.