Dölauer Heide – weitläufiges Denkmalareal

Die Dölauer Heide gehört seit 1929 zu Halle, als es dem Oberbürgermeister Richard Robert Rive (1864-1947) nach langem Bemühen seit 1906 endlich gelang, das Areal vom preußischen Staat für die aufstrebende urbane Kommune zu erwerben. Der vor allem bewaldete Freiraum gilt seither als Erholungsgebiet der Großstädter und Bewohner der umliegenden Ortschaften.

Das rund 720 Hektar umfassende „Natura 2000“-Gebiet der EU, zugleich Landschaftsschutzgebiet (LSG), weist ebenso Naturschutzgebiete (NSG) wie Flächennaturdenkmale (NDF) auf. Hier stehen die besondere natürliche Ausstattung des Geländes und vor allem die dort vorkommenden Arten der Flora und Fauna unter Schutz.
Zahlreiche Brutvögel sowie Amphibien und Reptilien haben in der Heide ihren Lebensraum, wie auch die Wildtiere in Wald und Flur, unter anderem Dachs, Feldhase, Fuchs, Marder, Reh und Wildschwein. Der 658 Hektar große Stadtwald wird seit 1991 vom halleschen Grünflächenamt bewirtschaftet. Man ist darum bemüht, den vorherrschenden Kiefernforst schrittweise mit standortgerechten Laubbaumarten anzureichern und so nachhaltig aufzuwerten.

Das in historiographischen Quellen als „Die Heyde“ oder „Hayde“ genannte, als Wald oder auch lichtes Gehölz beschriebene Areal wurde wohl erst um 1800 mit seinem heutigen Namen nach der im Norden angrenzenden Ortschaft belegt. Ein Plateaurücken inmitten der Heide überragt unter anderem mit der Bischofswiese das flache Gelände der Umgebung deutlich. Dieser Raum war schon in der Jungsteinzeit und der späten Bronzezeit besiedelt. Davon zeugen zahlreiche archäologische Kulturdenkmäler.

So lebten bereits vor 5.500 Jahren und in der Zeit vor 3.000 Jahren auf dem Plateaurücken Menschen. Dies bezeugen beispielsweise Pfostenstandspuren einstiger Behausungen aus Eichenholz, die Anlage eines Wall-Grabensystems, das die Siedlungsfläche (rund 20 Hektar) umgab und im Gelände noch schwach erkennbar ist, sowie zahlreiche Grabhügel. Diese, wenn sie abgetragen wurden, offenbarten die von Steinkränzen umgebenen Steinkisten.

Seither ist die Heide kaum mehr direkt besiedelt worden. Der Baumbestand diente lange Zeit der Viehweide und Holzgewinnung für Hausbrand und Salzsiederei. Häufige Durchquerungen führten zu markanten Wegespuren und Hohlwegen. Die seit dem 17. Jahrhundert einsetzende forstliche Bewirtschaftung bot der seit dem Mittelalter gesteigerten Übernutzung und Degradierung des Mischwaldbestandes schrittweise Einhalt.
Die mit Kiefernforsten angereicherten Waldungen nutzten zunehmend Ausflügler aus den Siedlungen der Umgebung zur Erholung am Feierabend und Wochenende. Manch ein hallescher Bürger hat sich seither für den Erhalt und die Entwicklung des Stadtwaldes aktiv eingesetzt. So auch der Juwelier Franz Robert Tittel (1860-1936), der sein Ladengeschäft in Halles Schmeerstraße 12 führte. Unter anderem seinem „Naturfimmel“ frönend, bezog er seit Beginn des 20. Jahrhunderts alljährlich in den Sommermonaten Wohnungen in Halles grüner Umgebung, so zum Beispiel in Wörmlitz, Böllberg und Dölau.

Im Nordosten der Heide, wo die Nordstraße beginnt, biegt der „Tittelweg“ in den Waldbestand ein. Ein Wegestein weist dort auf seinen Namen hin. Das Kleindenkmal wurde 1932 aufgestellt. Es ist – wie der Waldweg bis zur Dölauer Ortsmitte am Heideweg – dem Namensgeber gewidmet, der den ersten Heide-Verein (1904-1920) und den zweiten (1929-1945) mit begründete und zeitweise führte. Aufgaben der Vereine waren unter anderem der Vogelschutz (Bau zahlreicher Nistkästen) und die Erschließung der Heide mit Wander-, Rad- und Reitwegen sowie die Errichtung von Ruhebänken und Schutzhütten.

Schotter für den Wegebau gewann man aus dem Steinbruch im kleinkristallinen Porphyr am Fuße des Kuhberges. Dort, wo der Hallweg auf den Kesselbergweg trifft. Folgt der Wanderer dem Tittelweg weiter nach Südwesten, so schreitet er jenseits des Heideweges, wo der Sandbergweg aus dem Bestand führt, alsbald unter den „Bastigen Tannen“ in Richtung Heide-Bahnhof. Fortan den Bergmannsteig nach Süden nutzend und nach Westen in den Köllmer Weg einbiegend, erreicht er dann die Siedlung „Waldheil“ (Ortsteil von Lieskau).

Die „Tittelei“ beruht auch auf der Initiative des Natur- und Heimatfreundes. Er ließ den Verein „Hallische Einfamilienhäuser und Laubenniederlassung Waldheil (e.V.)“ 1909 in das Vereinsregister eintragen. Wie man heute ersehen kann, haben die Vereinsmitglieder ihr Ziel erreichen können.

Prof. Dr. Günther Schönfelder