„Drei Gänse“ bald am alten Standort?

IG Gänsebrunnen Kröllwitz will historischen Brunnen im Sommer zum Sprudeln bringen

Drei Gänse watschelten einst, Tag für Tag, neugierig und selbstbewusst über den Kröllwitzer Kirchberg. Wer die Petruskirche besuchte oder im „Sonntagsstaat“ über den idyllischen grünen Schmuckplatz flanierte, kannte das majestätische Federvieh. Doch eines Tages verschwanden die stolzen bronzenen Tiere …

In den Jahren 1938/39 schuf der hallesche BURG-Professor und Kröllwitzer Bildhauer Gustav Weidanz die Plastik „Drei Gänse“. Zieren sollte sie einen Brunnen auf dem Kirchberg von Kröllwitz. Seine Modelle fand der Künstler nach neuesten Erkenntnissen wahrscheinlich im Gänsezucht-Ins­titut am Kreuzvorwerk, das die bei Gourmets beliebten Kröllwitzer Gänse aufzog. Denn die drei Bronze-Figuren wirkten auf die Betrachter tatsächlich äußerst lebendig.

Heute gibt es die große Gänsezucht-Anlage nicht mehr. Und dieses Schicksal teilten leider ebenso 1956 die „Drei Gänse“ neben der Petruskirche. Dem Künstler gefiel die Herumtollerei der Kinder auf den Gänsen wohl gar nicht, so dass das Federvieh vom Brunnen entfernt und in der Grünanlage am heutigen Landesmuseum für Vorgeschichte am Rosa-Luxemburg-Platz wieder „ausgesetzt“ wurde. Dort stehen die Gänse noch heute – zur Freude der Anwohner, vor allem der Kleinsten. Der Brunnen in Kröllwitz jedoch verfiel zunehmend und war für lange Zeit kein schöner Anblick.

Sieben Kröllwitzer um Dr. Christina Böttcher bemühen sich seit Juli 2014 als „Interessengemeinschaft Gänsebrunnen Kröllwitz“ darum, den Brunnen mit den drei Gänsen auf dem Kirchberg wieder zum Sprudeln zu bringen – zum einen, um das identitätsstiftende Markenzeichen wieder dort zu haben, wo es hingehört; zum anderen, um das künstlerische Vermächtnis von Gustav Weidanz wach zu halten. Die acht Unermüdlichen bringen sich seither sehr engagiert bei der wissenschaftlichen Untersuchung des Kunstwerks, bei der technischen und künstlerischen Planung sowie Umsetzung des Brunnen-Projektes mit ein.

Zeichnung: Konstantin Bräunig

Vieles wurde dabei in den vergangenen über drei Jahren mit Hilfe von Fachfirmen erreicht – auch wenn die Kosten das Erwartete dann doch überstiegen hätten, erzählt die ehemalige MLU-Geschichtsdidaktin, die nicht gern als Vorsitzende des Vereins bezeichnet werden möchte. So liege allein in der Brunnenstube unter der Erde modernste Technik für weit über 20.000 Euro. Dank mehr als 1.500 Spendern – von Freunden und Privatpersonen bis zu Unternehmen – waren die bisherigen Arbeiten für insgesamt rund 94.000 Euro möglich. Insgesamt veranschlagt die IG rund 120.000 Euro für das gesamte Brunnen-Projekt.

Deshalb organisiert der Verein seit 2016 unter anderem kulturelle Veranstaltungen auf dem Schmuckplatz an der Petruskirche und vielseitige wie lehrreiche Stadtteil-Führungen, deren Einnahmen dem Brunnenbau zu Gute kommen. Beantragt worden seien gleichfalls 7.500 Euro bei der Stadt, die für die Rekonstruktion ihres Eigentums bis jetzt leider nicht viel übrig gehabt hätte, ergänzt die 72-Jährige etwas bitter.

Und natürlich lief die Sache mit dem Wiedereinzug der drei Gänse auch nicht ganz wie am Schnürchen, sprich nicht ohne das Veto der Gänseliebhaber vom Rosa-Luxemburg-Platz, die auf ihre schöne Plastik nicht verzichten wollten. Eine für beide Seiten akzeptable Lösung musste also her! Diese ist im Wesentlichen den Bemühungen von Prof. Bernd Göbel, dem Weidanz-Schüler und Schöpfer des so genannten Göbel-Brunnens auf dem Hallmarkt, zu verdanken. Nach unermüdlichen Recherchen gelang es ihm, die Originalgussform der drei Gänse bei einem Kunstgießer in Schöneiche bei Berlin aufzuspüren. Das war nach der Erinnerung von Christina Böttcher eine sowohl sehr atemberaubende als auch äußerst erfolgreiche Aktion.

Im Frühjahr soll nun die in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule entworfene Technik in der Brunnenschale in­stalliert werden; für Mai oder Juni erwartet man sehnsüchtig die Gänse. Und im Juli soll der historische Brunnen nach dem Willen der Vereinsmitglieder dann mit einer feierlichen Einweihung wieder in Gang gesetzt werden. Für die Zukunft plant die Interessengemeinschaft zudem weitere niveauvolle Veranstaltungen am Gänse-Brunnen, um das Zentrum von Kröllwitz kulturell weiter zu beleben. Frau Dr. Böttcher erhofft sich, dass der wieder errichtete Gänse-Brunnen tatsächlich identitätsstiftend wirkt und dadurch mehr Kröllwitzer aktives Interesse an ihrem Stadtteil finden.

Außerdem liegen im Moment noch rund 15.000 Mosaiksteine aus der Brunnenschale beim städtischen Grünflächenamt. Für die Aufarbeitung dieses dreifarbigen Kunstwerks des Hallensers Charles Crodel wird ebenfalls Geld benötigt. Ehrgeiziges Ziel des Vereins ist es, dass der Gänsebrunnen 2019 in seiner kompletten Schönheit erstrahlt und auch das Grün im Umfeld nach Möglichkeit attraktiver gestaltet ist. „Und es wäre schön“, so Christina Böttcher, „wenn sich künftig Brunnenpaten finden würden, die auf das Schmuckstück Acht geben.“