Dreiste Buntmetalldiebe am Werk

Aus der Heimatgeschichte: 1799 wurde Glocke aus Dölauer Kirche gestohlen

Bei diesem Titel vermuten einige Leser sicher einen Bericht zum Diebstahl von Oberleitungen der Deutschen Bahn oder von Kupferrohren in einem Gebäude. Spitzbuben, die auf wertvolles Metall aus waren, gab es jedoch auch schon zu früheren Zeiten. Die „Halleschen Nachrichten“ vom 4. November 1799 berichteten da zum Beispiel von einem besonders dreisten Einbruch in die Dölauer Kirche, bei dem mehrere Zinngegenstände, aber auch das wertvolle Taufbecken aus Messing und sogar eine historische Bronzeglocke gestohlen wurden.

Das Taufbecken der Dölauer Kirche wurde in einem Steinbruch wiedergefunden. (Foto: Glockenarchiv beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie)

Über 30 Jahre später fand man in einem Steinbruch bei Brachwitz das historische Taufbecken wieder, welches heute noch in der Kirche Verwendung findet. Und auch die Glocke, immerhin 56 Kilogramm schwer, fand sich wieder an. Sie wurde um 1300 gegossen und war, wohl auch wegen ihres hellen Klanges, bis 1866 im Gebrauch. Danach wurden zwei Eisenglocken in den Kirchturm gehängt, die man im Ersten Weltkrieg jedoch eingeschmolzen hatte, so dass die in der Zwischenzeit im Küsterhaus aufgehängte historische Bronzeglocke erneut für kurze Zeit in den Turm wanderte. Da sie jedoch inzwischen stark gerissen war, stand die Gemeinde vor der Entscheidung, die Glocke einschmelzen zu lassen oder sie dem Angermuseum in Erfurt für die historische Glockensammlung zur Verfügung zu stellen. Als in der Inflation dann alle Preise explodierten, verliert sich der Nachweis dieser Glocke. Höchstwahrscheinlich ist sie doch irgendwann eingeschmolzen worden. Eine letzte Spur findet sich heute lediglich als Foto aus dem Jahr 1922 im Glockenarchiv beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in der Schmeerstraße. Darauf lässt sich die Inschrift „VOX DOMINI SUR AQUAS“ oder sinngemäß der Bibelspruch „Der Geist des Herrn schwebte über den Wassern“ erkennen.

Im Jahr 1985 wurde die Dölauer Kirche erneut zumindest indirekt Opfer eines Buntmetalldiebstahls – oder besser von Vandalismus. Das trug sich folgendermaßen zu: Nach Abschluss der Kirchensanierung suchte Pfarrer Hoffmann eine Orgel und wurde auf die Mauer-Orgel von 1801 in der Ermlitzer Kirche hingewiesen, die im Zuge der Tagebauerweiterung abgerissen werden sollte. Als das Instrument dann aus der bereits aufgegebenen Kirche abgeholt wurde, fehlten 196 Pfeifen. Die Dölauer Gemeinde spendete allein 39.530 DDR-Mark für neue Pfeifen, weitere Spenden kamen aus dem Ausland. Die Schwester des Pfarrers schmuggelte als Diakonissin aus dem Westen in der Schürzentasche ihrer Tracht das fehlende Blattgold über die Grenze – eine Zollsünde, bei der der liebe Herrgott sicher auch wegen der historischen Opfer der Dölauer Kirche gern ein Auge zugedrückt hat.