Redaktion Halle-Nord

Eichendorff-Ehrung – mit Augenzwinkern

Interessengemeinschaft: Modernes Denkmal für klassischen Dichter

Da während seiner kurzen Studienzeit in Halle (1805/1806) noch sehr jung und unbekannt, hinterließ der Lyriker und Schriftsteller Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff nur wenig Eindruck in Reichardts berühmtem Dichterparadies. Jedoch ist ein recht aussagekräftiges Tagebuch des 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor (Polen) geborenen Adligen zu seinem Aufenthalt in der ihm lieb gewonnen Universitätsstadt erhalten geblieben.

Hier vermerkt er nicht nur, dass er in der Burg Giebichenstein eine „artige Werkstatt für ein junges Dichterherz“ gefunden, seine erste Pfeife geraucht sowie zwei nette Mädchen kennengelernt hat, sondern auch, dass er gern in der Saale badete. Man vermutet sogar, dass er bei den Halloren das Schwimmen lernte.

Und so entschieden sich die zehn Mitglieder der Interessengemeinschaft Bronzeplastik Joseph von Eichendorff Anfang des Jahres auch mutig für das ganz besondere der insgesamt drei vom halleschen Bildhauer Prof. Bernd Göbel erarbeiten Modelle, das den Schöpfer der Halle-Hymne mit den Zeilen „Da steht eine Burg überm Tale und schaut in den Strom hinein, … “ lebensgroß und ein Handtuch um die Hüften gewunden, darstellt.
Auf diese, dem Betrachter überraschende Weise in Szene gesetzt, solle das neue Eichendorff-Denkmal unterhalb der Klausberge bei Hallensern und deren Gästen amüsierte Aufmerksamkeit erregen, so Anne Kupke, die stellvertretende Vereinsvorsitzende. Die Idee zu dem Projekt entstand während eines Besuchs ihres Vaters und Vereinschefs Wolfgang Kupke in Königswinter, als er in einem dortigen Park eine Eichendorff-Plastik sah. Und eine derart gebührende Ehrerbietung gegenüber dem großen Literaten der Romantik sei – neben der vorhandenen historischen Eichendorff-Bank oberhalb des künftigen Standbildes – schon lange überfällig gewesen, meint Anne Kupke. Angesichts des aktuellen Bauhaus-Hypes war sie selbst ein wenig überrascht von der positiven Resonanz der Saalestädter auf das Vorhaben der Interessengemeinschaft. Und das, obwohl weder ein runder Geburts- noch Todestag von Joseph Eichendorff (1788-1857) bevorstand.

IG-Bronzeplastik-Postkarte mit dem Giebichenstein, von 1802. (Abbildung: Stadtarchiv Halle)

Im Ergebnis dieses Anklangs hat der Verein, der sich erst im November 2018 gründete, innerhalb kurzer Zeit denn auch einen sehr großen Spendenerfolg zu verbuchen. Von den für die Produktion wie die Aufstellung der Bronzeplastik nötigen 50.000 Euro sind Mitte Oktober bereits 47.242 Euro zusammengekommen. Im Kulturausschuss der Stadt sowie im Stadtrat stieß das Projekt gleichermaßen auf Zustimmung; die Stadt stellt für die Errichtung des Denkmals 10.000 Euro bereit. Zum Laternenfest sowie zum Fontänefest, auf denen die Eichendorff-Freunde ihre Idee präsentierten, zeigten sich zudem viele Gäste nicht kleinlich. Das geschmückte Eichendorff-Boot eines Vereinsmitgliedes erhielt zum Bootskorso beim Laternenfest 2019 den Siegerpreis in Höhe von 250 Euro. Außerdem spendeten unter anderem der Lions Club Halle, die Bürgerstiftung, der Lehrerchor plus eine hallesche Galerie für das Bronzedenkmal. Und die Druckerei „druck zuck“ ließ es sich nicht nehmen, den Verein mit einem riesigen Banner an ihrem Geschäftsgebäude zu unterstützen. Da kann man dann wohl getrost ebenso von einem derzeitigen Eichendorff-Hype in Halle sprechen.

Zu Recht. Denn die Vereinsmitglieder verbinden mit dem außergewöhnlichen künstlerischen Projekt denn auch die Hoffnung, nicht nur bei den älteren Hallensern, sondern vor allem bei jungen Menschen das Interesse für die originelle Plastik zu wecken und damit das Gefühl der Heimatverbundenheit zu stärken. Darüber hinaus, so Anne Kupke, sei die romantische Dichtung einfach schön.

Die Eichendorff-Verehrer planen aufgrund der bisherigen großzügigen finanziellen Zuwendungen, die Bronzeskulptur noch im November aus der Bildgießerei in Rinteln anliefern und vorfristig links des Saalezugangs Emil-Eichhorn-Straße aufstellen zu lassen. Eigentlich war die Installation erst für März 2020, den Geburtsmonat des Dichter-Freiherrn, geplant. Denn seit Jahr und Tag ehren die Eichendorff-Jünger am 10. März mit Musik, Gesang und Fachsimpelei ihr romantisches Idol. Am Fuße der Klausberge, mit Blick auf Eichendorffs geliebte Burg Giebichenstein und mit dem Rücken zum Dichterparadies Reichardts Garten wird sich das Standbild dann harmonisch in die attraktive grüne Saale-Landschaft einfügen.

Das Denkmal soll zunächst ein Betonfundament erhalten, in das man eine Schatulle mit den Namen der Spender einlässt. Der bereits fertige Sockel besteht aus schlesischem Marmor, stammt also aus der Heimat sowohl von Eichendorff als auch von Vereinschef Wolfgang Kupke. Die Steinmetzfirma Thust aus Breslau, die eine Filiale in Merseburg unterhält, hat den Sockel angefertigt. Der über 80-jährige Unternehmensleiter hat die Entwicklung des Vorhabens der Interessengemeinschaft Bronzeplastik Joseph von Eichendorff stets interessiert begleitet, war sogar vor Ort in der Emil-Eichhorn-Straße. Darüber hinaus pflegt der hallesche Verein innige Kontakte zum Eichendorffzentrum im polnischen Lubowitz, aber ebenso zum Freundesverein Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt.

Bis die Projektkosten, insgesamt 50.000 Euro, komplett eingeworben sind, fehlen freilich noch ein paar „Silberlinge“. Seit März dieses Jahres findet man am künftigen Standort der Bronzeplastik deshalb auch neben einer Info-Tafel einen kleinen Kasten mit Postkarten, inklusive Angabe des Spendenkontos (Saalesparkasse, IBAN: DE61 8005 3762 1894 0861 27). Und vielleicht bleibt am Ende ja noch so viel Geld übrig, dass die Vereinsmitglieder zur festlichen Enthüllung des Denkmals am 23. November, um 14 Uhr, wie zu jeder Geburtstagsfeier für Eichendorff, schlesischen Streuselkuchen reichen können. Dieser wird von einer Bäckerei in Görlitz gebacken. Internet: www.fdsh.de/eichendorff