Ein Leben für die Feuerwehr

Ulrich Röfer: Einzigartiges Feuerwehr-Museum in Ammendorf fasziniert Groß und Klein

„Immer, wenn das Spritzenhaus bei uns zu Hause aufgemacht wurde, waren wir Kinder da. Wir haben geguckt und gestaunt. Das war wie ein Mythos für uns – auch, weil wir da nicht rein durften. Außerdem hat mich die rote Farbe der Feuerwehr stets angezogen; das ist heute noch so.“ Sagt‘s und lacht verschmitzt wie ein kleiner Junge.

Ulrich Röfer, 1940 in Saubach bei Bad Bibra geboren und heute in Halle-Neustadt wohnend, interessiert sich seit frühester Kindheit für die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr. Bereits sein Vater, der aus dem Zweiten Weltkrieg nicht heimgekehrt ist, und den er deshalb nie bewusst kennengelernt hat, war Mitglied bei den Floriansjüngern in Saubach. Übrig geblieben sind unter anderem alte Fotos, auf denen der Vater in Feuerwehr-Uniform zu sehen ist.

Ein großer Fundus an historischen Feuerwehrhelmen ist im Feuerwehrmuseum Ammendorf zu bestaunen. (Foto: Gabriele Bräunig)

Der damals Anfang 20-jährige Ulrich weiß also sehr wohl, was auf ihn zukommt, als er in die Freiwillige Feuerwehr seines Heimatortes eintritt. Wie sein Vater, erzählt der 77-Jährige heute, habe er wohl schon immer Interesse für „helfende Geschichten“ gehabt. Denn Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr zu sein, heißt vor allem, Menschen zu retten beziehungsweise zu bergen, diese zu schützen sowie zum Teil verheerende Brände zu löschen.

Freilich war die Feuerwehrtechnik in den 1960er Jahren, als der engagierte junge Mann Mitglied der Berufsfeuerwehr Buna sowie später, bis 1993, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr des Werkes wurde, nicht so hoch entwickelt wie heute. Trotzdem ist das derzeitige Mitglied der Alterswehr Ammendorf von historischen Feuerwehr-Utensilien nach wie vor so fasziniert, dass er diese leidenschaftlich sammelt. In all den Jahren hat er so viele Helme, Uniformen, Atemschutzmasken, Löscheimer mit Besitzer-Aufschrift, Feuerwehr-Spritzen, -Steigergurte, -Äxte, -Lampen, -Wappen sowie Fotos und Dokumente zusammengetragen, dass sie ein ganzes Museum füllen – das weit und breit einzigartige Feuerwehr-Museum Ammendorf  in der Elsterstraße 29. Hier steht das 1911 in Betrieb genommene, unter Denkmalschutz stehende historische Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr Halle-Ammendorf, die 1899 gegründet wurde und deren Mitglied Ulrich Röfer seit 1995 ist.

Mit dem Sammeln von Feuerwehr-Helmen hat es also angefangen – die ersten waren übrigens aus Leder; heute werden sie aus feuerfestem Duroplast hergestellt und fluoreszieren sogar im Dunkeln. Im Feuerwehr-Museum findet man denn auch traditionelle Helme aus diversen Zeiten und Ländern. Auf die amerikanischen Feuerwehr-Helme, die Ulrich Röfer von einem Besuch bei den legendären Feuerwehrleuten der US-amerikanischen Hauptstadt mitgebracht hat, ist er besonders stolz. Auch die Löschmethoden haben sich seit 1841, als die erste deutsche Feuerwehr in Meißen entstand, sehr gewandelt.  Zu besichtigende beinahe wasserdichte Lösch- oder Brandeimer aus Hanf sind technisch perfektionierten Lösch- und Rettungsfahrzeugen gewichen. Und da das Nachtwächterwesen einst eng mit dem Löschen von nächtlichen Bränden verbunden war, wird im Museum ebenfalls ein Nachtwächter mit Hellebarde, Horn, Laterne und Stadttorschlüssel präsentiert. Auf die Frage, welches sein wertvollstes Stück ist, antwortet der passionierte Feuerwehrhistoriker: „Das ist die mit viel lokalem Kolorit behaftete sogenannte Ule-Kapsel, die der erste hallesche Feuerwehrkommandant 1872 in der Würfelwiese vergraben hat.

Hier hinterließ Dr. Otto Eduard Vincent Ule schriftlich seine Visionen für die Zukunft der Saalestadt. Vor einigen Jahren wurde diese Kapsel ausgegraben und uns als Dauerleihgabe von der Passendorfer Feuerwehr übergeben. Mystischer Weise ist auf dem leider komplett zerfallenen Papier nur noch das Wort ‚Gerechtigkeit‘ zu lesen. Darüber sollte man nachdenken!“ Und da ist dann noch die älteste und einzig erhaltene hallesche Kastenfeuerspritze, die in der Ulrichskirche stand und vom dortigen Hausmeister vor der Verschrottung gerettet wurde. Die Spritze wurde vermutlich zwischen 1790 und 1810 gebaut.

Ulrich Röfer zwischen seinen Schätzen, die er im Laufe vieler Jahre angesammelt hat. (Foto: Gabriele Bräunig)

Und sein neuestes Schmuckstück? Nun schwärmt Ulrich Röfer von einem Bild zum Großbrand in der Johannesstraße in Jena während der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806. Über dieses Thema hatte der Feuerwehr-Historiker bereits einiges gelesen und den Stich kürzlich in einem Jenaer Hotel gesehen. Er wusste beispielsweise, dass man damals um Jena – wie offensichtlich auch um Halle – diverse Teiche angelegt hatte, um deren Wasser bei einem Brand in die Stadt zum Löschen hinein laufen zu lassen. Ein kleiner Kunstdruck dieses Stiches ziert nun also auch die Ammendorfer Feuerwehr-Schatzkammer.

Sein umfangreiches feuerwehr-historisches Wissen vermittelt Ulrich Röfer seit vielen Jahren in der Zeitschrift „Feuerwehren in Sachsen-Anhalt“; darüber hinaus ist er Autor des 2002 erschienenen Buches „Wasser marsch! Streifzüge durch die Geschichte des Feuerlöschwesens“ – beides erschienen im Mitteldeutschen Verlag. Gern empfängt er auch Kita-, Schul- und Hortgruppen im Museum, um seine Leidenschaft weiterzugeben sowie junge Leute für eine eventuelle ehrenamtliche Tätigkeit in der Jugendwehr Ammendorf zu begeistern. Seit drei Jahren öffnen sich die Tore des Feuerwehr-Museums gleichfalls zur jährlichen „Museumsnacht Halle – Leipzig“ plus zum „Tag des offenen Denkmals“ – 2018 wieder am 5. Mai beziehungsweise am 9. September. Eintrittsgeld wird hier nicht erhoben; über eine kleine Spende für das Museum freut sich Ulrich Röfer natürlich.

Manchmal repariert der Feuerwehr-Fan etwas von seinen historischen Lieblingen in seinem Keller, ansonsten lagern (fast) alle Kleinode im Museum in Ammendorf. Seine Frau stehe bezüglich seines Hobbys jedoch voll hinter ihm, beteuert der 77-Jährige, und sie freue sich über jedes neu hinzugewonnene Stück für ihren Mann.

Und wenn der Platz im Museum einmal nicht mehr ausreicht? „Dann muss ich aufhören!“ Sagt‘s und lacht verschmitzt wie ein kleiner Junge.