Redaktion Halle

„Einfach ein Glücksgefühl“

„KlingelZeichen“: Freiwillige Emely Gensler besucht Seniorin in ihrer Freizeit

Emely Gensler ist viel unterwegs. Die 23-Jährige arbeitet als Arzthelferin und unternimmt auch außerhalb ihrer Arbeit viel. Trotzdem stand für sie zu Silvester 2018 fest: „Jetzt brauchst du irgendetwas Neues.“ Sie meldete sich bei der Freiwilligen-Agentur in Halle und kam schließlich zum Seniorenbesuchsdienst „KlingelZeichen“.

Alten Menschen Zeit für Gespräche und gemeinsame Unternehmungen zu schenken und dabei für sich selbst etwas Gutes zu tun – der Gedanke gefiel Emely Gensler. Seit Sommer 2019 besucht sie deshalb regelmäßig eine Seniorin im halleschen Süden und genießt die gemeinsame Zeit: „Es peppt den Alltag sehr auf und macht mir einfach Spaß. Es ist schön, sich für etwas zu engagieren, und man bekommt so viel zurück. Ich muss da ja nicht hin, um Geld zu verdienen, sondern einfach aus Freude. Dass dann jemand auf einen wartet und ich genau weiß, dass sie sich freut und mir das auch sagt, ist so ein Glücksgefühl.“

Seit 2010 vermittelt die Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis Patenschaften wie die zwischen Emely Gensler und ihrer Seniorin. Alte Menschen, die sich soziale Kontakte wünschen, bekommen so Zeit für Gespräche und Spaziergänge geschenkt. Die Freiwilligen freuen sich ebenso über neue Kontakte und profitieren von der Patenschaft. „Man lernt auch einfach so viel für sich, selbst wenn der Altersunterschied groß ist“, berichtet Emely. Den Einblick in eine für sie fremde Lebenswelt beschreibt die junge Frau so: „Wenn sie etwas von früher erzählt, was damals passiert ist oder was sie früher erlebt hat, denke ich mir manchmal: Oh, das sind ja wirklich schlimme Sachen. Mensch, es gibt da auch noch etwas anderes.“

Dass Emely Gensler gleichzeitig noch berufstätig ist, stellt kein Problem für sie dar: „Mindestens eine Stunde pro Woche an andere zu verschenken, das schafft jeder. Außerdem genieße ich die Spaziergänge und die Gespräche, sie tun mir genauso gut. Es ist ein schöner Ausgleich. Im Job habe ich zwar ständig mit Leuten zu tun, aber immer nicht viel Zeit für sie. Viele wollen gerne reden, ich muss jedoch weiter arbeiten. Dann weiß ich allerdings: Heute Abend gehst du zu deiner Seniorin und kannst dich wirklich nur um sie kümmern, ihr zuhören vor allem. Es ist für mich eine Stunde, um rauszukommen. Das Spazierengehen tut mir auch unheimlich gut, weil ich das sonst nicht machen würde. Ich würde zu Hause sitzen und Fernsehen gucken.“

In Zukunft möchte der Seniorenbesuchsdienst „KlingelZeichen“ weitere Patenschaften wie die zwischen Emely Gensler und ihrer Seniorin im gesamten Stadtgebiet Halle stiften. Dafür steht vor allem der hallesche Süden mit der Silberhöhe im Fokus für 2020: Ab Januar nächsten Jahres kooperieren die Freiwilligen-Agentur, die Volkssolidarität 1990 Halle (Saale) und die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH (HWG), um gemeinsam Unterstützungsmöglichkeiten für Senioren in der Silberhöhe auszubauen. „Wir möchten mit der intensiven Zusammenarbeit der drei Partner eine bessere Versorgungssicherheit für die älteren Bewohner des Quartiers erreichen. Dabei kann das KlingelZeichen eine gute Schnittstelle zur Begegnungsstätte und zu professionellen Hilfen sein“, so Oliver Daffy, bei der Volkssolidarität Bereichsleiter für Begegnung, Beratung und Wohnen.

In den Wohngebäuden der HWG in der Kreuzerstraße 10 und 11 betreibt die Volkssolidarität bisher eine Begegnungsstätte für Senioren, die jeden Monat für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. In beiden Gebäuden möchte sie darüber hinaus weitere Angebote schaffen, die ein seniorengerechtes Wohnen ermöglichen – die gute Anbindung an die Infrastruktur der Stadt, günstige Mieten und ein Aufzug in jedem Haus bieten dabei ideale Ausgangsbedingungen. „Wir wollen unseren Mietern ein Zuhause fürs Leben geben. Das bedeutet, wir bieten Wohnungen für jede Lebenslage und Lebensphase. Dabei greifen wir gern auf die Hilfe von Partnern zurück – so wie in der Kreuzerstraße“, fasst HWG-Sprecher Steffen Schier zusammen.

Neben Unterstützung in der Pflege sowie Betreuung gehört auch ein Besuchsdienst wie das „KlingelZeichen“ zu den Angeboten vor Ort. Senioren, die sich soziale Kontakte wünschen, können so Freiwillige für Besuche oder gemeinsame Unternehmungen vermittelt bekommen – so wie bei Emely Gensler und ihrer Seniorin. Darüber freut sich auch die Volkssolidarität: „Die Ziele des Besuchsdienstes und das Selbstverständnis sowie die Tradition des Volkssolidarität 1990 e.V. passen hier bestens zusammen“, so Oliver Daffy.

Wünschen auch Sie sich Besuch oder möchten jemanden besuchen? Dann melden Sie sich bei der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis für ein unverbindliches Informationsgespräch unter Telefon 0345/27992345 oder per E-Mail an: seniorenbesuchsdienst@freiwilligen-agentur.de
Ansprechpartnerinnen: Jasmin Brückner und Melanie Holtemöller