Redaktion Halle-Nord

Einfach zum Knuddeln!

Einzigartiges Teddymuseum von Heinz Schultheis weckt Kindheitserinnerungen

Ein Meer aus Knuddelbären empfängt den Besucher, wenn Heinz Schultheis die Tür zu seinem Teddymuseum in einem alten Stall Am Hagedorn in Tornau öffnet: Sage und schreibe 2006 der brummeligen Zeitgenossen in allen Formen, Größen, Qualitäten und Verkleidungen finden sich hier. Gar ganze selbst gestaltete Landschaften sind mit Teddys bestückt. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Und zu allen seinen Kuscheltieren weiß der ehemalige Ingenieur für Natursteintechnologie Geschichten zu erzählen.

Mit 60 Jahren hat Heinz Schultheis angefangen, Teddybären zu sammeln; das war vor 15 Jahren. Der allererste Teddy stammt von seinem großen Sohn. Wenn andere Leute zum Geburtstag Wein geschenkt bekamen, erhielt er seit dieser Zeit Teddys. Einige brachte er auch von Urlaubsreisen mit. Und so wuchs die Sammlung des Tornauers kontinuierlich an – auf zunächst 200. Dann hatte eine Nachbarin, der Herr ­Schultheis immer mal wieder einen Teddy schenkte, nicht mehr genügend Platz für ihre eigenen Lieblinge. Also adoptierte er die ganze Schar kurzerhand.

Da Heinz Schultheis‘ verstorbene Frau Puppen sowie Kobaltgeschirr sammelte, ging es früher „von Trödelmarkt zu Trödelmarkt – bis nach Kaiserslautern und Frankfurt/Main, um Teddys und Zubehör zu beschaffen“, schwärmt der heute 75-Jährige. „Am Anfang sammelt man noch wahllos“, erinnert er sich an alte Zeiten, „und manchmal war das wie ein Rausch. Da habe ich 30 bis 40 Teddys an einem Wochenende erstanden. Aber so nach und nach kommt eine Linie in die Sammelleidenschaft.“

Im Teddymuseum von Heinz Schultheis in Tornau gibt es 2006 Kuschelbären: Angler-Teddys, Taucher-Teddys, Flower-Power-Teddys, Mutti-, Vati- und Kinderteddys und und und. Auch Enten und andere Plüschtiere kann man bestaunen. (Foto: Gabriele Bräunig)

Nachdem Heinz Schultheis im Jahr 2011 mit rund 700 Teddys eine Ausstellung im Museum Petersberg bestritt und großen Zuspruch erhielt, machte er 2014 seine schöne Sammlung auch der Öffentlichkeit zugänglich. Seither kommen monatlich etwa 40 bis 50 Liebhaber der flauschigen Gesellen auf den Hof am Hagedorn, und zwar nicht nur Kita- und Hortkinder. Erwachsene fühlen sich gleichermaßen in dem Teddy-Paradies in ihre Kindheit zurückversetzt, können hier einmal wieder klein Martina beziehungsweise klein Martin sein. Und sie möchten auch ihren Kindern und Enkeln einen Einblick in ihre einstige gemütliche wie vielfältige traditionelle Kinderspielzeugwelt geben.

Denn unbeschreiblich viele verschiedene Teddys sind hier zu bestaunen, und sie sind alle katalogisiert: Eine Familie, ein Reservat voller Indianer-Teddys, Kuschelbären in einer Winterlandschaft oder als Cowboys auf einer Ranch, Matrosen, Ritter, Formel 1-Fahrer, Taucher, Postkutscher, Fallschirmflieger, Flower-Power-Teddys mit Bulli, Motorradfahrer, Folklore-Teddys, der große „Ehrbare Kaufmann“ – mit knapp 1.000 Euro sein teuerstes Stück, ein Angler, eine Krankenschwester, ein Maler mit Staffelei, ein König, eine Tänzerin, viele Polizei-Teddys und, und, und. Gar ein ganzes Orchester sitzt gleich rechts an der Eingangstür.

Je bekannter das Tornauer Teddymuseum wurde, desto mehr Besucher brachten eigene Teddys in Heinz Schultheis‘ Sammlung. „Da kam sogar mal ein Mann mit 15 großen Taschen voller kleiner Teddys zu mir“, staunt er noch heute. Eine Dame aus Ammendorf, die einmal sein Refugium besuchte, schenkt ihm nun jedes Jahr einen selbst gestalteten Teddy-Kalender.

Einen bevorzugten Teddy hat der Mittsiebziger nicht; sie sind ihm alle gleich lieb. Der älteste Teddy in Herrn Schultheis‘ Museum ist zirka 90 Jahre alt. Den hat er von einer Zahnärztin geschenkt bekommen. Die am weitesten gereisten Kuschelbären kommen aus Indien sowie den USA, zum Beispiel einer der Polizei-Teddys. Auf jeden Fall steht hier, neben einiger Allerweltsware, viel Handarbeit. Unter den zahlreichen Markenprodukten findet sich selbst ein Teddy aus der Bad Kösener Spielzeug Manufaktur. Manche Teddys sind sogar noch verpackt. Dass solle auch so bleiben, meint der passionierte Sammler, denn sie gehörten zu einer Serie.

Und, man kann es sich gewiss schon denken: Heinz Schultheis sammelt nicht nur Teddys. Zwischen den mehr als 2.000 Plüschbärengesellen fällt dem aufmerksamen Betrachter dann unter vielem anderem auch der Elefant, der Tiger oder die singende Ente auf. Außerdem braucht die Teddy-Familie ja Möbel, die Teddy-Mutti einen Kinderwagen und ein Schmuckkästchen, die Teddy-Kinder eine Wippe, der Rummel ein Karussell, die Indianer Zelte und Totempfahl, der Ritter eine Rüstung, die Matrosen ein Schiff, der Postillion eine Kutsche, das Orchester Instrumente, der König eine Krone, …

Man mag sich schon kaum vorstellen, wie aufwändig es ist, das Museum mit seinen zahllosen Plüschtieren, den Vitrinen sowie dem unendlichen Zubehör zu erhalten und zu säubern. Doch das bekomme er in den Griff, so Heinz Schultheis. Aber beinahe noch schwerer kann man sich ausmalen, wie man den Überblick über all die Utensilien behält, die die Teddys benötigen. Denn vieles musste repariert, erneuert, ergänzt werden, um aus den ursprünglichen Figuren das zu machen, was sie heute darstellen. Und so bemerkt man an Heinz Schultheis nicht nur eine überbordende Liebe und Fantasie bezüglich seiner immensen Spielzeugwelt, sondern auch die Gabe, beim Bummel über einen Flohmarkt ganz genau zu sehen, welcher Teddy was gebrauchen könnte beziehungsweise welches Utensil noch zu welchem Aufbau passen würde. Darüber hinaus hat er aus alten Stoff- und Lederteilen Accessoires für seine Indianer, Kutscherpferde oder Folklore-Teddys genäht.

So mancher größere Kuschelbär trägt inzwischen Kleidung, aus der die beiden Enkel und das Urenkelchen herausgewachsen sind. Zwei der Bären sind sogar nach den Enkeln Violetta und Eddie benannt worden. Da Kinder auf dem Hagedorn-Hof leben, dürften diese sowie die anderen kleinen Besucher des Teddymuseums das Spielzeug natürlich gern vorsichtig anfassen, bekräftigt Heinz Schultheis. Und wer ihn zu den Öffnungszeiten donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 10 bis 13 Uhr im Museum nicht gleich erwische, solle doch einfach zwei Türen weiter rechts bei Schultheis klingeln. Dann gewährt der große stattliche, weißhaarige Wächter der Teddybären Einlass in sein liebevoll eingerichtetes Reich.