Redaktion Halle-West

Einst Richtstätte und Thingplatz

Die Brandberge im Wechsel der Jahrhunderte – heute moderner Sportkomplex

Ein Besuchermagnet und gleichzeitig ein architektonisches Schmuckstück ist die Sporthalle Brandberge (auch Brandberghalle) in Kröllwitz. Im Oktober 1994 hatte der Stadtrat den Bau einer multifunktionalen Mehrzweckhalle auf dem Gelände Kreuzvorwerk/Brandberge beschlossen, um Halle langfristig zu einem Sportleistungszentrum zu machen. Nach knapp drei Jahren Bauzeit wurde die Sporthalle schließlich eröffnet.

Die hochmoderne Wettkampf- und Trainingsstätte wird vorrangig für die Leichtathletik genutzt. Dafür besitzt sie vier 200-Meter-Rundbahnen, acht 60-Meter-Wettkampfbahnen und einen Anbau (Laufschlauch) für den Sprint; darüber hinaus eine Anlage für alle Sprungdisziplinen sowie eine Kugelstoßanlage.

Aber auch für andere Sportarten wie Turnen, Basketball, Fechten, Handball oder Hallenfußball kann die Halle nach kurzen Umbauarbeiten genutzt werden. Räume für Krafttraining und Physiotherapie sind ebenfalls vorhanden. Die Gesamtnutzfläche beträgt 9.400 Quadratmeter und den Zuschauern stehen 3.500 Plätze (rund die Hälfte als Sitzplätze) zur Verfügung. Die Sporthalle überzeugt auch mit einer modernen Architektur, wobei besonders die Dachkonstruktion mit sieben langgestreckten Dachzwerchen ein Hingucker ist.

Die angrenzende Werferanlage („Wurfzentrum Brandberge“) gehört zu dem Sportkomplex. Sie ist Austragungsort der alljährlichen „HALPLUS Werfertage“, die Mitte Mai stattfinden. Hier geben sich internationale Medaillengewinner von Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften, aber auch Nachwuchsathleten ein Stelldichein und messen ihre Kräfte. Dabei wurden schon zahlreiche nationale Rekorde oder Weltjahresbestleistungen aufgestellt.

Die Sporthalle erhielt ihren Namen von den beiden Brandbergen, die sich links und rechts der Dölauer Straße erstrecken. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert waren sie Richtstätten für zum Tode Verurteilte. 1850 fand hier die letzte öffentliche Hinrichtung in Halle statt – die Stadtchronik berichtet von einem Gürtlermeister aus Schkeuditz, der wegen Giftmordes zum Tode durch das Beil verurteilt wurde. Vermutlich haben hier auch Hexenverbrennungen stattgefunden, sodass es vielleicht zu der Namensgebung „Brandberge“ kam. Eine andere Theorie leitet den Namen von dem Wort branni für Sumpf oder Morast her.

Der Heimatforscher Siegmar von Schultze-Galléra (1865-1945) beschrieb die Brandberge in seinen Saalkreis-Wanderungen (1913) noch als Porphyrkuppen, „die seit Jahrtausenden nichts anderes als Gras und Heidekräuter getragen haben mögen“. Diese Landschaftsform mit den Trockenrasenflächen kann man noch rechts der Straße auf dem Großen Brandberg in einem 92 Hektar großen Naturschutzgebiet erleben. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Jahr 2007 wurde das Areal als Truppenübungsplatz durch die Sowjetarmee, die NVA beziehungsweise die Bundeswehr genutzt, sodass sich ungestört von der Öffentlichkeit ein besonderes Biotop entwickeln konnte.

Auf der anderen Straßenseite, wo sich westlich der Sporthalle ein kleines Wäldchen mit Bäumen und Gesträuch anschließt, kann man im Dickicht noch die verfallenen Überreste eines NS-Thingplatzes entdecken. Mit über 5.000 Sitzplätzen auf einer Freilichtbühne wurde er am 30. April 1934 als „erste Thingstätte des Reiches“ fertiggestellt. Hier und in der „Lochbreite“ (heute Wendeschleife der Straßenbahn) inszenierten die Nationalsozialisten ihre propagandistischen Großveranstaltungen. Nach dem Krieg verfiel der Thingplatz und wurde schließlich überbaut (unter anderem mit Studentenwohnheimen).

Zu Beginn der 1950er Jahre gab es sogar die Idee für einen großen Stadionbau, die jedoch mit der Errichtung des Leipziger Zentralstadions (1954-1956) ad acta gelegt wurde. Geblieben von der ehemaligen Thingstätte sind sechs überlebensgroße Arbeiterstandbilder aus rotem Löbejüner Rhyolith (Quarzporphyr) des Bildhauers Alfred Vocke (1886-1944), die vor einer von Säulen getragenen Ehrenhalle standen und 1951 geborgen wurden. Sie galten als erhaltenswert; man stellte sie schließlich an der Außenmauer des früheren halleschen Kurt-Wabbel-Stadions (1921-1923) auf. Beim Abriss des Stadions vor acht Jahren wurden die unter Denkmalschutz stehenden Außenmauern und Torbögen in den neu errichteten Erdgas-Sportpark integriert, sodass die Figuren dort weiterhin ihren Standort haben.