Einzigartiges Bauverfahren in Trotha

Ersatzneubau des Abwasserhauptsammlers Brachwitzer Straße – In Deutschland bisher beispiellos

Vor einem Jahr, im September 2016, startete die zu den Stadtwerken Halle gehörende Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH (HWS) im Stadtteil Trotha unterhalb der Erdoberfläche ein gigantisches Bauvorhaben: Auf knapp 1,3 Kilometer Länge entsteht in der Brachwitzer Straße der aufgrund von Hochwasserschäden erforderliche Ersatzneubau des Abwasserhauptsammlers. Das Besondere am deutschlandweit bislang einzigartigen Bauverfahren in dieser Größenordnung ist der „halboffene Vortrieb“ mit 3,60 Meter Außendurchmesser.

In dem mehr als 100 Jahre alten Hauptsammler am rechten Ufer der Saale läuft der größte Teil des Abwassers der Stadt Halle zusammen. Laut HWS handelt es sich dabei um die wichtigste städtische Entwässerungsachse. Gebaut wurde das zehn Kilometer lange unterirdische Bauwerk im Ei-Profil bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts (1908).

Das Hochwasser vom Juni 2013 hatte auch an Teilen des Kanalnetzes der Händelstadt massive Schäden hinterlassen: „Am stärksten betroffen waren die Abschnitte des Abwasserhauptsammlers in der Brachwitzer Straße, die während des Hochwassers vollständig ‚überstaut‘ waren. Da diese Anlagen technisch abgängig sind, ist eine schadensbedingte Erneuerung dringend erforderlich“, heißt es von den Stadtwerken Halle. Insbesondere betroffen von Überflutung, Rückstau und Ausspülungen sei der Abschnitt zwischen Kraftwerk Trotha und Abwasserpumpwerk Tafelwerder gewesen.

Im Rahmen der Fluthilfe realisiert die HWS derzeit den genau 1,259 Kilometer langen Ersatzneubau in zwei zeitgleichen Bauabschnitten. Für die beiden Abschnitte hat das Land Sachsen-Anhalt insgesamt rund 12,5 Millionen Euro aus dem Fluthilfe-Programm bewilligt. „Da gemäß Förderrichtlinie nur der Ersatz der bestehenden Anlage förderfähig ist, werden die Zusatzaufwendungen für die größere Dimensionierung des Kanals durch die HWS getragen.“ Bei der Kanalbemessung sei laut HWS-Information nämlich anstelle der hydraulisch gleichwertigen Nennweite von DN 2800 die Nennweite DN 3000 gewählt worden. Somit könne im Niederschlagsfall ein zusätzliches Rückhaltevolumen aktiviert werden.

Das Bauvorhaben erfolgt in zwei räumlich geteilten, aber zeitlich parallel laufenden Abschnitten – vom Rechenhaus Tafelwerder rund 562 Meter lang in die Brachwitzer Straße sowie südlich angrenzend rund 697 Meter bis auf Höhe des Kraftwerkes Trotha.

Der neue Abwasserhauptsammler hat einen Innendurchmesser von drei Metern und wird in Stahlbeton (rund 30 Zentimeter Wandstärke) ausgeführt. Die Rohre seien laut HWS-Information überwiegend vier Meter lang, nur bei Kurvenfahrt drei Meter. Ein vier Meter langes Rohr wiegt rund 32 Tonnen, welches unterirdisch mit einer Kraft von bis zu 1.440 Tonnen vorgetrieben wird.

Baustart war vor einem Jahr, am 12. September 2016. Nach der Baugrund-Stabilisierung und erforderlichen Umverlegungen wurden zum Jahresende die Start- und Zielgruben für das halboffene Vortriebsverfahren errichtet. Zu Jahresbeginn 2017 konnte schließlich die große Vortriebsmaschine in die Baugrube gehoben werden. Aktuell ist laut Stadtwerke-Sprecherin Iris Rudolph von einer Fertigstellung Ende Mai 2018 auszugehen. Über den aktuellen Zeitplan und mit dem Bau verbundene Sperrungen seien die Anwohner informiert worden.