Redaktion Halle-West

Geschichte mit Hindernissen

Nach Aufbruch und Abriss hat sich Heide-Nord jetzt stabilisiert

Die Heide bildet nicht nur die südliche Grenze für das zuletzt gebaute hallesche Großwohngebiet, auch im Namen des Stadtteils findet sich Halles Stadtwald wieder – die Heide und mit ihr das Großwohngebiet Heide-Nord.

Begonnen hatte alles im Jahr 1978, als ein Ideenwettbewerb für die städtebauliche Erschließung des künftigen Neubaugebietes Heide-Nord startete. Man dachte dabei an 80.000 Einwohner in acht Wohnkomplexen, was damals nur wenig unter der Einwohnerzahl von Halle-Neustadt (zum damaligen Zeitpunkt rund 90.000) lag. 1979 wurde eine Konzeption für das geplante Neubaugebiet am nördlichen Rand der Heide erstellt und drei Jahre später der Bau von Heide-Nord durch den Rat des Bezirkes Halle bestätigt.

Im Jahr 1985 ging dann alles sehr schnell, und am 16. Oktober 1985 zogen die ersten 40 Mieter in den Fischerring 1-4 im Wohnkomplex I ein. Der erste Wohnkomplex ist insgesamt ein interessanter Mix aus den DDR-Typenbauten P2 und WBS 70. Zwei Schulen wurden gebaut, Kinderkrippen und Kindergärten folgten. Im September 1985 wurde die erste Buslinie eingerichtet, die heute als Linie 22 in leicht veränderter Streckenführung weiterhin existiert. Ab 1987 wurde am Wohnkomplex II gearbeitet, beide Wohnkomplexe bekamen Kaufhallen. Peu á peu zog ebenfalls ärztliche Versorgung in Heide-Nord ein.

Viele weitere Investitionen waren für Heide-Nord noch vorgesehen. Beispielsweise plante man, die hallesche S-Bahn zum Ring anwachsen zu lassen. Mit einer kombinierten Bahn- und Straßenbrücke sollte die Saale in Höhe Halle-Trotha überquert werden. Im I. Wohnkomplex wollte man eine Großgaststätte bauen, die leider als Investruine im Herbst 1994 abgerissen wurde.

Von Bewohnern eingerichtete Idylle für sonnige Stündchen in der Straße Am Hechtgraben. (Foto: Gabriele Bräunig)

Apropos Abreißen: Nachdem sich im Gefolge der Deutschen Einheit abzeichnete, dass der Wohnraumbedarf künftig sinken würde, unterblieb der Weiterbau von Heide-Nord. 1990 hatte Heide-Nord 12.000 Einwohner, heute sind es mit Stand Ende 2017 knapp 6.000. Viele sind aus Heide-Nord weggezogen, sei es der Arbeit wegen, oder sie sind in andere Viertel von Halle beziehungsweise den Saal(e)kreis abgewandert.

Wie in vielen, vor allem spät gebauten Großwohngebieten war es Anfang der 1990er Jahre vorbei mit der Aufbruchstimmung in Heide-Nord. Begonnene Projekte wurden nicht zu Ende gebaut und erste Blöcke „rückgebaut“ – ein schrecklicher neudeutscher Euphemismus für „abgerissen“, wie ich finde.

Zu unrentabel – die LEO-Passage wartet auf die Abrissbagger. (Foto: Frank-Torsten Böger)

Neu entstand ab 1994 die „Heideringpassage“, ein Einkaufs- und Dienstleistungszentrum, in dem am 30. November 1995 Eröffnung gefeiert werden konnte. Knapp ein Jahr später erhielt auch der zweite Wohnkomplex ein Einkaufszentrum – die „Lettiner-Einkaufs-Oase“ (kurz „LEO“) konnte den Einwohnern übergeben werden.

Leider war dem „LEO“ nicht der Erfolg beschieden, den die „Heideringpassage“ hatte (und bis heute hat). Bis auf die Kaufhalle stehen alle Läden und Räumlichkeiten der „LEO“ leer und warten auf den Abrissbagger.

Nach den Abrissen der letzten Jahre ist die Einwohnerentwicklung in Heide-Nord heute als stabil einzuschätzen. Was bleibt, ist komfortables Wohnen in der Nähe des großen halleschen Stadtwaldes und Naherholungsgebietes – der Heide.