„hr.fleischer“ – ein Kiosk für die Kunst

Immer wieder magische Ausstellungen und überraschende Events am Reileck – Neu: „Goldrichtig!“

Immer wieder fasziniert bleiben die Blicke der Spaziergänger an den bunten, blinkenden oder leuchtenden Objekten hängen, die bei „hr.fleischer“ durch hallesche Künstler beziehungsweise Kunst-Studenten installiert werden. Hastig Vorbeieilende können zumeist gar nicht anders, als innezuhalten und die interessanten kreativen Kleinode zu bestaunen. Besonders schön ist es aber auch, wenn abends Veranstaltungen wie Lesungen „unbekannter Poeten“, Konzerte oder Impro-Theaterstücke am vor jungem Leben heftig pulsierenden Reileck stattfinden.

So heißt es vom 21. September bis 11. Oktober „Goldrichtig! Am Reileck wird interveniert“. Eröffnet wird die Exposition am Mittwoch, 20. September, um 17 Uhr, mit Wanderung und erzählter Dokumentation durch die Künstlerin Andrea Golla. Und am 13. Oktober, um 20 Uhr, startet mal wieder die Kiosksoap „Reilecke“.

Dass ein hallescher Zeitungshändler einmal ein Denkmal erhalten würde, hätte wohl bis Ende der 2000er Jahre niemand in der Saalestadt geglaubt. So etwas gab es bisher nur für Zither-Reinhold – ein echtes hallesches Original – auf dem Boulevard. In einem Raum von sage und schreibe 18 Kubikmetern ist es dennoch 2009 geschehen: am Reileck, an der Ecke zur Händelstraße. Der ehemalige Zeitungskiosk im funktionalen DDR-Baustil, den „Hansi“ Fleischer, der eher stille und etwas skurrile Mann mit den langen blonden Haaren, bis zu jenem Jahr betrieb, ist ein magisch-abwechslungsreicher „Kunst- und Projektraum“ geworden. Denn weil ab der Schließung des Kiosks etwas Wichtiges im Viertel fehlte, gründeten Kunst-Studierende der BURG zu Ehren des im Norden allseits beliebten Zeitungsverkäufers, der auch gerne mal mit manchen Kunden eine Partie Schach spielte, sofort den Verein „hr.fleischer“. Und sie benannten kurzerhand das Häuschen aus Glas, Spanplatten und Metall nach ihm.

Inzwischen wurde der vom städtischen Kulturamt als kreative „Wundertüte“ bezeichnete Kunst-Kiosk sogar in die Nummer 4 des kleinen Stadtplans „Kunst findet Stadt“ aufgenommen. Außerdem ist „hr.fleischer“ einer von 365 ausgewählten Orten im Rahmen von „Deutschland – Land der Ideen“, und viele Aktionen werden unter anderem vom Land Sachsen-Anhalt gefördert.

Der besondere öffentliche Kunst-Ort am Reileck ist heute wie gestern ein Treffpunkt für Jung und Alt im Viertel – egal, ob Schüler, Student, Professor, Öko, Hipster, Nerd, junge Mutti oder einsamer Rentner. Hier wird der Kunst-Horizont jedes Mitbürgers einfach mal gnadenlos erweitert. Vor interaktivem Geschehen ist oft sowieso niemand gefeit. Zu den Ausstellungseröffnungen wird auch gern mal ein nettes Gläschen „Pfeffi“ geschlürft – weil: schön süß, schön dreh und schön billig. Ab und zu gibt es auch Sekt. Und „Hansi“ Fleischer schaut hin und wieder vorbei und bittet jemanden aus dem Publikum zu einer Partie Schach.

In diesem Jahr ist die Publikation „18 Kubikmeter. hr.fleischer e.V. – Kunst- und Projektraum Kiosk am Reileck 2009–2015“ auf 248 Seiten und mit zahlreichen Abbildungen erschienen. Sie ist im Internet unter www.herrfleischer.blogspot.de (Publikation „18 Kubikmeter“) als PDF abrufbar. Dort findet man gleichfalls die aktuellen Ausstellungen sowie Aktionen des Vereins.