Humor gehört zur Stadtgeschichte

100. Geburtstag von Arthur Epperlein

Im Bücherregal vieler älterer Hallenser findet man sicher eine Reihe schmaler Bändchen mit auffällig knallbunten Einbänden: Epper-Bücher. Neu-Hallenser werden dagegen mit dem Namen nicht viel anfangen können. Grund genug, sich auf die Spuren von „Epper“ zu machen – immerhin beging die Stadt an der Saale im Sommer seinen 100. Geburtstag.

Um es gleich vorweg zu sagen: Epper hieß eigentlich Arthur Epperlein und erblickte am 4. Juni 1919 in Danzig das Licht der Welt. Sein strenger Vater Max war preußischer Militärmusiker, der nach Beendigung seiner militärischen Laufbahn in Halle als Oberinspektor im Versorgungsamt tätig war. Später brachte er seinem Sohn mit fast soldatischer Disziplin das Klavierspielen bei.

Arthurs Talent in den künstlerischen Fächern, vor allem beim Zeichnen, fiel in seiner Schule früh auf. Die Naturwissenschaften waren dagegen nicht sein Metier, so dass er wohl sogar einmal sitzenblieb. Trotzdem legte er 1938 sein Abitur ab und begann ein Studium an der Staatlichen Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Die glückliche Studentenzeit war aber nach sechs Semestern vorbei, der Zweite Weltkrieg rief Epperlein 1941 zu den Waffen. Nach einer schweren Erkrankung („Nur noch bedingt kriegsverwendungsfähig“) wurde er Sanitätsfeldwebel und studierte Medizin. Das Ende des Krieges erlebte Epperlein schließlich in Italien, wo er in englische Gefangenschaft geriet.

Plakat zur Ausstellung über das Schaffen „Eppers“, der vor allem für die Tageszeitung „Freiheit“ zeichnete. (Foto: Stadtmuseum Halle)

Im Mai 1946 hatte es Epperlein dann ins Ruhrgebiet, nach Essen, verschlagen. Dort fand er schnell Arbeit als Unterhaltungsmusiker. Gleichzeitig wurde er KPD-Mitglied und konnte sich als Plakatmaler etwas dazuverdienen. Im Herbst des Jahres, in dem der Vater schwer erkrankte, machte sich der Sohn auf den Weg zurück nach Halle. Hier verdiente sich Epperlein zunächst als Konzertpianist an der halleschen Oper und mit kleinen Werbeaufträgen sein tägliches Brot.

1950 konnte sich Epperlein als freischaffender Grafiker mit einem kleinen Atelier in der Innenstadt etablieren. Ab Ende 1953 erschienen dann die ersten kleinen Illustrationen (zumeist zur Bebilderung von Leserbriefen) in der damaligen „Freiheit“. Es waren noch keine Karikaturen, die ihn später so bekannt machten – aber immerhin der Beginn einer fast 40 Jahre währenden Zusammenarbeit mit der Tageszeitung.

Über Jahre hinweg signierte Epperlein seine Illustrationen mit einem schlichten »E«. 1956 tauchte auf seinen Zeichnungen schließlich der Namenszug „Epper“ auf, und seine Karikaturen erschienen ziemlich regelmäßig auf der letzten Seite der Freitag-Ausgaben. Die Hallenser scherzten, dass sie an diesem Wochentag die Zeitung von hinten beginnen würden. Fehlten die Witzzeichnungen einmal, hagelte es in der Redaktion Leserbeschwerden. Trotzdem dauerte es noch einige Jahre, bis Epperlein seine persönliche und unverwechselbare künstlerische Handschrift gefunden hatte.

Die Leser liebten seine Karikaturen, in denen er oft den sozialistischen Handel, die Handwerker oder die Bürokraten auf die humoristische Schippe nahm. Die Anregungen fand Epperlein im Alltag – auf der Straße, beim Arzt, im Museum, im Zoo …, aber auch in der Fantasie (in Ritterburgen, im Harem oder im Weltall). Kein Wunder also, dass man auch außerhalb der Saalestadt auf ihn aufmerksam wurde. So konnten sich zum Beispiel Leser in der Sowjetunion, in Bulgarien und anderen Ländern an seinen Zeichnungen erfreuen. Selbst in der Presse des „Klassenfeindes“ – wie der „Welt“, der „Frankfurter Rundschau“ oder der „Hamburger Morgenpost“ – wurde Epper gedruckt.

Am 29. Dezember 1995 starb Arthur Epperlein, der einmal von sich sagte, dass er „ganz übler Laune“ sei, wenn er Witze machen müsse. Seit vielen Jahren werden die rund 20 Epper-Bücher in Reprint-Ausgaben vom Verlag und Verlagsservice Rüdiger Schneidewind herausgegeben. Vor wenigen Tagen endete in Halles Stadtmuseum eine umfangreiche Ausstellung zum 100. Geburtstag des Karikaturisten, der bis zu seinem Tode in Trotha lebte – schließlich gehört Humor auch zur Stadtgeschichte.