Redaktion Halle-Süd

Im Nu von München nach Berlin

Gigantische Saale-Elster-Talbrücke wurde 2015 über der Aue eingeweiht

Am 9. Dezember 2015 wurde die neue ICE-Schnelltrasse zwischen Erfurt und Leipzig/Halle) im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und weiterer Polit-Prominenz feierlich eingeweiht. Im Süden von Halle (Stadtteile Planena und Radewell-Osendorf) führt diese „Schienen-Autobahn“ über die Saale-Elster-Talbrücke, die die Auenlandschaft der beiden mitteldeutschen Flüsse (mit ihren zahlreichen Altarmen) überquert.

2008 hatten die Bauarbeiten für das gewaltige Projekt begonnen; nach einer Bauzeit von fünf Jahren wurde im Sommer 2013 der Rohbau der Brücke fertiggestellt. Ein Jahr später, im September 2014, war der Ausbau (Verlegung der Schienen und In­stallation aller übrigen Bahnanlagen) der Talbrücke vollendet. Damit konnte der Probebetrieb aufgenommen werden, in dessen Rahmen auch ein ausführliches Messprogramm durchgeführt wurde.

Die gigantische Brückenkonstruktion ist mit einer Länge von 8,6 Kilometern das längste Brückenbauwerk Deutschlands – wobei 6,4 Kilometer auf die Hauptbrücke und 2,2 Kilometer auf die Abzweigbrücke in Richtung Hauptbahnhof Halle entfallen. Im Fachjargon ist die Saale-Elster-Talbrücke ein Überführungsbauwerk der Deutschen Bahn auf der Neubaustrecke Erfurt – Leipzig/Halle und damit Teil des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit 8 (VDE 8), das mit der Hochgeschwindigkeitsstrecke die Fahrzeit zwischen München und Berlin auf rund vier Stunden reduziert. Darüber hinaus hat die Schnellbahntrasse eine europäische Dimension, denn sie ist ein wichtiger Abschnitt im Transeuropäischen Schnellbahnnetz (TEN). Mit dem Lückenschluss soll es künftig möglich sein, von Palermo in Sizilien bis nach Stockholm über München und Berlin ohne Lokwechsel zu reisen.

Die Talbrücke ruht auf rund 220 Pfeilern, deren Höhe zwischen sechs und 17 Metern schwankt und die besonders schlank sind, um das Landschaftsbild so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Eine technische Besonderheit dabei ist die Stabbogenbrücke, die auf den Pfeilern 63 und 64 ruht. Mit ihr werden die zwei Gleise aus Richtung Westen auf vier Gleise aufgeweitet, wobei in luftiger Höhe von der Hauptstrecke nach Leipzig ein Gleis in Richtung hallescher Hauptbahnhof abzweigt. Während die Saale-Elster-Talbrücke komplett aus Beton besteht, ist diese Streckenverzweigung mit einem Überwerfungsbauwerk aus Stahl ausgestattet. An dem 110 Meter langen Stahlbogen (Gesamttonnage: 1420 Tonnen) hängt an Stahlbändern die Fahrbahn, auf der die Züge fahren. Dieser kühne Brückenbogen ist das optische Sahnehäubchen des Gesamtbauwerks und verleiht ihm seine markante Skyline.

Südwestlich des Rattmannsdorfer Teiches beginnt die Brückenkonstruktion, sich langsam in die Luft zu erheben, wobei sie mit sieben Pfeilern den südlichsten Zipfel des Teiches überspannt. Anschließend werden die Landesstraße L 171 und die Saale überquert, ehe die Brücke dann die Saale-Elster-Aue zwischen Planena und Korbetha unter sich lässt. Die Hauptbrücke Richtung Leipzig erreicht später, zwischen Dieskau und Döllnitz, wieder den Erdboden. Die Nebenstrecke Richtung Halle verläuft parallel zur Bundesstraße B 91, ehe sie dann in Ammendorf, wo auch ein neuer Haltepunkt eingerichtet wurde, ebenerdig in die Strecke Weißenfels – Halle eingefädelt und zum halleschen Hauptbahnhof weitergeführt wird.