In eigener Sache

    Liebe „Treffpunkt Stadtteil“-Leserinnen und Leser,

    die Medienlandschaft und Pressevielfalt in der Saalestadt Halle ist – so wie in fast ganz Sachsen-Anhalt – inzwischen auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt. Das Boulevard-Blatt mit den vier weißen Buchstaben auf rotem Grund hat der Händelstadt schon vor Jahren den redaktionellen Rücken gekehrt. Zum Jahresbeginn 2020 hat die einzige am Ort ansässige Tageszeitung den Besitzer gewechselt, die „Mitteldeutsche Zeitung“ gehört seither zur Bauer Media Group – so wie auch die ehemals unter dem Konzerndach der DuMont Mediengruppe vereinten Anzeigenblätter „Wochenspiegel“ und „Supersonntag“ sowie der lokale Fernsehsender TV Halle. Selbst das städtische Anzeigenblatt wurde schon seit längerer Zeit von der Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung verlegt und gedruckt. Letzteres seit April 2020 allerdings nur noch in reduzierter Auflage und nicht mehr mit konzerneigenem Briefdienst an die Haushalte zugestellt.

    Wenige Tage bevor ganz Deutschland angesichts einer damals in seiner tatsächlichen Tragweite noch nicht abschätzbaren Virus-Bedrohung für mehrere Wochen in gesellschaftlichen Tiefschlaf versetzt wurde, verabschiedete sich mit der StäZ („Städtische Zeitung“) die erste Online-Bezahlzeitung für Halle und das Umland von den letztlich für eine tragfähige Existenz zu wenigen Abonnenten. Ihr Gründer Felix Knothe wollte der medialen Übermacht mit einer kleinen, aber feinen Lokalzeitung Paroli bieten. Nach knapp zweieinhalb Jahren endete das Experiment der reinen Leser-Finanzierung ohne Werbeanzeigen und den damit verbundenen Abhängigkeiten. Die Zeit und insbesondere die Menschen waren in dem benötigten wirtschaftlichen Umfang wohl noch nicht reif genug dazu. Mag sein, dass auch ein Geburtsfehler des Internets – der weit verbreitete Anspruch, in diesem weltweiten Netz der unmöglichen Möglichkeiten alles zu jeder Zeit stets kostenfrei geboten zu bekommen – sich als Totengräber für dieses lokale Bezahlmodell erwies. In der Folge dieser unternehmerischen Negativerfahrung darf bezweifelt werden, ob in der kurz- und mittelfristigen Zukunft nochmals ein engagierter Journalist als Einzelkämpfer solch ein wirtschaftliche Wagnis eingehen wird.

    Fast deckungsgleich überschnitt sich der Erscheinungszeitraum der StäZ mit den gedruckten Nord-, Süd- und West-Ausgaben unseres Magazins „Treffpunkt Stadtteil“. Im Gegensatz zur Online-Lokalzeitung setzte unsere kostenfrei erhältliche Stadtteil-Magazin-Reihe wirtschaftlich allein auf die Anzeigen-Finanzierung. Trotz großer Beliebtheit bei den Lesern erreichten auch wir leider nie die wirtschaftliche Tragfähigkeit. Die Hefte, die an zahlreichen öffentlich zugänglichen Stellen im jeweiligen Stadtgebiet ausgelegt wurden, gingen stets weg wie die sprichwörtlich warmen Semmeln. Viele Menschen, Einrichtungen und Institutionen haben mit Informationen und Anregungen dazu beigetragen, dass wir in jeder Ausgabe über die vielfältigen Aktivitäten von Vereinen und Gemeinschaften berichten sowie interessante Personen und Projekte in den Stadtgebieten vorstellen konnten. Nicht nur das. Auch vor problematischen Themen machten wir nicht Halt.

    „Treffpunkt Stadtteil“ hatte einige treue Anzeigenpartner, denen wir an dieser Stelle ganz ausdrücklich Dank für Ihre Unterstützung sagen. Dennoch war es meist unsäglich mühsam, über die wenigen regelmäßigen Inserate unserer Stammkunden hinaus Werbung zu akquirieren, um die Magazinreihe zu finanzieren. Die Druckkosten waren zwar stets gesichert. Darüber hinaus blieb aber für das anfangs drei- und später zweiköpfige Redaktions- und Produktionsteam kaum Nennenswertes übrig. Eine Existenzgrundlage für die Macher war auch nach zwei Jahren nicht absehbar. Und so verbleibt uns an dieser Stelle leider nur, auch den Autoren herzlich Dank zu sagen, die mit lesenswerten Beiträgen die „Treffpunkt Stadtteil“-Ausgaben honorarfrei bereichert haben.

    Vor einem Jahr entschieden wir, mögliche Änderungen am Konzept zu prüfen und das Magazin für einige Monate ruhen zu lassen. Seither sendeten wir über unsere Online-Kanäle immer mal wieder Lebenszeichen in Form aktueller Meldungen. Doch die Corona-Pandemie mit ihren Begleiterscheinungen hat uns nun keine Alternative gelassen, schweren Herzens stellen wir „Treffpunkt Stadtteil“ endgültig ein. Die derzeit schwierige wirtschaftliche Situation insbesondere bei Dienstleistern und im Einzelhandel wirkt sich unübersehbar auf die Presselandschaft aus. Insbesondere Anzeigen-Publikationen sind durch die verordnete Schließung potenzieller Anzeigenkunden betroffen. Zahlreiche Zeitungen haben ihr Erscheinen eingestellt, zeitlich gestreckt oder zeitweise ausgesetzt. Für „Treffpunkt Stadtteil“ ist dies kein geeigneter Zeitpunkt, einen erfolgversprechenden Neustart zu unternehmen. In den nächsten Tagen werden wir unseren Twitter-Account abschalten. Am 17. März folgt unsere Website diesem Schicksal.

    Unverkennbar wird die Presselandschaft in und um Halle weiter ärmer und weniger vielfältig. Eine traurige Entwicklung, die sich schon seit mehr als 20 Jahren abzeichnet und seither immer mehr forciert. Das aktuelle Problem-Virus und die Pandemie wirken dabei allenfalls beschleunigend, sind aber ganz sicher nicht ursächlich.

    Vielen Dank für Ihre Treue!
    Herausgeberin Gabriele Bräunig und Frank Schumann