Industrie-Schlote prägten Heidedorf

Dölauer Hartsteinfabrik produzierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Kalk-Sandstein-Ziegel

Waren es die beiden bereits im Ort produzierenden Fabriken der Gebrüder Baensch, die hier und in der Umgebung wohnenden Bergleute und Facharbeiter oder die unmittelbare Nähe einer Sandgrube sowie der Gleise der Halle-Hettstedter-Eisenbahn – einer oder mehrere dieser Gründe führten um 1900 zum Bau der Dölauer Hartsteinfabrik GmbH mit ihrem Hauptkontor am Martinsberg 9 in Halle. Nach der Zertifizierung 1901 begann unmittelbar an der Kreuzung Lieskauer Straße / Salzmünder Straße die Ziegelproduktion.

Die Hartsteinfabrik stellte Kalk-Sandstein-Ziegel her. Die Sandgrube war also in der Nähe. Kalk wurde aus Brennöfen in Lieskau und Nietleben bezogen. Und seit der Hartstein-Produktion wurde das lauschige Heidedorf im Norden von Halle nun noch mehr durch hohe Indus­trie-Schlote geprägt.

Sehr viele Gebäude in Dölau wurden aus diesem hellen Stein gebaut – darunter so repräsentative wie das Dölauer Gaswerk, die heutige Sparkassenfiliale. Einst hatten diese unter Hochdruck aus Sand und Kalk gepressten Hartsteine das gleiche Format wie gebrannte Tonziegel. Viele aus Dölauer Hartstein errichtete Häuser im Ort wechselten jedoch in den schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ihre Eigentümer. Auch die Hartsteinfabrik ging 1924 in Konkurs und stellte ihre Produktion ein. Von 1926 bis 1935 nutzte die Leipziger Maschinenfabrik Tietze die Produktionsstätte vorübergehend. Danach zog das Kalloid­chemische Werk von Dr. Herbert Brandt mit Laboratorium in die Gebäude. Bis zum Beginn der 1960er Jahre leitete Dr. Brandt das Unternehmen.

Heute befindet sich in den letzten verbliebenen Hallen des mehr als 115 Jahre alten Industrie-Areals eine Wartungs- und Ausleihstation für Baumaschinen. Der Gleisanschluss an die Halle-Hettstedter-Eisenbahn ist ebenfalls immer noch vorhanden. Und das alte Werksmeisterhaus auf dem Hügel des weitläufigen Geländes ist weiterhin bewohnt. Auf der früheren Sandgrube hat inzwischen der Dölauer Reitsportverein sein Domizil gefunden.