Insel der Seeligen und Elysium für Verliebte

Architektonisch reizvolle Brücke führt zur Saale-Insel Forstwerder

Wer von der Trothaer Straße in die Pfarrstraße abbiegt, gelangt nach wenigen Schritten ans Saaleufer. Auf der anderen Fluss-Seite die alte Kröllwitzer Papiermühle. In der Ruine wird seit Monaten kräftig gebaut, denn hier sollen einmal Luxuswohnungen mit Tiefgarage, Dachterrassen und eigenem Wasserwerk entstehen. Dahinter erhebt sich fast majestätisch der Ochsenberg. Zur nördlich gelegenen Saale-Insel Forstwerder – auf alten Karten oft auch Saalwerder genannt – gelangt der Spaziergänger nur über die Forstwerderbrücke, die zu den architektonisch reizvollsten Saalebrücken im Stadtgebiet von Halle gehört.

Der elegant wirkende Stahlbetonbogen mit 47 Meter Spannweite und aufbetonierten Stufen hat nur eine Stärke von 30 bis 35 Zentimetern, was bei Hüpfbewegungen und den damit verbundenen Schwankungen spürbar ist. Von diesem „Katzenbuckel“ – so der Volksmund – hat man einen wunderbaren Blick auf das angrenzende Saalewehr. Mit knapp sieben Meter Scheitelhöhe überspannt die Brücke den Mühlgraben. Der Saale-Seitenarm führt den Schiffsverkehr zur nahe liegenden Trothaer Schleuse. Um diesen nicht zu beeinträchtigen, war die relativ große Durchfahrtshöhe notwendig.

Die Trothaer Schleuse. Durch sie sollen bereits vor hunderten von Jahren Salz und Kohle transportiert worden sein. (Foto: Manfred Orlick)

Früher gab es einen kleinen Fährbetrieb hinüber zum Forstwerder. Als jedoch 1927 auf der Insel eine Flussbadeanstalt errichtet wurde, baute man ein Jahr später nach einem Entwurf des Architekten Adolf Heilmann die Brückenverbindung, die sich mit ihrer schlanken Bauausführung und dem durchbrochenen Geländer ästhetisch in die Saalelandschaft einfügte. Die Flussbadeanstalt war allerdings nur zehn Jahre in Betrieb. Einige Fundamentreste, inzwischen verwittert und mit einer dicken Moosschicht überwuchert, kann man heute noch im Unterholz entdecken.

Eigentlich wird die langgestreckte Forstwerder-Insel (715 Meter) durch den Schleusengraben zweigeteilt. Auf dem schmalen, östlichen Teil befindet sich das Betriebsgelände der Trothaer Schleuse. Bereits im 14. Jahrhundert soll es eine hölzerne Schleuse gegeben haben. Um den Salz- und Kohletransport zu erleichtern, errichtete man um 1698 eine steinerne Schleuse (ebenso in Wettin, Gimritz, Rothenburg, Alsleben und Calbe). Da die Trothaer Schleusenanlage für die Saale-Unstrut-Schifffahrt bedeutsam war, wurde sie zwischen 1873 und 1875 erneuert und verbreitert.

Meist versteht man aber unter dem Forstwerder nur den westlichen, wesentlich größeren Teil der Insel, der seit 1998 unter Naturschutz steht. Mit seinem unberührten Auwald ist das Eiland Bestandteil eines Landschaftsschutzgebietes entlang der Saale. Seltene Fledermäuse, Rotmilane und Mäusebussarde haben sich hier angesiedelt. Ein gekennzeichneter Weg führt bis zur Nordspitze der Insel. Die Verhaltensregeln in einem Naturschutzgebiet sollten selbstverständlich eingehalten werden. Und bitte kein Beispiel nehmen an den früheren halleschen Studenten, welche die eigentlichen Entdecker der abseits gelegenen Insel waren! Einst trugen sie hier in der Abgeschiedenheit ihre streng verbotenen Duelle und Mensuren aus – und das sicher ziemlich feuchtfröhlich. Der Forstwerder wird auch „Die Insel der Seeligen“ genannt. Schultze-Galléra ist der Ansicht, dass die Bezeichnung auf die Opfer des Trothaer Wehres zurückgeht, die am Ufer des Forstwerders angespült wurden. Später und bis heute wurde die grüne Abgeschiedenheit dann zum Elysium für Verliebte.