Keine neue Lösung für altes Problem

Bewohner der Silberhöhe verärgert über dauerhafte Ordnungsbrennpunkte

Eine der am emotionalsten geführten Diskussionen auf der Silberhöhe dreht sich seit Langem um das Thema Ordnung und Sicherheit. Es gab dazu bereits einige Bürgerversammlungen mit Vertretern ortsansässiger Vereine und Initiativen, mit Stadtverwaltung und Polizei. Doch trotz erhöhter Streifen-Frequenz der Ordnungshüter beispielsweise hat sich kaum etwas an den Trinker- und Müllecken neben den beiden Kaufhallen links und rechts der Gustav-Staude-Straße geändert.

Nun hat sich nach der Bürgerinitiative sowie dem Forum Silberhöhe auch die SPD-Fraktion im halleschen Stadtrat auf Anfrage der Sache angenommen und will kein „Unter-den-Tisch-Kehren“ der Missstände mehr zulassen. Mitte Juni gab es deshalb eine Bürgerversammlung im Gesundheitszentrum Silberhöhe.

Viele Anwohner und Gewerbetreibende an den beiden Ladenzeilen der Silberhöhe haben es satt. Tagsüber und in den Sommermonaten auch bis spät abends stehen zum Teil große Menschengruppen an der Straßenecke Gustav-Staude-/Philipp-von-Ladenberg-Straße sowie neben dem Einkaufsmarkt auf der anderen Straßenseite, unterhalten sich lautstark, sprechen zu oft zu heftig dem Alkohol zu, werfen ihre Schnaps- und Bierflaschen beziehungsweise -dosen und weitere Verpackungen auf Freiflächen. Man ist schon froh, wenn es nicht zu Unfällen durch Glasscherben oder gar zu Schlägereien kommt. Nach Unterredungen mit den Betreffenden, zumeist Männern, geht es eine Weile etwas gesitteter zu. In diesem Frühjahr konnte man jedoch mal wieder vor lauter Müll nur schwer die Grünfläche neben Edeka Bühlow erahnen.

Bürgerversammlung zum Thema „Silberhöhe – ein Stadtteil mit Perspektive“ Mitte Juni im Gesundheitszentrum. (Foto: Gabriele Bräunig)

Tatsache ist erstens, dass es derartige Schwierigkeiten in allen Stadtteilen gibt, und das Ordnungsamt kann nicht jederzeit überall präsent sein. Zweitens wurde das Problem auf der Silberhöhe bisher nicht unter den Tisch gekehrt. Gemeinsame Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt fruchten aber bisher nicht viel. Man könne die Leute lediglich ansprechen, als nächstes Ordnungsstrafen sowie allerhöchstens zeitweilige Platzverweise erteilen, betont Andreas Dockhorn, Leiter des Reviereinsatzdienstes beim Polizeirevier Halle. Lediglich bei Straftaten dürften drastischere Maßnahmen ergriffen werden, ergänzt er.

Die Trinker kämen ja aber trotzdem immer wieder an diese Plätze zurück und störten Ruhe und Ordnung, insistieren etliche Bewohner des Viertels. Und die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sollten eventuell einmal öfter aus ihren Fahrzeugen aussteigen und etwas tun. Stattdessen blieben sie nicht selten darin sitzen und führen schnell wieder weiter. Der Leiter des Supermarktes fühle sich, so habe man gehört, ebenfalls nicht zuständig für das, was neben seinem Objekt passiere. Man müsse indes mehr gegen derlei unsoziales Verhalten tun. Achselzucken bei den Behördenvertretern.

Ein gewisses Verständnis für die Treffpunkte im Freien hat der Vorsitzende des Gesundheitszentrums und Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Suchtmedizin, Peter Jeschke. Er gibt zu bedenken, dass diese Menschen zu arm seien, um sich in einem Lokal zu treffen. Sie seien einsam und hätten nur diese Treffpunkte, um sich zu unterhalten. Außerdem verfügten sie wegen Mangels an Arbeit über zu viel Freizeit, und diesbezüglich stünde die Regierung in der Pflicht. Man müsse die Leute mehr einbeziehen, ihnen mehr Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen.

Diese Argumente kann man nachvollziehen, sie sind allerdings auch streitbar. Und die Kritisierten fehlten wie so oft während solch einer Veranstaltung. Die Bürger jedenfalls sind weiterhin unzufrieden, und es ist wohl für die nahe Zukunft keine konkrete Lösung in Sicht. Natürlich kann man diese nur gemeinsam mit den Angesprochenen finden. Die SPD-Fraktion will auf jeden Fall nah dranbleiben – am Problem und an den Bürgern der Silberhöhe.