Kleinode heute noch als Schatz bewahrt

Einige Dölauer Grafiken von Hans-Joachim Schramm und Karl Werner auch im Stadtarchiv

Im früher überwiegend von Bergleuten und Arbeitern bewohnten Heidedorf Dölau gab es bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts allenfalls ein paar Musiker als Künstler, die in den vier großen Ausflugsgaststätten, aber auch in der Bergkapelle und den Chören sowie als Lehrer ihrer Profession nachgingen. Dies änderte sich offenbar auch nicht, als nach 1900 die Villensiedlung Neu-Dölau direkt am Heiderand entstand. Hier errichteten vor allem Vertreter der bürgerlichen Oberschicht (Hut-Viertel) ihre Sommerresidenzen. Akademiker wurden durch die ruhige Lage bei günstiger Verkehrsanbindung nach Halle durch die Halle-Hettstedter-Eisenbahn angezogen.

Auch der wohl bekannteste Dölauer Künstler war im Hauptberuf Malermeister und hatte im Heideweg am 1. April 1920 seinen Betrieb eröffnet. Damals schuf Karl Werner (25. April 1892 bis 24. Dezember 1963) nicht nur zahlreiche Grafiken und Aquarelle mit Motiven aus Dölau und dem Saalkreis. Generationen von Dölauern ist er als Gestalter der Wände in den Klassenräumen der Schule im Gedächtnis geblieben. Viele seiner Bilder haben sich in Dölauer Familien erhalten, waren sie doch ein gern für Jubiläen genutztes Geschenk von bleibendem Wert. Ob bei Pfarrer Dr. Mertens oder im Haus von Fleischermeister Jesemann – diese Bilder werden heute noch als Schatz bewahrt und zeigen viele Örtlichkeiten, die sich im Laufe der Jahrzehnte grundlegend verändert haben. Eine kleine Sammlung der Bilder von Karl Werner wird im halleschen Stadtarchiv aufbewahrt und bildete den Fundus für einige Kapitelzeichnungen der „Dölauer Hefte“.

Grafik von Karl Werner aus dem Jahr 1941 mit dem Kriegerdenkmal, der Dölauer Feuerwache und dem zum Westfeld-Hof gehörenden Gemüsegarten.

Ein weiterer vielseitiger Künstler wurde in Halle 1930 geboren und lebt seit 1972 in Dölau. Hans Joachim Schramm hat an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein 1947 die Lehre als Goldschmied absolviert und danach Metallbildhauerei, Grafik und Malerei studiert. Mit seiner aus dem Erzgebirge stammenden Ehefrau ist er auf den verschiedensten Gebieten tätig, so zur Überraschung vieler Dölauer Besucher auch bei der Herstellung erzgebirgischer Holzkunst. Er hat für seine Bücher, so unter anderem zu den Sagen der Dölauer Heide, die Illustrationen selbst gefertigt und war es auch, der anbot, für die „Dölauer Hefte“ Kapitelzeichnungen zu fertigen. In den Heften zwei bis sechs hat der in seinem neunten Lebensjahrzehnt Stehende aussagestarke Zeichnungen in hoher Qualität kostenfrei zur Verfügung gestellt.

So haben die „Dölauer Hefte“, die mit einem Sammelband von 60 Geschichten im Herbst 2017 endeten, auch zur Schaffung neuer Kunstwerke neben der Veröffentlichung vorhandener beigetragen und auch auf diesem Gebiet das Anliegen, alle noch vorhandenen Erinnerungen, Fotos und Dokumente über Dölau zu bewahren und Interessenten zugänglich zu machen, erfüllt. Schön wäre es, wenn sich in Dölau ein Raum fände, um einen Teil dieser Werke in einer kleinen Ausstellung einmal gemeinsam präsentieren zu können.