Redaktion Halle-West

Kümmerer des Uni-Klinikums

„Grüne Damen und Herren“ machen Patienten Krankenhausaufenthalt erträglicher

„Wir sehen uns in diesem Jahr nochmal“, ruft ein Patient des Universitätsklinikums Halle (UKH) Monika Jürgens nach, als sie das Zimmer verlässt. Und die „Grüne Dame“ antwortet lachend: „Ich weiß, Sie kommen nur wegen mir nochmal ins Krankenhaus!“ Diese und ähnliche intime Momente sind für die 67-jährige Hallenserin der schönste Dank für ihre ehrenamtliche Tätigkeit, die sie über den mit Hauptsitz in Berlin ansässigen Verein Evangelische Kranken- und Altenhilfe leistet.

Seit mittlerweile sieben Jahren besucht sie jeden Mittwochvormittag für zwei Stunden Patienten auf der urologischen sowie der viszeral-chirurgischen Station des Uniklinikums in Kröllwitz (Ernst-Grube-Straße 40), um ihnen den Krankenhausaufenthalt ein wenig erträglicher zu gestalten. Sie geht dabei jedes Mal von Zimmer zu Zimmer und schaut, wer sein Herz ausschütten möchte, etwas aus dem Kiosk oder eine Telefonkarte braucht beziehungsweise Hilfe beim Sachen packen benötigt. Manchmal liest Frau Jürgens aus der Zeitung oder einem Buch vor. Auch kleine Spaziergänge im Haus bietet sie an.

Monika Jürgens weiß, wie sehr sich der eine oder andere Patient auf ihren Besuch freut. Denn nicht wenige kommen von weit her, aus ganz Sachsen-Anhalt und sogar aus dem gesamten Bundesgebiet. Und sie erhalten nicht allzu oft Besuch. Einige Patienten wollen ihre Angehörigen auch nicht mit ihrer unter Umständen schweren Krankheit belasten. Ihnen ist es lieber, wenn sie sich mit einer außenstehenden Person darüber austauschen können, die sie unter Umständen nie wieder sehen. Hin und wieder weist auch ein Stationsmitarbeiter darauf hin, dass ein Leidender etwas Beistand vertragen könnte. Falls ihre Anwesenheit an einem Bett nicht erwünscht ist, akzeptiert sie das halt. „Wenn man in ein Zimmer kommt, sieht man nach einiger Erfahrung schon, wer reden möchte und wer nicht“, ergänzt sie.

Die „Grüne Dame“ Eleonora Pelka erzählt: „Mein Mann sagt jedes Mal, wenn ich mich auf den Weg ins Krankenhaus mache: ‚Viel Spaß!‘ Das ist sicher sehr nett von ihm gemeint, aber es ist nicht immer ein Spaß. Dennoch gehe ich jedes Mal mit dem Gefühl nach Hause, etwas Gutes getan zu haben. Es ist eine sinnerfüllte und dankbare Aufgabe. Ein gutes Gefühl ist es ebenso, noch gebraucht zu werden. Man kann als älterer Mensch viel Lebenserfahrung einbringen.“ Die einstige Bauingenieurin erübrigt seit fünf Jahren immer mittwochs zwei Stunden Zeit, um sich um „ihre“ Patienten zu kümmern. Sie weiß, was Patienten besonders in der Strahlentherapie brauchen. Sie selbst hatte einmal Krebs. Ihr Anliegen als „Grüne Dame“ ist es vor allem, diesen oft verzweifelten Menschen wieder Mut zu machen, damit sie sich nicht allzu schnell aufgeben. „Jeder hat doch Angehörige oder Ziele im Leben, für die es sich lohnt, gegen die Krankheit anzukämpfen!“, ist sich die 71-Jährige sicher.

Für Monika Jürgens, die ehemalige Sachbearbeiterin im Straßenwesen, ist ebenfalls stets klar: „Es ist wieder Mittwoch, und da gehe ich ins Krankenhaus.“ Und davon können sie lediglich ein geplanter Urlaub oder eigene Krankheit abhalten. Zu diesem Ehrenamt gekommen ist sie durch ihre ehemalige Klassenleiterin Gisela Bobach, die das Team 1994 am Uni-Klinikum gründete. Inzwischen hat Frau Bobach diese Funktion aus Altersgründen abgegeben an Monika Liebe – die Jüngste in der Gruppe, die zurzeit leider nur aus vier Frauen besteht. Denn der Bedarf an Unterstützung außerhalb der medizinischen Betreuung ist viel höher.

Jeannette Korbanek, die Leiterin des Zentralen Dienstes Patienten- und Belegungsmanagement des UKH, weiß die Hingabe des ehrenamtlichen Teams der „Grünen Damen“ sehr zu schätzen. Sie entlasteten das Klinik-Personal, das dadurch für die eigentlichen medizinischen Tagesaufgaben mehr Zeit habe, und gebe den Patienten die seelische sowie praktische Zuwendung, für die oft während des Arbeitstages kaum noch Zeit wäre. Und sie hat erkannt, dass es wichtig wäre, den ehrenamtlichen Dienst am Menschen auszuweiten und diesen den Patienten jeden Wochentag zugutekommen zu lassen. Deshalb gebe es dafür inzwischen am Uniklinikum auch Pläne, die allerdings in naher Zukunft noch konkretisiert werden müssten.

Die „Grünen Damen und Herren“, von denen es an etwa 600 deutschen Krankenhäusern und Altenhilfeeinrichtungen mehr als 9.000 gibt, sind leicht an ihrer Kleidung zu erkennen. Sie tragen entweder grüne Kittel oder grüne Tücher. „Grüne Damen und Herren“ sind in der Saalestadt auch im BG Klinikum Bergmannstrost, im Krankenhaus Martha-Maria in Dölau sowie im Diakonie-Krankenhaus engagiert. Im Uniklinikum streifen sich die Aktiven jeden Mittwoch um 9.15 Uhr in ihrem eigens gekennzeichneten, verglasten Raum im Durchgang zum Bettenhaus II ihre weißen Kittel über, die sie mit grünen Tüchern schmücken, und tauschen sich hier noch ein wenig aus, bevor es auf die Stationen geht.

Für Interessierte sei es möglich, so Frau Korbanek, in vielen Kliniken des UKH zu agieren, zum Beispiel in der Urologie, der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, der Herzchirurgie, der Onkologie, Psychiatrie oder Dermatologie. Man könne die Klinik auch wechseln, falls es nicht passe. Eine Vorbildung sei für den Einsatz als „Grüne Dame oder Herr“ nicht nötig. Von Vorteil ist es allerdings, mindestens 18 Jahre alt, kontaktfähig, freundlich und einfühlsam, zuverlässig, teamfähig, verschwiegen sowie physisch und psychisch belastbar zu sein. Wer als Ehrenamtler selbst einmal das Gefühl habe, mit einer Situation nicht mehr klar zu kommen, dem werde natürlich gleichermaßen seelische Unterstützung zuteil, so die Verantwortliche für das Patienten- und Belegungsmanagement im Krankenhaus.
Zumeist komme das Vergnügen bei den wöchentlichen Besuchen im Uniklinikum keineswegs zu kurz, meint Monika Jürgens. „Ach, meine Grüne Dame ist wieder da; da muss ich ja ein Stück zur Seite rücken“, scherzte einmal ein Patient aus seinem Bett heraus, als sie ein Patientenzimmer betrat. Dafür, Patienten etwas Freude in den Krankenhausaufenthalt zu bringen, lohne sich das ehrenamtliche Engagement als „Grüne Dame oder Herr“ allemal, betont die selbstbewusste Seniorin. Wohl dem, der auch einmal solch ein Späßchen originell parieren könne. Wie sie darauf reagiert hat? Interessierte an dieser verantwortungsvollen Aufgabe im Sinne der christlichen Nächstenliebe können Frau Jürgens selbst fragen!

Kontakt zu den „Grünen Damen und Herren“ des halleschen Universitätsklinikums erhalten Interessierte über Maritta Brauner (Telefon: 0345/5572319; E-Mail: maritta.brauner@uk-halle.de)