Kunst: Mensch und Natur im Einklang

Keramik-Brunnen von Beatrix Weißflog in Heide-Nord strahlt in neuem Glanz

Wer zwischen Netzweg und Fischerstecherstraße durch die Heideringpassage flaniert, stößt zwangsläufig auf eine wunderschöne Brunnenanlage. Die 1999 aufgestellte weiße Plastik in Fayence-Technik zum Thema „Verhältnis des Menschen zu Seinesgleichen und zur Natur“ musste im vergangenen Sommer durch die Erschafferin Beatrix Weißflog ausgebessert werden, da inzwischen so einige Fliesen beschädigt waren. Zuvor reparierte Steinmetz Olaf Korger bereits den Fußboden.

Nun erstrahlt der damals im Rahmen eines städtischen Kunstwettbewerbs entstandene Keramik-Brunnen in neuem Glanz. Und mit Frühlingsbeginn wird er auch munter wieder vor sich hin plätschern.

Es begibt sich tatsächlich so: Je öfter man den Brunnen in angedeuteter Palmen- oder Wellen-Form der freiberuflichen Künstlerin betrachtet, umso mehr interessante Details lassen sich darauf erkennen. Wahrlich, bezüglich der Frage, die die Menschheit seit je beschäftigt, regt genügend „Kunst-Stoff“ immer wieder aufs Neue die Fantasie an. Und man kann an lauen Frühlings- oder Sommertagen, gemütlich auf einer Bank sitzend, darüber nachdenken, was die allegorischen Motive der Brunnen-Plastik dem Wissensdurstigen eventuell zu sagen haben. Inzwischen können sich die Kleinsten hier – ebenfalls Neues entdeckend – mit einer „Dusche“ erfrischen.

Auf der weiß glasierten, viereckigen Ton-Säule befinden sich auf einer Seite ein antik anmutender nackter Jüngling, auf einer weiteren Seite eine hüllenlose junge Frau; auf einer dritten Seite ein Zimmer mit Tisch plus Stuhl vor einem Fenster und auf der letzten Seite ein Hund vor urwüchsigen Bäumen. Dazu tauchen immer wieder eher futuristisch wirkende bunte grafische Figuren auf, die teilweise an Pflanzenranken, Fische, Amöben oder Schmetterlinge erinnern.

Der Brunnen von Beatrix Weißflog in Heide-Nord vor der Sanierung. (Foto: Gabriele Bräunig)

So manchem kommt da wahrscheinlich Adam, Eva und der Sündenfall in den Sinn beziehungsweise die Frage: Wo kommen wir Menschen eigentlich her? Auch, dass die Menschheit nicht ohne die Natur (über-)leben kann. Oder, dass die Liebe ein Dach über dem Kopf braucht. Und: Brauchen wir bei allem, was uns die Natur bietet, überhaupt all die vielen Dinge, die man für Geld kaufen kann?

Beatrix Weißflog, die nach Abitur und Töpfer-Ausbildung an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein bei Heidi Manthey und Prof. Martin Wetzel Keramik sowie Bildhauerei studierte, ist dafür bekannt, dass sie in ihrer Kunst den Dingen auf den Grund geht, die die Welt im Innersten zusammenhalten. Ob nun im „stillen Kämmerlein“, also in der Werkstatt an ihrem Wohnort Brachwitz, bei den jahrelang von ihr künstlerisch geleiteten Schülerprojekten des Vereins „Alte Brennerei“ in Niemberg oder bei anderen Auftragsarbeiten. Zudem verewigt sie gern starke Helden und die holde Weiblichkeit in gebranntem Ton. Zum Beispiel beim „Wächter“ am Stadtgottesacker oder bei den beiden Portal-Figuren der Galerie Talstraße.

Bei der Installation ihrer größeren Werke geht der Künstlerin hin und wieder ihr Mann Hartmut Herrmann zur Hand, der an der „BURG“ Formgestaltung studiert hat und dort als Leiter der Zentralwerkstatt im Fachbereich Design tätig ist.