Leo – Kirchenclown aus Passion

20 Jahre: Steffen Schulz will 2019 seine Hosenträger (nicht ganz) an den Nagel hängen

Der Clown ist eine zugleich ernste wie fröhliche Figur. Er nimmt die Welt unvoreingenommen wahr wie ein Kind, das auf die auf es einstürmenden Ereignisse unmittelbar reagiert – mit gefühlsintensiven Äußerungen. Auch viele Worte braucht der Clown nicht, um seine menschenfreundlichen Werte an die geneigten Zuschauer zu bringen – ob groß, ob klein. Durch Mimik und Gestik drückt er zumeist aus, was er an Inhalten zu transportieren hat. Kirchenclown Leo benötigt darüber hinaus weder üppig Kostüm, Schminke noch Utensilien. Denn immer soll durch seine Figur auch der Mensch Steffen Schulz scheinen …

1971 in Halle geboren, lernte Steffen Schulz Pfleger sowie Erzieher und ist verheiratet mit der Pianistin Almuth Schulz, die zwei heute erwachsene Töchter mit in die Ehe gebracht hat. Begonnen hat er seine künstlerische Karriere mit Straßentheater. Die „Soso Show“ führte ihn in den ersten Jahren durch ganz Deutschland. Auf der Straße, so der große, schlanke, zäh wirkende Mittvierziger, lerne man Menschen einzuschätzen, sie durch ein Stück überzeugend mitzunehmen und zu begeistern. Zur Clownerie ist er gekommen durch einen Freund aus einem Kulturbüro. Diesen fragte er, ob er nicht Lust hätte, gemeinsam eine Clownsfigur zu entwickeln.

Zunächst trat der aus einer ökumenischen Familie stammende Hallenser, der im Fernstudium Theologie studierte, im weltlichen Rahmen auf, seit 2002 mit religiösen Themen. Der norddeutsche Theatermacher und Clown Helmut Ferner war dabei sein Lehrmeister. Mit ihm gemeinsam inszenierte er mehrere aussagekräftige Stücke. Den Namen Leo wählte Steffen Schulz, weil man ihm nachsagte, dass er seine Frömmigkeit vom katholischen Großvater Leo geerbt hätte.

Seit 1999 ist Steffen Schulz der einzige hauptberuflich tätige Kirchenclown in Deutschland. Ansonsten gibt es noch einzelne Pfarrer, die eine Ausbildung als Clown absolviert haben und nebenbei als Kirchenclowns fungieren. Sein Debüt fand damals während eines Gottesdienstes in der Pauluskirche statt. Leos Credo seitdem: Das Evangelium, die „frohe Heilsbotschaft von Jesus“ bziehungsweise die von den Evangelisten überlieferte Lebensgeschichte von Jesus, zu vermitteln.

Im Februar kommenden Jahres feiert Steffen Schulz als Kirchenclown Leo seinen 20. Geburtstag.  (Foto: privat)
Im Februar kommenden Jahres feiert Steffen Schulz als Kirchenclown Leo seinen 20. Geburtstag. (Foto: privat)

Sieht sich der evangelische Kirchenclown als Missionar? Steffen Schulz sinniert: „Missionieren ist ein schweres Wort, das oft in der Geschichte missbraucht wurde. Wenn man allerdings Gastfreundschaft als Mission ansieht, dann bin ich gern Missionar. Sehen Sie, es gibt viele Möglichkeiten, das Evangelium in Szene zu setzen. Denken sie an die Dom-Bauherren, die durch die Gestaltung ihrer Gebäude etwas ganz Bestimmtes aussagen wollten. Oder schauen sie sich religiöse Bilder an! Mich als Christ und als Kirchenclown macht mein Glaube, der mich sicher durch alle Lebenslagen trägt, froh. Das will ich weitergeben.“

Humor und Kirche – passt das zusammen? Steffen Schulz lacht. „Die Bibel ist durchzogen von Humor – sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Manchmal ist er allerdings schwer zu verstehen, weil es kein Possenreißer-Humor, sondern ein feiner, wissender Humor ist.“

Und bereits im Mittelalter, so resümiert der fröhliche und nachdenkliche Mensch Steffen Schulz, habe es beispielsweise das Osterlachen gegeben. „Dabei ging es um sehr deftige, pointierte, erotische sowie den Tod verlachende Schwänke.“ Und schon Luther habe gemeint, dass ohne Humor nicht gepredigt werden könne.

Humor und Glaube gehören für Kirchenclown Leo also zusammen. Und der Klerus ist ihm dabei Partner. Denn mit seinen Programmen „Die Schöpfung“, „Aus heiterem Himmel“, „Jesus“, „Matthäuspassion“ sowie dem Theaterstück „Köstlich – oder: Kommt, es ist alles bereit“ tritt er vorwiegend im Umfeld der Kirche auf: Beispielsweise bei Gottesdiensten, Gemeindefesten, in konfessionellen Schulen und bei kirchlichen Großveranstaltungen. Darunter sind immer wieder auch ökumenische Projekte, die Leo teilweise selbst initiiert. In seinem Buch „Gott hat gut lachen“ befragt Steffen Schulz darüber hinaus Frauen und Männer verschiedener Konfessionen, sozialer Stände und Berufe aus ganz Deutschland zum Thema „Braucht Kirche Humor?“. Bereits 2009 gab Leo sein erstes Buch „Naseweis und Gottgezwitscher“ heraus, in dem, leicht verständlich, das Vokabular des Christentums erklärt wird.

Versteht man als Kirchenlaie sowohl Inhalte als auch Botschaft der Programme? Die Bibel sei voller Bildsprache sowie theatralischer Szenen, erklärt Steffen Schulz. Bildreiche Programme wie „Die Schöpfung“ erklärten sich deshalb beispielsweise leicht von selbst. Bei „Jesus“ werde viel gesprochen. Die „Matthäuspassion“ und andere Stücke lebten von viel Musik. Seine Frau begleitet manchmal den Kirchenclown bei seinen Auftritten, komponiert die Musik für seine Stücke.

2010 organisierte der umtriebige Hallenser übrigens mit Kara Huber zusammen die erste Versammlung der Kirchenclowns in der Saalestadt. Etwa 30 Clowns aus der ganzen Republik folgten der Einladung: „Normale“ Clowns, ehrenamtliche Kirchenclowns, Klinikclowns und viele allgemein Interessierte. Und dass sich Steffen Schulz nicht nur für Gott, sondern gleichermaßen für die Welt interessiert, zeigt sich zum einen an seinem Engagement in der Heimatgemeinde St. Briccius in Trotha, wo er das „Café Amal“ für Geflüchtete unterstützt. Im Rahmen des Vereins Hoffnungsfunke seines Cousins Jens Kronberg sammelt er zum anderen Spendengelder für die Kinder der Bergvölker im Norden Thailands.

2019 hat Kirchenclown Leo seinen 20. Geburtstag. Wer Leo im Internet besucht (www.clown-leo.de), wird erstaunt feststellen, dass er dort ankündigt, seine Hosenträger nach dem Jubiläum an den Nagel hängen zu wollen. Wie geht es weiter? Der sympathische Hallenser hält sich noch ein wenig bedeckt, deutet jedoch an, dass er zumindest das Ständig-auf-Tour-sein reduzieren wolle. Inzwischen unterweise er ja selbst künftige Clowns im Rahmen von Kursen, inszeniere mit anderen Kirchenclowns Stücke. Auch das ökumenisch vorgetragene Theaterstück „Köstlich – oder: Kommt, es ist alles bereit“ würde er nicht ad acta legen. „Auf jeden Fall wird es etwas Neues geben“, äußert sich Leo, alias Steffen Schulz, optimistisch. „Die möglichen religiösen Themen sind noch lange nicht ausgeschöpft; da könnte man gut und gerne noch weitere Leben dranhängen“, weist er schmunzelnd in die Zukunft.