„Ich kannte alle Uni-Küchen“

Porträt über Marga Hennicke, langjährige Leiterin des „Heideblicks“

Marga Hennicke ist eine ruhige, freundliche und doch des Öfteren verschmitzt dreinblickende, lebendige kleine alte Dame mit weißen Löckchen. Sie wurde 1933 in Kleinmühlingen, einem Dörfchen des heutigen Salzlandkreises, geboren – das übrigens für sein Friedensfahrtmuseum bekannt ist. Hin und wieder besucht Frau Hennicke sogar noch eine Freundin in ihrem Geburtsort.

Nachdem sie 20-jährig im Jahr 1953 ihre große Liebe Manfred heiratete, einen Spross der altehrwürdigen Dölauer Bergmannsfamilie Hennicke, zogen die Beiden bald nach Halle. Zunächst wohnten sie in der Reichardtstraße, ab 1969 dann in dem bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts erbauten Haus der Hennickes in der Elbestraße in Dölau. Dort lebt sie noch heute. Allerdings verstarb Manfred Hennicke vor zehn Jahren.

Marga Hennicke war mit Leib und Seele Köchin. 30 Jahre lang war die arbeitsame Frau an der Martin-Luther-Universität tätig – davon 20 Jahre in diversen Küchen der Uni sowie zehn Jahre in der Geräteausgabe der Anorganischen Chemie am Weinberg. Die Stelle hatte sie gewechselt, weil ihre Mutter aus gesundheitlichen Gründen mehr und mehr ihre Hilfe benötigte.

Zwölf Jahre lang, bis zur Rente im Jahr 1992, leiteten M. & M. Hennicke dann noch die Gaststätte der Kleingartenanlage „Heideblick“ in der Zechenhausstraße. Das Lokal sei stets voll gewesen, denn ein Bierchen hätte man damals noch sehr preiswert bekommen, erinnert sich die 86-Jährige. Und das Schild mit den Öffnungszeiten des „Heideblicks“ prangt noch heute an der Schuppentür im Garten von Frau Hennicke.

Die körperlich und geistig noch fitte ältere Dame weiß sehr viel – sie erzählt von früher, hat auch viele Dokumente aus der Familie ihres Mannes aufbewahrt. So zeigt sie beispielsweise eine große Original-Urkunde aus dem Jahr 1818, mit der der 1792 geborene Gottlieb/Gottlob Heneke/Hennecke (vormalige Namensschreibweise sowie mehrere handschriftliche -korrekturen!) als Landwehrmann wieder ins zivile Leben entlassen wurde. Ein einzigartiges Zeitdokument (siehe Foto).

Aber Marga Hennicke interessiert sich ebenfalls für alles, was derzeit in Dölau, Halle, in unserem Land sowie in der Welt täglich so los ist. Zwei Mal pro Woche fährt sie zudem nach Halle-Neustadt zum Schwimmen, um ihre Muskeln und Gelenke nach zwei Armbrüchen im Jahr 2018 zu stärken. Und ein bis zwei Mal im Jahr verreist sie mit ihrer Freundin Annemarie von schräg gegenüber in wärmere Gefilde. Oft sitzen die beiden bei Frau Hennicke in der guten Stube, tauschen sich über die Kinder, Enkel und Urenkel, auf die beide sehr stolz sind, aus, schwatzen über dies und das bei einem Käffchen.

Zu ihrer ganzen Familie hat die Mittachtzigerin eine enge Beziehung. Alle unterstützten sie, wo sie nur könnten, bekräftigt Marga Hennicke. Und überall in Dölau sei sie bekannt, werde auf der Straße oder in der Kaufhalle angesprochen, berichtet sie stolz. Und wieder sieht man bei diesen Worten den Schalk in ihren Augen aufblitzen …