Mehr Freiheiten oder Leistungsdruck?

Frauen der „Generation Y“ sollen im Rahmen eines Projektes befragt werden

Der im Bürgerhaus „alternativE“ (Gustav-Bachmann-Straße 33) ansässige Humanistische Regionalverband Halle-Saalkreis stellt sich in diesem Jahr im Rahmen eines Projektes die Frage, wodurch besonders die Frauen der „Generation Y“ in ihren Lebensansichten beeinflusst wurden und werden.

Welche Werte haben Sie? Wie stehen sie zu Konsum, Arbeit, Liebe, Familie, Freundschaft, Politik oder Ehrenamt? Favorisieren diese Frauen Auslandsaufenthalte vor der Berufswahl? Welche Anforderungen stellen sie an den Arbeitsmarkt von heute? Wie wichtig ist der Generation „Me“ (Ich) der Umweltschutz? Was hält sie von gesunder Lebensweise? Wie bewerten sie die Zuwanderung nach Deutschland? Wie wichtig sind für die „Ypsilonerinnen“ Smartphone oder Ego-Pflege im Internet? Und, nicht zuletzt: Gibt es Unterschiede zwischen Ost und West?

Kennen Sie noch den Begriff „Babyboomer“? Das sind die heute 53- bis 62-Jährigen, die durch die Wirtschaftswunderjahre, die 1968er Revolution und die Frauenbewegung stark geprägt wurden. Dann folgte die sogenannte „Generation X“ oder auch „Generation Golf“ (1966-1980 geboren), die eher karrierebewusst sowie konsumorientiert und freiheitsliebend ist, den Beginn des Fernseh- und Internetzeitalters wie den Mauerfall 1989 aktiv miterlebte. Die „Generation Y“, Why/Warum (1981-1995 geboren) stellt hingegen viele für sie konservative Werte in Frage, strebt intensiver als die vorangegangenen Generationen nach Freiheit und Selbstverwirklichung, will Arbeitstätigkeiten, -orte plus -zeiten wählen oder auch abwählen, Beruf und Privates besser vereinbaren können. Darüber hinaus sind diese 23- bis 37-Jährigen in den sozialen Medien rund um die Uhr digital höchst vernetzt.

Der Humanistische Regionalverband, so erläutert Sascha Richter, Geschäftsführer und Projektleiter, beschäftige sich innerhalb der Gruppe „Pro 50 – Frauen für Frauen“ schon seit über 25 Jahren mit den Interessen und Problemen, die hallesche Frauen, die nach 1940 geboren und vielfach arbeitslos nach der „Wende“ geworden sind, betreffen. Nun wollen diese Frauen in Dialog mit ihrer Töchter- beziehungsweise Enkelinnen-Generation treten. Besonders engagiert im Projekt „Frauen der Generation Y“ im Rahmen der Umsetzung des „Zweiten GleichstellungsAktionsPlans der Stadt Halle (Saale) 2016 bis 2018“: Heidemarie und Sonja Lange von den „Pro 50“-Frauen. Sie rufen Arbeiterinnen, Angestellte, Unternehmerinnen, Rentnerinnen, Arbeitslosengeld-Empfängerinnen aus Halle und Umgebung auf, sich im Bürgerhaus „alternativE“ zu melden und sich bezüglich ihrer Erfahrungen, Lebenseinstellungen und Visionen mitzuteilen. Sie möchten sich im Rahmen von Gesprächen und Fachreferaten ein Bild von dieser Frauen-Generation machen sowie mit dem Vorurteil, diese Generation würde nur an sich denken, sei unsozial und familienfeindlich, auseinander setzen. Es soll herausgearbeitet werden: Existiert da überhaupt eine einheitlich denkende und handelnde Gruppe? Oder bilden sich auch hier, wie zu allen Zeiten, aus einem Mix von individuellem Charakter, der Erziehung, medialem Einfluss, aus persönlichen Erlebnissen, Erfahrungen und Träumen ganz unterschiedliche Lebenseinstellungen heraus? Haben diese jungen Frauen heute vielleicht nur ganz andere Probleme, einen ganz anderen Leistungs- und Entscheidungsdruck als ihre Mütter, Großmütter und Ur-Großmütter? Haben die „Ypsilonerinnen“ viel zu viele Wahl-Möglichkeiten, die es äußerst schwer machen, zu entscheiden, was das Beste für einen ist?

Die Macherinnen des Projekts hoffen jedenfalls auf eine rege Beteiligung an dem Projekt. Ende des Jahres 2018 soll dann aus den Befragungen der „Generation Y“-Frauen eine Art Porträt-Ausstellung mit Fotos (auf Wunsch anonymisiert) und vielleicht sogar eine kleine Broschüre entstehen. Für das Material erhielt der Humanistische Regionalverband 3.000 Euro über das „PS Lotteriesparen“.

Kontakt: Telefon 0345/1319473;
E-Mail: post@humanisten-halle.de