Mit Großzügigkeit, Marischa Busch

Kleingärtner Dieter Großmann baut in seinem Garten 90 Sorten Tomaten aus aller Welt an

Eine seltsame Überschrift, finden Sie nicht? Wer ist Marischa Busch? Und weshalb sollte sie – zu wem eigentlich – großzügig sein? Und inwiefern? Auch die Autorin hätte bis vor einigen Monaten ratlos auf die Frage reagiert, worauf sich die Begriffe Marischa Busch und Mit Großzügigkeit sowie Schuntukskij Velikan, Sibirskij Skorospelij, Brutus Maximum, Carol Chyko‘s Big Paste oder Ananas Blau beziehen.

Kleiner Tipp: 2017 war ein Tomatenjahr. Das meint zumindest Dieter Großmann, Kleingärtner in der Anlage Kasseler Straße in Halles schönem Süden. Es geht also um den Tomatenanbau!

Die Tomate, auch Paradiesapfel genannt, gehört zu den Nachtschattengewächsen und ist damit der Kartoffel oder der Paprika und Aubergine verwandt. Schon die alten Azteken und Maya sollen die Beeren (!) kultiviert haben. Nach Europa wurde die Tomate wahrscheinlich Mitte des 16. Jahrhunderts durch Columbus eingeführt. Und die teuerste Sorte der Welt stamme aus Böhmen, so Dieter Großmann. Jeder einzelne Samen der Marianna‘s Peace koste einen Dollar.

Sage und schreibe 90 alte Sorten aus aller Welt, das heißt, mehr als 100 Jahre lang in der Züchtung unverändert, hat Dieter Großmann im vergangenen Jahr gezogen. Seit etwa sieben Jahren ist er mit Partnerin Ingrid Joel Mitglied im Gartenverein an der Kasseler Straße. Die Samen für seine aromatischen Früchte bestellt der passionierte Laubenpieper überall auf der Welt übers Internet. Früher sei er sogar bis nach Österreich gefahren, um sie zu ergattern, berichtet der 74-Jährige.

Das Grundstück der beiden ist nicht besonders groß; sie erfreuen sich in der wärmeren Jahreszeit vor allem an ihren Tomaten, an Paprika und an allerlei Blumen. Und für eine gemütliche Sitzecke ist ja überall genügend Platz.

Besucher im Tomatenlehrgarten an der Kasseler Straße beim Probieren von allerlei Sorten. (Foto: Gabriele Bräunig)

Mehrmals in den Sommermonaten finden sich im „Tomatenlehrgarten“ von Herrn Großmann bekannte, aber auch unbekannte Gäste ein – zumeist ist es Mundpropaganda unter Tomatenfreunden, die sie hierher lockt. An lauen Juli-, August- und September-Abenden hat das Paar dann liebevoll den Tisch im Freien mit rund 20 verschiedenen Tomatensorten inklusive Namenskärtchen gedeckt; man kann alles kosten, und Herr Großmann erzählt, was er so über Tomatenanbau, -pflege und -ernte weiß.

Es ist unglaublich, welche riesige Vielfalt die Tomate an Größe, Farbe, Form und Geschmack hat. Die Größe reicht von rund zwei bis knapp zehn Zentimetern im Durchmesser; die Farbe von gelb und grün über orange und rot bis tief rotbraun; die Form von rund über oval länglich bis birnen- oder herzförmig; der Geschmack von mild über süß oder fruchtig bis deftig und auch säuerlich. So haben die meisten Konsumenten Tomaten wohl noch nie geschmeckt.

Der Grund für Dieter Großmanns dauerhafte Liebe zu den  Früchten: Schon als Knirps hatte er sich gern im Garten seiner Großeltern in Schlesien aufgehalten. Und: „Die Kinder wollten nach der ‚Wende‘ die harten ‚Chemiebälle‘ nicht mehr essen.“ Die Sorte Harzfeuer werde überschätzt, ist sich der 74-Jährige sicher. Außerdem schmecke sie heute nicht mehr so wie früher.

Samen der verschiedensten Tomatensorten können übrigens ab April wieder bei Herrn Großmann und Frau Joel gekauft werden. Eine Kontaktaufnahme vor dem ersten Besuch ist ratsam, denn der Garten ist in der Anlage etwas schwer zu finden. (Telefon: 0345/7702769; E-Mail-Adresse: ijoel@t-online.de) In diesem Jahr will der Kleingärtner nicht mehr gar so viele Sorten anbauen wie 2017; vor allem auf die gut schmeckenden russischen Sorten wird er setzen. Auch mit vielen Pflegetipps kann Dieter Großmann aufwarten. Nicht zu verachten: Ingrid Joels Tomatenmarmeladen – aus allen Sorten, mit Apfel und Ingwer verfeinert. Übrigens, in der Anlage Kasseler Straße warten auch noch einige leere Gärten auf Naturliebhaber …