pro familia: Kostenfreie Verhütung!

Bundes-Modellprojekt „biko“ berät Frauen mit wenig Einkommen im Stadtteil Silberhöhe

Eine vom pro familia-Bundesverband 2015 in Auftrag gegebene Studie zum Verhütungsverhalten von Frauen mit geringem Einkommen hat belegt, dass diesen das Thema Verhütung genauso wichtig ist wie allen anderen Frauen auch. Allerdings verzichteten sie oft gänzlich auf für sie unerschwingliche rezeptpflichtige Kontrazeptiva und wählten eher preisgünstige, weniger zuverlässige Methoden. Das führt nicht selten zu ungewollten Schwangerschaften.

„biko“ – das pro familia-Modellprojekt zur Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung in Halles Stadtteil Silberhöhe – unterstützt diese Frauen seit Jahresanfang bei der Familienplanung und ermöglicht ihnen den kostenfreien Zugang zu verschreibungspflichtigen Verhütungsmitteln.

Seit mit der Einführung von Arbeitslosengeld II die „Hilfe zur Familienplanung“ im Rahmen der Sozialhilfe weggefallen ist, können sich viele Frauen keine verschreibungspflichtigen Medikamente und Mittel zur Verhütung mehr leisten – obwohl 17 Euro monatlich dafür enthalten sind. Zusammen mit weiteren Medikamenten, und das ist das Problem! Dabei ist der pro familia-Bundesverband seit Langem der Ansicht, dass es ein Grundrecht sein müsse, dass jede Frau kostenlos Zugang zu allen Kontrazeptiva habe.

(Foto: pro familia)
(Foto: pro familia)

Im Ergebnis einer Bundestagspetition, die durch zahlreiche Gewerkschaften und Verbände unterstützt wurde, führte die Bundesregierung nun das Modellprojekt „biko“ ein. Die pro familia-Beratungsstelle im Gesundheitszentrum Silberhöhe (Wilhelm-von-Klewiz-Straße 11) wurde dabei einer von sieben Standorten im Bundesgebiet, bei der sich Frauen mit wenig Einkommen informieren und beraten sowie sich eine Zusage zur Kostenübernahme für diverse Verhütungsmittel holen können. Projektleiterin Franziska Rehwald berichtet, dass viele Frauen, besonders aus der Waldstadt, das Angebot bisher nutzten. Gute Partner wie das Jobcenter, das Jugendamt sowie zahlreiche soziale Einrichtungen machten Frauen auf das Angebot aufmerksam. Jedoch könnten sich auch Empfängerinnen von ALG II, BAföG, Berufsausbildungshilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag oder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz aus anderen Stadtteilen hier melden. Damit sich Wege verkürzen, gibt es seit diesem Monat ebenfalls einmal wöchentlich eine Beratung beim pro familia-Landesverband Sachsen-Anhalt in der Zinksgartenstraße 14 im Stadtzentrum.

Termine werden individuell vergeben. Voraussetzungen für die Kostenübernahme: Die Frauen müssen mindestens 20 Jahre alt sein, in Halle wohnen, über ein geringes Einkommen verfügen oder eine der oben genannten Leistungen beziehen.
Das Prozedere erklärt Franziska Rehwald: „Nachdem eine Frau ein ärztliches Rezept für ein Verhütungsmittel oder einen Kostenvoranschlag für das Einsetzen eines Kontrazeptivums ihrer Wahl ausgestellt bekommen hat, vereinbart sie telefonisch einen Termin mit uns. Hierzu bringt sie neben Rezept beziehungsweise Kostenvoranschlag auch ihren Personalausweis sowie einen aktuellen Leistungsbescheid mit. Wenn die Frau eine Zusage für die Kostenübernahme durch uns erhalten hat, geht sie damit wieder zu ihrem Arzt beziehungsweise in die Apotheke. Es entstehen ihr keinerlei Kosten. Die Ärzte und Apotheker rechnen direkt mit uns ab.“

Bis Juni 2019 läuft das Modellprojekt „biko“ noch, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert wird. pro familia, so Susanne Westphal, Leiterin der Beratungsstelle in der Wilhelm-von-Klewiz-Straße, verbindet mit den dann vorliegenden Erfahrungen und Ergebnissen die große Hoffnung, dass bis dahin ein allgemeingültiger Rechtsanspruch auf kostenfreie Verhütungsmittel für jede Frau selbstverständlich ist. Denn Familienplanung unter finanziellem Druck erzeuge Angst, Stress sowie wiederum Geld- und damit familiäre Probleme.

Kontakt zu pro familia in Halle: Franziska Rehwald und Nadja Triepel –
Telefon: 0345/7748242; E-Mail: biko.halle@profamilia.de