Sein kleines Lebenswerk

Ludwig Baumgarten: 75. Geburtstag am 25. September – 25 Jahre Trothaer Konzerte

Für gewöhnlich herrscht in der evangelischen Kirche „St. Briccius“ und auf dem umliegenden Friedhofsgelände eine ruhige, beinahe meditative Atmosphäre. Hier findet der Haltsuchende innere Einkehr, kann trauern, sich dem stillen Gebet hingeben. Doch außer zu den Gottesdiensten kann man seit inzwischen 25 Jahren an so manchen Sonntagabenden in der 1116 errichteten altehrwürdigen Kirche in der Pfarrstraße auch Wohlklingendes belauschen: Vor allem Klassik und Barock, regelmäßig ebenso Modernes, hin und wieder Kirchenmusik, zum Muttertag auch einmal deutsche Volkslieder.

Wie kam es zu dieser schönen und beliebten Veranstaltungsreihe? Der Arbeitskreis Kultur der halleschen FDP machte sich im Frühsommer 1992 darüber Gedanken, wie man das kulturelle Leben in der Saalestadt weiterentwickeln könnte. Ludwig Baumgarten erklärte sich daraufhin bereit, im halleschen Norden etwas Interessantes auf die Beine zu stellen. Die Bürgerinitiative „Gesundes Trotha“ unterstützte die „Musik in Trotha“. Erste Auftritte gab es dann am Thomas-Müntzer-Gymnasium, ab 1993 regelmäßig in der Kirche St. Briccius – mit jeweils 50 bis 60 Besuchern.

Seit 1992 plant und organisiert Ludwig Baumgarten nun schon ehrenamtlich die heutigen „Trothaer Konzerte“. Denn der studierte Biologe, der am 25. September seinen 75. Geburtstag feiert, stammt aus einer Klassik liebenden Pharmazeuten-Familie aus Wernigerode. Die Mutter war fasziniert von Bachscher Musik. Der Vater komponierte eigene Stücke; Schwestern und Schwager sind Kirchenmusiker. Ludwig Baumgarten hat Klänge von Bach, Händel und Mozart also bereits mit der Muttermilch aufgesogen.

Die Trothaer Kirche St. Briccius – Ansicht von der Seite des Friedhofes. (Foto: Gabriele Bräunig)
Die Trothaer Kirche St. Briccius – Ansicht von der Seite des Friedhofes. (Foto: Gabriele Bräunig)

Zu Konzerten unter Leitung von Professor Helmut Gleim hat er später Querflöte gespielt – was er, parallel zu seiner Mitwirkung im Chor, heute noch immer bei den Auftritten in Trotha tut. Des Öfteren hier mit dabei: Schwestern und Schwager.

Das musikalische Füllhorn der „Trothaer Konzerte“ beinhaltet natürlich Werke von Halles großen Komponisten Händel und Reichardt, zudem unter anderem von den Bachschen Herren der Schöpfung, von Mozart, Brahms, Beethoven, Mendelssohn Bartholdy, Schubert, Mussorgski, Dvořák, Buxtehude, Britten, Liszt, Loewe oder Haydn. Sehr am Herzen liegt Ludwig Baumgarten gleichermaßen die Aufführung von Werken der klassischen Moderne – wie von Hanns Eisler oder Paul Dessau. Neuere Werke kommen von Gerd Domhardt, Volker Bräutigam, Thomas Buchholz oder Enno Poppe zu Gehör. Und auf die Uraufführungen der drei „Gleichnisse“ der aus Russland stammenden halleschen Komponistin Maria Leontjewa in der Trothaer Kirche ist der passionierte Musiker Ludwig Baumgarten besonders stolz.

Dass es bis 2017 bereits mehr als 110 Trothaer Konzerte gab, ist nicht selbstverständlich. Hin und wieder hat Herr Baumgarten inzwischen erwogen, das ganze ja auch sehr aufwändige Vorhaben aufzugeben. Denn offizielle Förderung gab und gibt es für die beliebten Veranstaltungen kaum. Die Einnahmen, die lediglich auf Spendenbasis beruhen, sind eher spärlich. Und so fließt viel Geld aus seinem eigenen Säckel, um die Sänger sowie die kleinen Instrumentalgruppen halbwegs angemessen zu bezahlen. Auch diese säen ihre Liebe zur klassischen Musik unermüdlich unter die Trothaer und deren Gäste, um das Erbe lebendig zu halten. Manche verzichteten gar schon auf ein Honorar.

Zu mehr als 110 Trothaer Konzerten öffnete Ludwig Baumgarten bereits die Türen der evangelischen Kirche St. Briccius an der Pfarrstraße. (Fotos [M]: Gabriele Bräunig)
Zu mehr als 110 Trothaer Konzerten öffnete Ludwig Baumgarten bereits die Türen der evangelischen Kirche St. Briccius an der Pfarrstraße. (Fotos [M]: Gabriele Bräunig)
Ludwig Baumgarten versucht dennoch, die Hoffnung nicht zu verlieren, dass es einst Mäzene für die Konzert-Reihe in St. Briccius geben wird – oder dass die Besucher mehr zu schätzen wissen, was ihnen da geboten wird. Noch fühlt er genügend Kraft, sich seinem kleinen Lebenswerk zur Freude vieler Musikliebhaber zu stellen. Für dieses Jahr sind insgesamt drei „Trothaer Konzerte“ geplant.

Auch Sänger und Musiker können sich gern bei ihm melden, die hier mitmusizieren möchten (Tel.: 0345/5203338 oder 0345/ 5235703).

Und wenn neben der Organisation der Konzerte noch Zeit bleibt, fotografiert Ludwig Baumgarten, der hagere, markante Mann mit dem leicht gewellten dunklen Haar, für sein Leben gern Tiere. Kein Wunder, denn er hat von der Pike auf im halleschen Zoo gearbeitet.

Sonntag, 24. September, 18 Uhr in der St. Briccius Kirche (Pfarrstr.1): 114. Trothaer Konzert – „Heiter musikalisches Geburtstagsständchen“. Das Konzert steht im Zeichen des 75. Geburtstages von Ludwig Baumgarten.