Redaktion Halle-Süd

„Sonne – Ich passe auf!“

Kita „Wurzelhaus“ seit 2015 mit Sonnenschutz-Pass der Krebsgesellschaft

Halle im Hochsommer. Viele Menschen leiden hier inzwischen oft unter einer Gluthitze von 30 Grad Celsius und mehr. Die meisten tragen dann Sonnenhut, Basecap beziehungsweise leichte Schiebermütze oder beschatten sich mit zu Sonnenschirmen umfunktionierten Regenschirmen. Und doch sieht man immer wieder Mütter und Väter auf den heißen Straßen und in Parks, die ihren kleinen Kindern kein Mützchen aufgesetzt haben. Man möchte jedes Mal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ausrufen: „Habt ihr denn gar nichts von euren Eltern gelernt!?“

In Deutschland erkranken laut Sachsen-Anhaltischer Krebsgesellschaft jährlich rund 300.000 Menschen neu an Hautkrebs. Neben dem Besuch von Solarien gelten vor allem Sonnenbrände als Hauptrisiko für den bösartigen so genannten schwarzen Hautkrebs (Malignes Malinom), aber nicht minder für den weißen Hautkrebs. Zumeist liege das an zu vielen ungeschützten Aufenthalten in der Sonne während der Kindheit und Jugend, warnen Hautärzte. Nach einer Umfrage der Europäischen Hautkrebsstiftung hatte tatsächlich allein jedes fünfte Kind im Kindergartenalter bereits ein bis fünf Sonnenbrände. Das gibt zu denken!

Sollte es also zur Gesundheitsaufklärung bereits während des Kleinkindalters gehören, Mädchen und Jungen über die Gefahren von Sonnenbränden zu informieren und ihnen zu zeigen, wie man sich davor schützt? Unbedingt! Und in diesem Fall dürfen die Sprösslinge auch ruhig ihre Eltern erziehen, wenn diese zu wenig über Hautkrebs wissen und ihre Kids mal wieder bei 30 Grad Celsius und mehr „unbehütet“ und ohne sie einzucremen in die Sonne schicken wollen.

Ein weiterer wichtiger Schritt: Sonnenschutz ist seit mehreren Jahren erprobter Alltag an neun Kindertagesstätten in Halle. So auch in der Kita „Wurzelhaus“ in Radewell (Regensburger Straße 40), die seit dem Jahr 2015 mit dem „SunPass“ der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft zertifiziert ist. Dieses Projekt ist wiederum eine Kampagne der Europäischen Hautkrebsstiftung.

In der wärmeren Jahreszeit bereiten hier zwei durch die halleschen Wirtschaftsjunioren geschulte und als Sonnenschutzbeauftragte tätige Mitarbeiter der Kita des Vereins für Bewegung und Kreativität in der Kindertagesstätte (BuK) Eltern sowie in einem täglichen Morgenkreis die 75 Mädchen und Jungen darauf vor, sich auf die Folgen einer zu intensiven Sonneneinstrahlung einzustellen. Die Knirpse lernen, sich schon ab einem UV-Wert von 1 bis 2 ein Hütchen aufzusetzen, und wie man sich eincremt. „Denn auch, wenn es bewölkt und die Sonne kaum zu sehen ist, heißt das nicht, dass sie nicht schädigend auf die Haut einwirkt“, verweist Erzieher Christian Welter.

Ab einem UV-Wert von 3, so tut es zudem ein für alle Kinder sichtbares Plakat im Eingangsbereich der Kita auf Bildern kund, solle man sich mit Sonnenschutzmittel eincremen, spätestens ab Stufe 6 bis 7 mehr als gewöhnlich trinken. Im „Wurzelhaus“ stehen Wasser und ungesüßter Tee in der warmen Jahreszeit immer bereit. Auch eine Sonnenbrille sei von Vorteil. Denn zu grelles Sonnenlicht könne gleichermaßen die Augen schädigen, gibt Herr Welter zu bedenken. Leichte, langärmlige Kleidung schütze ebenfalls vor Sonnenbrand. Im Garten ist der Sandkasten mit einem Sonnensegel überdacht. Zudem werden Sonnenschirme installiert, um einen zusätzlichen Schutz gegen das starke UV-Licht zu gewährleisten. Ansonsten sorgen zahlreiche alte Bäume für schattige Plätze. Bei hohen UV-Werten von 9 bis 10, vorwiegend in der Mittagszeit, werden die Fahrzeuge lieber drinnen gelassen, weil das Toben mit ihnen zu sehr den Kreislauf belasten würde. Oder die Wichte bleiben nachmittags einfach auch mal im Haus.

„Alle Eltern werden mindestens einmal im Jahr, in der Regel zu Elternabenden, zum Thema Sonnenschutz aufgeklärt. Unser Förderverein unterstützt uns dabei tatkräftig. So wollen wir Nachhaltigkeit schaffen. Und sie wissen, dass kein Kind im Sommer morgens uneingecremt und ohne Hütchen in die Kita gebracht werden darf, wenn es laut Wetterbericht warm werden soll“, berichtet Leiterin Manuela Schatka. Und, wie bereits erwähnt, erziehen die Dreikäsehochs vom „Wurzelhaus“ hier mittlerweile schon die älteren Semester. Zum Thema Sonnenschutz haben sie ja auch schon einige Bilder gemalt. Falls Mutti, Vati, Oma oder Opa allerdings doch einmal die Vorgaben vergessen haben sollten: Sonnenschutzmittel gibt es stets auch in der Kita. Und eine Kiste voller Sonnenhüte steht immer im Entree. So ist es unterdessen ganz normal für die Kinder, sich vor dem Rausgehen einen davon zu schnappen.

Normal ist es an der Kindereinrichtung desgleichen, dass die Mädchen und Jungen nochmals nachgecremt werden, bevor sie am Nachmittag erneut ins Freie dürfen.
Wenn man übrigens nicht weiß, wie man den UV-Wert für den entsprechenden Tag erfahren kann: Bei jeder Wetter-App auf dem Handy ist dies ablesbar.