„Sonnenschein“ auf der Schattenseite

CVJM führt ehemalige Suppenküche am „Gastronom“ als Café für mittellose Menschen weiter

Peter, Hans, Micha, Dieter und Hannelore kommen oft in die „Suppenküche Sonnenschein“. Das Essen werde hier stets frisch und lecker zubereitet, sind sich die Gäste einig. Es sei preiswert und deshalb erschwinglich. Die Suppenküche wird seit 2004 unter Trägerschaft der TSE gGmbH Halle geführt, vom Jobcenter Halle gefördert und befindet sich seit ein paar Jahren Am Gastronom 13. Im Januar wird sie nun durch den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) übernommen und als „CVJM-Schnitte-Café“ weiter betrieben – zum Glück für die bedürftigen Menschen vor Ort.

Sie sind Arbeitslosengeld-II-Bezieher, Empfänger von Grundsicherung oder so genannte Aufstocker. Eine warme Mahlzeit könnten sie sich ohne die Suppenküche in Halle-Neustadt nur selten leisten. Manche von ihnen trifft man fast jeden Wochentag hier an; sie sind gern hier. Weil nicht nur die kostengünstige, gute Hausmannskost im künftigen „CVJM-Schnitte-Café“ sehr gut schmecke, sondern weil dort stets auch nette Leute warteten, mit denen es sich gut reden ließe, bekräftigen Dieter und Micha. Man müsse halt nicht den ganzen Tag über einsam zu Hause verbringen, sondern könne sich hier austauschen, Gehör für seine Probleme finden. Für das Personal haben die Gäste nur lobende Worte übrig. Alle seien freundlich und zuvorkommend.

Silvia Kühnast, die Leiterin der Einrichtung, berichtet, dass das gastliche Haus über 50 bis 60 Plätze verfüge, montags bis freitags von 7.30 bis 9.30 Uhr Frühstück, von 11 bis 14 Uhr Mittagessen und bis 16 Uhr noch Kaffee und Kuchen anbiete. Letzterer werde natürlich selbst gebacken. 18 engagierte Mitarbeiter seien in zwei Schichten über das Jobcenter in Arbeitsgelegenheit-Maßnahmen vor Ort tätig. Sie fühlten sich sinnvoll beschäftigt, gebraucht. Und auch ihnen täten die täglichen Kontakte zu anderen Menschen gut.

Das preiswerte und leckere Essen wird von den Besuchern sehr gelobt. (Foto: Gabriele Bräunig)

Ein komplettes Frühstück erhält man im Café für 2,50 Euro. Die mittägliche Hauptmahlzeit kostet zwei Euro, eine Suppe lediglich 1,40 Euro. Der Nachtisch 50 Cent. Den Kuchen bekommt man hier für 50 bis 90 Cent. Alle Nahrungsmittel werden von den Einnahmen bezahlt. Wenn Gäste zum ersten Mal kämen, müssten sie ihren aktuellen ALG II- oder Rentenbescheid vorlegen, so Frau Kühnast. Dann erhielten sie für ein Jahr einen kleinen Ausweis, der jeweils mit dem nächsten Bescheid verlängert werde.

Die Gesellschaft für Wohn- und Gewerbeimmobilien Halle-Neustadt GmbH (GWG) ist Vermieterin des Objekts, in dem sich das spätere „CVJM-Schnitte-Café“ befindet. Nach Abgabe der Einrichtung durch die TSE gGmbH unterstützt die GWG den CVJM auch an diesem Standort gern – so wie bei den „Schnitten“ in der Unstrutstraße 13, der Matthias-Grünewald-Straße 1 und der Wilhelm-Hauff-Straße 18, wo sie die Räumlichkeiten nettokaltmietfrei zur Verfügung stellt. Denn als kommunales Wohnungsunternehmen ende dessen Verantwortung nicht an der Haustür, so Geschäftsführerin Jana Kozyk. Mit vielfältigem Engagement und zahlreichen Förderungen wolle es die Lebensqualität aller Bürger in Halle-Neustadt erhöhen, deren Zusammenhalt stärken sowie jedem die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben im Stadtteil ermöglichen.

Und Friedhelm Fitz vom CVJM hat nicht lange überlegt, als es um die Übernahme der „Suppenküche Sonnenschein“ ging. Es hätte ihm Leid getan, wenn den bisherigen Besuchern keine Gelegenheit mehr geboten worden wäre, wenigstens einmal am Tag ein günstiges warmes Essen zu sich zu nehmen. Viele von ihnen wären schon seit Jahren auf solch ein soziales Angebot angewiesen. Außerdem sei das künftige Café – als erstes dieser Art vom CVJM – wichtig für die Menschen als kommunikativer Ort.

Fleißig, freundlich und zuvorkommend: Das Küchen- und Bedienteam. (Foto: Gabriele Bräunig)

Für den 15. Dezember hat Friedhelm Fitz nicht nur für die Besucher der Einrichtung eine besondere Überraschung parat. Denn da werden die Halle-Neustädter „Schnitte“-Kinder ab 15 Uhr für alle Interessierten das beliebte Krippenspiel aufführen, das sie schon seit Jahren in der „Schnitte“ in der Unstrutstraße darbieten. Dazu gibt es im gemütlichen Kreis Stolle, Weihnachtsplätzchen und Kaffee.