Redaktion Halle-Nord

Tierpatenschaften sind Erfolgsprojekt

Irmela Dorn hat 1999 Förderverein des halleschen Bergzoos ins Leben gerufen

Besonders schöne Erlebnisse sind für Irmela Dorn, die Initiatorin sowie stellvertretende Vorsitzende des Vereins Förderer und Freunde des halleschen Bergzoo, wenn neue Tiere in die Reilstraße 57 kommen oder Junge geboren werden.

So gab es hier in diesem Jahr ja einen regelrechten Babyboom, unter anderem bei den neuen Grauhand-Nachtaffen, den Darwin-Nandus, Seriemas, Lachenden Hänsen und Graurücken-Trompetervögeln, bei den Westkaukasischen Steinböcken und Yaks sowie den Baumstachlern und Erdmännchen. So viel Nachwuchs benötigt auch viel Platz. Mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit unterstützen derzeit rund 120 Mitglieder des Vereins die Projekte des Zoos, und das bereits seit beinahe 20 Jahren.

Irmela Dorn erinnert sich noch gut an die beiden Legislaturperioden als Stadträtin der halleschen SPD, in denen sie sich bis zum Ende der 1990er Jahre parallel erheblich im Zoobeirat engagierte. Als sie dann 60 wurde und ihr politisches Amt aufgab, fiel auch der Sitz im Beirat weg. Da sich Frau Dorn allerdings schon länger mit dem Gedanken trug, einen Förderverein für den Bergzoo ins Leben zu rufen, machte sie alsbald Nägel mit Köpfen. Der damalige Zoo-Direktor Andreas Jacob, der Ende 2016 verstarb, unterstützte das Anliegen nach einigem Überlegen, warnte die Enthusiastin allerdings mit folgenden Worten: „Denken Sie daran, dass das ein Fooltimejob ist; schauen Sie sich den Zoo in Leipzig an!“ Zu der Zeit stand die Ingenieurpädagogin noch voll im Berufsleben, meinte jedoch: „Man kann ja auch klein anfangen.“

Eine Yak-Mutter mit ihrem Nachwuchs. (Foto: Zoo Halle)
Eine Yak-Mutter mit ihrem Nachwuchs. (Foto: Zoo Halle)

Gesagt, getan. Während einer ersten Versammlung mit Interessenten im November 1999, in der sie fundiert über ihre Pläne informierte, konnte Irmela Dorn gleich 20 Mitglieder gewinnen. Im April des Jahres 2000 bekam die Gruppe dann die Anerkennung als gemeinnütziger Verein. Dessen Vorsitz wollte die Hallenserin zwar nicht übernehmen, das tat damals Michael Zeidler; jedoch ist sie als Stellvertretende nach wie vor der Motor des Förder- und Freundeskreises. Und offensichtlich wohnt ihrer idealistischen Mission eine immense Überzeugungskraft inne. Denn heute kann sich der Verein etwa 120 Mitgliedern erfreuen. Neben ihr gleichfalls noch immer mit dabei: Vereinsvorsitzender Marco Tullner, Gottfried Koehn, Ute Haupt, Professor Erwin Andrä von der „Burg“, Zoo-Chronist Ludwig Baumgarten oder Märchenfee Christa Erhardt-Boy. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder zum Stammtisch, bei dem Zoo-Mitarbeiter ergänzend kleine Vorträge zu speziellen Revieren halten. Auch ist Zoo-Direktor Dennis Müller bei Vorstandssitzungen stets anwesend, um gemeinsam über geplante Projekte beziehungsweise Probleme des Tiergartens zu beraten.

Die Aktiven haben es sich von Anfang an zur Aufgabe gemacht, solche Zoo-Projekte wie den Neubau der begehbaren Lori-Anlage 2005, die Anschaffung eines Ultraschall-Gerätes für die Elefanten 2006 sowie eines gläsernen Brutschrankes für den seltenen Schokoladenfrosch 2011, die Sanierung der Geier-Voliere 2008 oder den Umbau des Mähnenwolf- zum Känguruh- und Emu-Gehege 2013 teilweise oder komplett zu finanzieren; desgleichen, den einzigartigen Bergzoo in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Irmela Dorn hofft freilich auf künftig mehr jüngeren Vereinsnachwuchs, denn dessen Erstmitglieder sind vielfach in die Jahre gekommen. Der Älteste, Professor Andrä, ist inzwischen 97 Jahre alt. Die „Berglöwen“, seit 2003 Jugendclub des Vereins, sind dafür ein guter Anfang. Die jungen Leute helfen den Tierpflegern jeden ersten Samstag im Monat, das Futter zuzubereiten oder die Gehege zu putzen, lernen viel über die Herkunft und Lebensweise der unzähligen Tierarten des Zoos und deren Verhalten. „Aber jeder, dem das Gedeihen des Bergzoos am Herzen liegt, ist bei uns prinzipiell sehr willkommen“, ergänzt die 79-Jährige. Für sein außerordentliches Engagement zur Erhaltung, zum stetigen Ausbau sowie zur Bekanntmachung des historischen Zoos weit über die Stadtgrenzen hinaus sei der Verein Förderer und Freunde des halleschen Bergzoos schon zweimal mit dem Ehrenamtspreis „engagiert für halle“ von Stadt und Freiwilligen-Agentur ausgezeichnet worden, berichtet die äußerst vitale Endsiebzigerin.

Possierlich: Das Erdmännchen. (Foto: Zoo Halle)
Possierlich: Das Erdmännchen. (Foto: Zoo Halle)

Das erste „Großprojekt“ des Zoofördervereins war die Einrichtung von Tierpatenschaften 2001, aus deren Erlösen auch heute noch zumeist bauliche Maßnahmen im Zoo unterstützt werden. Momentan gibt es zirka 400 solcher Patenschaften. Zudem trägt sich die Vereinsarbeit neben den Mitgliedsbeiträgen über Spenden. „Eine tolle Sache sind für uns die drei Spendenbrunnen, die im Halle-Neustädter Kino, im Einkaufcenter Peißen sowie auf dem Flugplatz Leipzig-Halle installiert sind“, begeistert sich die umtriebige Frau und gibt des Weiteren Auskunft darüber, dass dem Verein in diesem Jahr erstmals eine Erbschaft von mehreren tausend Euro zuteil ward. Diese sollen in ein besonderes Projekt investiert werden, über das bisher allerdings noch nicht entschieden wurde.

Für das Jahr 2019 steht vor allem die Errichtung der „Reilsalm“, einer Art Bauernhof im Zoo, ins Haus. Das Geld dafür sei bereits vorhanden, berichtet Irmela Dorn. Darüber hinaus wird der Förderverein das Zoo-Projekt „Zoovision 2031“ aktiv begleiten. Und natürlich werden sich die Mitglieder wieder auf diversen Zoo-Veranstaltungen 2019 präsentieren, wie zum Beispiel zu den jährlichen Zoofesten im Frühjahr, zu den Zootagen sowie zum Tierpatentag im September. Weitere, ergänzende Veranstaltungen gibt es wie immer parallel zum allgemeinen Zoo-Programm. Ebenfalls lädt der Verein seine Mitglieder zu jährlich einer Exkursion in andere deutsche Zoos ein. 2018 unternahm man Tagesreisen nach Dessau und Bernburg. Vergangene Ausflüge führten bereits durch die Zoos in Leipzig, Berlin, Erfurt, Chemnitz, Rostock, Delitzsch und Nürnberg. Doch zunächst freuen sich die „Freunde“ auf die Weihnachtsfeier am Samstag vor dem ersten Advent. Hier warten wie jedes Jahr ein kleiner Rundgang durch den Zoo, reger Austausch und typische Weihnachtsleckereien auf die Ehrenamtlichen.