Vermittlung zwischen den Welten

Mit der „LösBar“ sind viele Probleme junger Menschen lösbar

Wie erreicht man Jugendliche und junge Erwachsene, die wohnungslos beziehungsweise von Wohnungslosigkeit bedroht sind oder sich gar komplett aus allen gesellschaftlichen Strukturen ausgeklinkt haben, um sie wieder in einen halbwegs normalen Alltag zurück zu holen? Möglichst auf niedrigschwelliger Ebene.

Die Internationaler Bund Mitte gGmbH, die sowohl über langjährige Erfahrungen als auch top ausgebildete Mitarbeiter in diesem Bereich verfügt, hat seit vergangenem Jahr an drei Standorten im Stadtgebiet Anlaufstellen für diese jungen Menschen eingerichtet, um sie umfassend zu beraten, ihnen tatkräftig zu helfen und ihnen einen sicheren Ort zu bieten, an dem sie etwas essen und trinken, duschen, Wäsche waschen oder einfach nur mal chillen können. So befindet sich seit Mai dieses Jahres in der Merseburger Straße 271 die „LösBar“-Kontaktstelle Südstadt. Hier werden ebenfalls Möglichkeiten für Freizeit-, Sport- und Spielaktivitäten angeboten.

Zunächst einmal gilt es für die IB-Mitarbeiter, Vertrauen aufzubauen, damit sich ihnen die Heranwachsenden im Alter zwischen 15 und 25 Jahren nach und nach öffnen, um dann später auch über ihre grundlegenden Schwierigkeiten sprechen zu können; darüber, was in ihrem jungen Leben schief gelaufen ist, das sie so straucheln ließ: War es zu hoher Leistungsdruck in Schule beziehungsweise Ausbildung, waren es Mobbing, falsche Freunde, ein liebloses, zerrüttetes Elternhaus, ein Todesfall im näheren Umfeld oder andere traumatische Erlebnisse, das Abrutschen in den Drogenkonsum? Die Sozialpädagogen kümmern sich dabei um all jene jungen Menschen, die dem Sozialgesetzbuch (SGB) II unterliegen, aber aus vielerlei individuellen Gründen nicht im ALG II-Leistungsbezug sind. „Jedem, egal welches Problem er hat, wo er anzutreffen ist und welcher Nationalität er angehört, wird dabei unvoreingenommen geholfen“, versichert Guido Stark, der hallesche „LösBar“-Projektverantwortliche. „Wir wollen die Vorstellungen und Wünsche der Jugendlichen und jungen Erwachsenen respektieren und sie für eine gute persönliche und berufliche Perspektive stärken“, ergänzt er.

Den Ort für das Erstgespräch wählt der Betreffende selbst. Die jungen Leute können direkt in die Kontaktstelle in der Merseburger Straße kommen, oder man trifft sich bei ihnen zu Hause, anderenfalls an einem durch sie vorgeschlagenen neutralen Ort. Die Sozialarbeiter haben ein offenes Ohr für alle Themen, die die Halbwüchsigen bewegen: Familie, Wohnen, Schule, Ausbildung, Beruf sowie Geld, Sucht, Liebe plus Sexualität und vieles andere mehr. Sie begleiten bei nötigen Behördengängen, insbesondere in Krisen, und vermitteln zu weiterführenden Anlaufstellen. Auch kann eine Psychologin zu Rate gezogen werden, die die Jugendlichen in Akutsituationen unterstützt.

Eigentliches Ziel bei der täglichen Umsetzung des vorerst auf drei Jahre angelegten Modellprojektes ist es freilich, alles zu tun, damit das „Kind gar nicht erst in den Brunnen fällt“. Deshalb haben die „LösBar“-Mitarbeiter bereits von Beginn an alle Netzwerkpartner im halleschen Süden über ihr Vorhaben informiert und sie gebeten, Jugendliche unter anderem mit Sorgen in Elternhaus, Schule oder Ausbildung auf die Hilfemöglichkeit hinzuweisen. Und natürlich können sich gleichermaßen besorgte Eltern an das Team wenden, um die Wohnungslosigkeit ihrer Kinder oder deren allgemeines soziales Abgleiten zu vermeiden. Vertrauensvolle Gespräche sind dabei eine Selbstverständlichkeit – auf Wunsch auch anonym. Nach der Kennenlernphase wird dann für jeden ein individueller Hilfeplan erstellt.

Inzwischen beraten die „LösBar“-Mitarbeiter aller drei Standorte (neben Merseburger Straße noch Ludwig-Wucherer-Straße 63 für Halle-Mitte sowie Am Hechtgraben 4 für Heide-Nord) etwa 40 Jugendliche und junge Erwachsene. Sozialarbeiter Jasper Quednau: „Dem gingen lange und wertschätzende Gespräche voraus. Und wir geben stets unser Bestes für die 15- bis 25-Jährigen. Aber sie müssen natürlich auch wollen!“ Zu den Freizeitangeboten kommen unterschiedlich viele Besucher. Hierzu findet man sowohl auf Facebook als auch über WhatsApp die detaillierten Wochenpläne der Kontaktstellen.

Gefördert wird das Projekt durch die Europäische Union, im Rahmen des Programms Regionales Übergangsmanagement Sachsen-Anhalt durch unser Bundesland und durch das Jobcenter Halle.

Kontakt Projektleitung: Guido Stark (Mobil: 0171/9662931; E-Mail: guido.stark@ib.de); Kontakt Beratungsstelle Süd (Mobil – für alle drei Mitarbeiter: 0151/54394399 oder 0151/67805425); Julia Tausch (E-Mail: julia.tausch@ib.de) Tanja Andrea Wittich (E-Mail: tanja.andrea.wittich@ib.de); Jasper Quednau (E-Mail: jasper.quednau@ib.de)