Redaktion Halle-Nord

Viele Spenden machen es möglich

Bethcke-Lehmann-Jugendstilbrunnen soll im Frühjahr 2020 saniert werden

Etwas versteckt, im Garten hinter der Burgstraße 45b, befindet sich ein in Halle einzigartiges, inzwischen 105 Jahre altes künstlerisches Kleinod aus der Jugendstilzeit. Seine besten Jahre hat der nostalgisch und etwas mystisch anmutende Bethcke-Lehmann-Brunnen allerdings schon lange hinter sich: Der Boden, die Säulen, die Knabenfiguren sowie die Dankestafel für das Stifterpaar Ludwig und Emilie Bethcke-Lehmann sind zum Teil stark verwittert, die filigranen Metallgitter verrostet. Seit rund zehn Jahren hält der Brunnen kein Wasser mehr. Doch nun sollen bessere Zeiten für das einstige Schmuckstück auf dem Diakoniegelände kommen.

Die Szenerie strahlt morbiden Charme aus – verstärkt durch herbstliches rostiges Blättertrudeln von nahezu kahlen Ästen unter oft regnerisch grau-düsterem Himmel. Der Geschichtskundige fühlt sich beim Anblick des Brunnens zurückversetzt in die Situation wie Stimmung des Jahres 1914 in Halle, kurz bevor der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen Jahrzehnte in den Grauen des Ersten Weltkrieges erstarb. Denn der damals moderne Jugendstilbrunnen aus Beton, gestaltet durch Georg und Ulrich Roediger sowie Elisabeth Roediger-Waechtler, wurde noch vor Kriegsausbruch von der Stadt Halle als Dank an die Familie Bethcke-Lehmann erbaut. Diese hatte testamentarisch verfügt, nach dem Tod des verbliebenen Ehepartners 1.250.000 Goldmark, inklusive der Grundstücke plus Gebäude Burgstraße 45 und Giebichensteinstraße 8, an die Kommune zu vermachen. Die einzige Bedingung war, vor Ort eine evangelische Stiftung zur Betreuung von Jugendlichen einzurichten.

Nach dem Tod des langjährigen Prokuristen Ludwig Bethcke vom Bankhaus Heinrich Franz Lehmann im Jahre 1911 konnte die Stadt von insgesamt 1.679.927 ausgezahlten Goldmark des Weiteren noch einen Kindergarten, einen Hort, ein Säuglingsheim sowie eine Kinderlesehalle und die städtische Frauenschule gründen. Um die beiden letzten Einrichtungen machte sich die hallesche Vorreiterin für die Frauenbildung Agnes Gosche besonders verdient.

Zwei Knaben auf dem Brunnen, mit der Gedenktafel zu Ehren des Stifter-Ehepaars Ludwig und Emilie Bethcke-Lehmann. (Foto: Gabriele Bräunig)

Später habe das Diakoniewerk das Gelände von der Stadt gepachtet, berichtet Pressesprecher Udo Israel. Und seit etwa vier Jahren bemühe sich die karitative Einrichtung um die Einwerbung von Spenden zur Sanierung des Bethcke-Lehmann-Brunnens. Aus zahlreichen kleineren Aktivitäten für das Ziel, die durch Baurestaurator Thomas Antonius Ludwig errechneten 40.000 bis 45.000 Euro zusammen zu bekommen, sind inzwischen einige größere Aktionen geworden. Durch Spenden vor allem der Diakoniemitarbeiter und Bewohner des Viertels während Benefizkonzerten, Floh- sowie Adventsmärkten mit Verkauf der beliebten Orangenmarmelade oder beim Sommerfest eines Kleingartenvereins sind bis zum Frühjahr 2019 zirka 12.000 Euro auf dem Spendenkonto des Diakoniewerkes eingegangen.

Dann meldete sich plötzlich eine Hallenserin, die eine Großspende in Höhe von 20.000 Euro tätigte. Sie möchte nicht namentlich erwähnt werden, es ginge ihr lediglich darum, dass der schöne Jugendstil-Brunnen wieder instand gesetzt werde und die Bürger erfreue, erzählt Udo Israel dankbar. Somit sei inzwischen der Großteil der nötigen Sanierungssumme vorhanden und man in der glücklichen Lage, dass die Arbeiten durch Baurestaurator Ludwig im Frühjahr 2020 starten könnten. „Im Vorfeld dazu findet am 14. November, ab 19 Uhr, im Mutterhaus der Diakonie (Lafontainstraße 15) eine Informationsveranstaltung statt, in der sich interessierte Hallenser durch Herrn Ludwig über die Geschichte und kunsthistorische Bedeutung des Brunnens sowie die geplanten Sanierungsschritte in Kenntnis setzen lassen können.“

Der Bethcke-Lehmann-Brunnen soll übrigens weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Doch erbittet Udo Israel für die Menschen mit Handicap, die hier in einer geschützten Einrichtung wohnen, um respektvolle Nutzung dieser Möglichkeit.

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft;
IBAN DE09 8102 0500 0004 4790 30; gewünschter Verwendungszweck