Redaktion Halle-Nord

Vier Jahre „NaturKinderGarten Halle“

Spielen, toben und die Natur erforschen – in lauschiger Idylle am Galgenberg

Im Zentrum des ehemaligen städtischen Schulgartens am Galgenberg steht ein majestätisch ausladender Zürgelbaum. Darunter, auf einem großzügigen Holz-Podest, sitzen oder hocken Kinder, in ihr Spiel versunken; andere laufen zwischen den Beeten der hier angesiedelten Gemeinschaftsgärten herum, begutachten zusammen mit einem Betreuer aufmerksam Obst und Gemüse, beschnuppern duftende Blumen und Kräuter.

In einem aus Zweigen gebauten gemütlichen Tipi versucht sich ein Mädchen per Mini-Geschirr als Köchin für ihre Freunde. Dieses Bild bietet sich dem Besucher an einem ganz normalen Vormittag im „NaturKinderGarten Halle“ – egal, ob es gerade Frühling, Sommer, Herbst oder gar Winter ist …

„Wir wollen so oft wie möglich draußen in der Natur sein“, erklärt Kita-Leiterin Ellen Schüttig das Prinzip des gleichnamigen Kindergartens. Sich so viel wie möglich im Freien aufzuhalten, bedeutet für Ellen Schüttig sowie die drei hier tätigen Erzieher und einen FSJ-ler neben dem Spielen auf dem wunderschönen naturnahen Gelände vor allem, Wald und Flur täglich und zu jeder Jahreszeit mit allen Sinnen zu erfahren, viel dabei zu lernen wie sich regelmäßig aktiv an frischer Luft zu bewegen. Dabei können die Kids in zwei Spiellagern in der Umgebung toben, klettern, buddeln, Hütten bauen, an Seilen schaukeln, rummatschen und im Winter rodeln. Oft im Schlepptau: einer von fünf kleinen Koffern mit Material zum Schnitzen, Vorlesen, Beobachten, Malen oder Spielen. Selbstverständlich werden während der Ausflüge stets auch fleißig diverse Naturmaterialien gesammelt, aus denen die Mädchen und Jungen am liebsten Kreatives basteln. Und jede Jahreszeit hat da bekanntlich unendlich viel zu bieten.

Ein gemütliches Tipi aus Zweigen für Freunde. (Foto: Gabriele Bräunig)
Ein gemütliches Tipi aus Zweigen für Freunde. (Foto: Gabriele Bräunig)

„Natürlich geht bei unseren Aktivitäten das Wohl der Kleinen immer vor. Denn wenn es zu sehr regnet, stürmt beziehungsweise schneit oder die Heizung in unserem Aufenthaltsraum an eisigen Tagen einmal ausfällt, dann steht uns noch ein Zimmer in der Evangeliumsgemeinde zur Verfügung.“ Auch wer friert, kann sich jederzeit mit einem Betreuer in die Unterkunft zurückziehen. Wetterfeste sowie in den kälteren Monaten warme Kleidung sei allerdings Voraussetzung für den Besuch eines Naturkindergartens, so die Mutter von vier Kindern. Ihr Jüngster ist jetzt acht Jahre alt; für ihn hat die Sozialpädagogin den „NaturKinderGarten“ gemeinsam mit anderen Eltern, die damals ebenfalls keinen Kita-Platz für ihre Sprösslinge fanden, 2014 aufgebaut. Die Elternbeiträge seien allerdings nicht höher als in anderen Kindertagesstätten, versichert Frau Schüttig.

Anfänglich besuchten hier etwa fünf Mädchen und Jungen eine selbstverwaltete Eltern-Kind-Gruppe; das lief etwa anderthalb Jahre so. Dann überlegte man: Wie soll es jetzt weitergehen? Eine Mutti hatte die Idee zu dem Naturkindergarten, ein Dänisches Modell. In Deutschland existieren heute rund 2.000 solcher naturverbundener Kindertagesstätten. Die beiden Frauen informierten sich umfassend. Im nächsten Schritt wurde ein Träger für das Projekt gesucht und in der Evangeliumsgemeinde Halle – Christliche Freikirche gefunden. Noch heute unterstützen die Eltern die Erzieherinnen bei der Vorbereitung von Festen, bei kreativen Angeboten oder im Garten, waschen die Handtücher der Kleinen. Diese kommen vorrangig aus dem Postleitzahlbereich 06114; aber auch aus der Innenstadt, Halle-Neustadt oder der Südstadt wurden schon welche aufgenommen. Und zwar aus allen sozialen Schichten, betont Ellen Schüttig.

„NaturKinderGarten Halle“ am Galgenberg: Draußen spielen zu jeder Jahreszeit. (Foto: Gabriele Bräunig)
„NaturKinderGarten Halle“ am Galgenberg: Draußen spielen zu jeder Jahreszeit. (Foto: Gabriele Bräunig)

Drei Hauptmerkmale kennzeichnen den halleschen „NaturKinderGarten“: Neben der oben bereits erwähnten Naturpädagogik mit fester Tagesstruktur und vielen Freispielen würden in der Gruppe christliche Werte vermittelt sowie ganz bewusst Mädchen und Jungen einbezogen, „die es ein bisschen schwerer haben“, so die Kita-Leiterin. Zurzeit besuchen 18 Knirpse von drei Jahren bis zum Schuleintrittsalter die freie Vorschuleinrichtung; darunter zwei mit besonderem Förderbedarf, die durch eine Heilpädagogin betreut werden. Alle Plätze der Gruppe sind im Moment vergeben. Man kann sich allerdings unverbindlich in eine Warteliste eintragen. Zudem wird gerade erwogen, zu gegebener Zeit eine zweite Gruppe einzurichten.

Darüber hinaus müssten natürlich allgemeine Standards eingehalten werden, erläutert Ellen Schüttig. So beispielsweise erhöhte Sicherheitsauflagen, da sich die Kids viel mehr im Freien aufhielten als in normalen Kitas. Auch seien gute sanitäre Anlagen selbstverständlich. Frühstück, das die Kinder von zu Hause mitbringen, wird nach Auskunft der Kita-Leiterin in der Unterkunft eingenommen, das Mittagessen liefert ein Bio-Catering-Service. Wer Mittagsruhe halten möchte, kann dies tun – auf beziehungsweise in eigener Iso-Matte plus Schlafsack sowie mit einer Geschichte in den Schlaf gewiegt. Zum Nachmittag gibt es noch Vesper. Nach spätestens sieben Stunden (eine Stunde länger als in Sachsen-Anhalt für Waldkindergärten eigentlich vorgegeben) kehren die Mädchen und Jungen in die Obhut ihrer sie sehnsüchtig erwartenden Eltern zurück.

Auf die vorsichtige Anfrage, ob denn die Kinder nicht ständig krank seien, wenn sie sich zu jeder Jahreszeit fast den ganzen Tag über im Freien aufhielten, antwortet die Leiterin des „NaturKinderGartens Halle“ verständnisvoll: „Natürlich gibt es auch bei uns oft Schnupfnasen, vor allem beim Übergang von Herbst zu Winter. Aber zu solch epidemie-artigen Erkältungswellen wie anderswo kommt es eher selten. Der Körper gewöhnt sich nach maximal einem Jahr an die Bedingungen. Außerdem ist der Aufenthalt an frischer Luft und in der Natur ja gesundheitsfördernd. Selbst hyperaktive Mädchen und Jungen kommen hier besser zur Ruhe.“

Als nächster Höhepunkt im Naturkindergarten steht nach Zuckertüten- und Steinfest, Heideausflug sowie Besuch in Puppentheater und Zoo im laufenden Jahr nun am 6. Dezember erneut die jährliche Adventsfeier ins Haus. Hierfür basteln die Knirpse bald wieder gemeinsam mit ihren Erziehern und Eltern aus ihren im Herbst gesammelten Naturmaterialien lustige winterliche Deko und kleine Geschenke. Viel Spaß dabei!