Wenn Steine erzählen könnten

Der Geo-Park der Martin-Luther-Universität in Heide-Süd: 300 Tonnen Gesteinsvolumen

Der Campus Heide-Süd gehört seit Jahren zu den wichtigsten Standorten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach umfangreichen Sanierungen des ehemaligen Kasernengeländes wurden hier die naturwissenschaftlichen Universitätsbereiche konzentriert. Einer der ersten war der Fachbereich Geowissenschaften, der 2004 sein neues Domizil bezog. Glanzpunkt und Besuchermagnet ist ein dazu gehörender imposanter Geo-Park im Innenhof des Gebäudekomplexes am Von-Seckendorff-Platz 3-4.

Zunächst war hier nur an wenige größere Exponate zum Aufstellen gedacht. Doch dann kamen annähernd 300 Tonnen Gesteinsvolumen zusammen. Die Positionierung erfolgte auf zwei Teilflächen, die durch einen „Zeitstrahl“ vom Präkambrium bis zum Quartär geteilt sind. Auf der einen Teilfläche sind die Gesteine um einen kleinen Teich gruppiert, auf einer Kiesfläche, welche die Form eines Kopffüßlers hat. Die gegenüberliegende Kiesfläche hat dagegen eine Blattform.

Die Gesteine stammen aus fast allen Regionen Deutschlands. Sie sind in die drei großen Gesteinskategorien Magmatite, Sedimente und Metamorphite unterteilt. Dank großzügiger Unterstützung von Tagebauen, Steinbrüchen und Privatpersonen konnten immerhin 120 Exponate zusammengetragen werden. Das schwerste Stück (30 Tonnen) kommt aus dem Fichtelgebirge.

Der Gesteinsgarten ist jederzeit zugänglich, und Führungen gibt es nach Vereinbarung. Oder man nutzt die alljährliche „Lange Nacht der Wissenschaften“ (dieses Jahr am 6. Juli), in der von den Geowissenschaftlern Fragen interessierter Besucher beantwortet werden. Diese Führungen sind auch eine willkommene Gelegenheit, um zu erfahren, was Steine zu erzählen haben. Denn für Geologen sind Steine keinesfalls tote Objekte. Aussehen, Form und Zusammensetzung verraten ihnen Geheimnisse über die Entwicklungsgeschichte der Erde. Sie erzählen von den Vorgängen, die die Erde einst formten und auch heute noch gestalten. Für die meisten Menschen sind Steine ja stumm wie Fische. Trotzdem faszinieren diese sie oft durch ihre Vielfalt aus Farben, Formen, Materialien und Größen. Und so hat sicher jeder daheim wenigstens einen Hühnergott oder einen besonders schönen Stein aus dem Urlaub in der Vitrine.

Überhaupt ist das Stadtgebiet von Halle für Geologen besonders interessant. So verläuft eine Verwerfung von geologischen Schichten, Halle-Störung genannt, quer über den Marktplatz zwischen Rathaus, Händel-Denkmal und Marienkirche. Eine weitere geologische Besonderheit sind die Porphyrverbreitungsgebiete im Saaletal.

Daher verwundert es nicht, dass die Geowissenschaften an der halleschen Universität eine lange Tradition haben. So gab es hier bereits im 18. Jahrhundert eine Gesteinssammlung. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses Mineralienkabinett, das zum großen Teil in der „Neuen Residenz“ untergebracht war, in den Rang eines Mineralogischen Instituts erhoben. Später kam es mit dem teilweisen Umzug in das nahe gelegene Gebäude des ehemaligen Oberbergamtes am Domplatz zu einer Spezialisierung. Obwohl das Geologische Institut durchaus Weltgeltung erlangt hatte, wurden 1967 die Institute aufgelöst. Nach der „Wende“ wurde mit der Neugründung des Fachbereichs Geowissenschaften jedoch wieder an die große geowissenschaftliche Tradition in Halle angeknüpft.