Redaktion Halle-Nord

Zeit und Raum für Begegnung

Trothaer St.-Briccius-Gemeinde lädt drei Mal in der Woche zum „Café Amal“ ein

Das Wort Amal kommt aus dem Arabischen und bedeutet Hoffnung. Die größten Hoffnungen, die Menschen überall auf der Welt haben, sind wohl die auf Frieden, Gesundheit, ein vernünftiges Auskommen und darauf, dass es ihrer Familie gut geht, vor allem den Kindern. Die Frauen und Männer, die im Januar 2016 das erste Mal in das „Café Amal“ der evangelischen Gemeinde St. Briccius kamen, hatten allerdings bereits jegliche Hoffnung auf Frieden in ihrer Heimat und damit für sich sowie ihre Sprösslinge aufgegeben …

So wie der heute 31-jährige Abdulrahman Othman, der im völlig zerstörten syrischen Aleppo keinerlei Zukunft mehr für sich sah und 2016 über die Türkei und Griechenland nach Deutschland kam. Seitdem lebt er in der Saalestadt. Abdulrahman war von Anfang an einer der eifrigsten Besucher des „Café Amal“ in der Gemeinde St. Briccius (Pfarrstraße 5), hat hier seine zweite Familie gefunden. Geschwister von ihm sind hingegen über mehrere Kontinente verstreut.

Man spürt im Gespräch mit dem jungen Mann, dass – bei aller Freundlichkeit – etwas furchtbar Schweres auf seiner Seele lasten muss. Er wird – so wie auch die beiden Schwestern Mahbuba und Hamra, die das „Café Amal“ gleichfalls häufig besuchen – Schreckliches in Syrien sowie auf seinem Fluchtweg nach Europa erlebt haben. Schreckliches, das man sich hierzulande kaum vorzustellen vermag. Der Jeside macht sich deshalb auch sehr viele Gedanken über die Welt, den Zusammenhang von politischen, wirtschaftlichen sowie strategischen Interessen und Krieg, über sein künftiges Leben und natürlich seine Familie zu Hause. Abudi, wie ihn der Ehrenamtliche Ronald Reinicke liebevoll nennt, zieht angesichts all des unverständlichen Hasses und des Leides das Fazit: „Wir sind in erster Linie alle Menschen – die eventuell einer Religion angehören oder auch nicht. Das ist zweitrangig.“

In Halle, in der St.-Briccius-Gemeinde begann Abdulrahman wieder zu vertrauen, da er angenommen wurde wie er war. Erste zaghafte Versuche, die völlig neue Sprache zu erlernen, erleichterten die Helfer aus der Gemeinde, indem sie mit ihm und den anderen anfänglich bis zu 30 Teilnehmern Memory spielten und so die jeweiligen deutschen Begriffe einübten. Und man griff ihm bei allen wichtigen Dingen des Alltags unter die Arme. Denn im „Café Amal“ kann man sich nicht nur bei Kaffee, Tee und Gebäck austauschen, vernetzen, singen und musizieren oder spielen. Die sieben Ehrenamtlichen unterstützen die derzeit rund zehn Teilnehmenden aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und inzwischen ebenso verstärkt aus der Türkei und aus Polen gleichsam beim Deutschlernen, inklusive Hausaufgabenmachen für den Sprachkurs, bei Behörden-, Wohnungs-, Schul- und Ausbildungsangelegenheiten.

Inzwischen, nach nur knapp drei Jahren, spricht Abdulrahman schon sehr gut deutsch. Und da seinem der DDR einst scheinbar sehr ähnlichen Land in naher Zukunft kein Friede beschert sein werde, so vermutet er, bemühe sich der gelernte Schneider darum, seine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann in einem Trothaer Bioladen gut abzuschließen und danach eventuell hier Volkswirtschaft zu studieren.

Die Treffen im „Café Amal“, einem Kooperationsprojekt zwischen Evangelischem Kirchspiel Trotha-Seeben und Evangelischer Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt, finden drei Mal in der Woche statt: Am Mittwoch von 15.30 bis 17.30 Uhr; am Donnerstag für Frauen (16-17.30 Uhr) sowie am Freitag, besonders für Familien mit Kindern (16-18 Uhr). Willkommen sind sowohl Gäste aus aller Welt und egal, welcher Religion sie angehören, als auch weitere ehrenamtliche Mitstreiter, die an einem Nachmittag in der Woche für zwei Stündchen etwas Gutes tun möchten und keine Berührungsängste mit ihnen – zunächst noch – fremden Menschen haben.

Kontakt: Per Telefon über Herrn Reinicke (Mittwochsgruppe) unter 0177/5023944, Frau Kleemann (Donnerstagsgruppe) unter 0173/7542485 sowie Frau Kiesow (Freitagsgruppe) unter 0345/5229303 oder per E-Mail über cafe-amal@briccius.de