Redaktion Halle-Süd

Zwei Lärmschutzwände geplant

Bürgerinitiative erwirkt freiwillige Leistung der Deutschen Bahn

„Im Sommer kann man sich im Garten seines Grundstücks an der Kasseler Bahn oft über fünf Minuten lang nicht unterhalten, so laut sind die langen Züge, die hier vorbeifahren“. Während einer Sprechersitzung in der idyllischen Gartenkneipe „Reichardts Sommerfreude“ beschrieb Hans-Joachim Berkes, Vorsitzender der Bürgerinitiative Halle-Rosengarten, Mitte Mai das Problem. Inzwischen fünf Jahre setzt sich die frühere Bürgerinitiative „Umbau Knoten Rosengarten“ schon für Lärmschutz und Verkehrsberuhigung in der Wohnsiedlung ein. Obendrein für den Erhalt der Vierspurigkeit der Merseburger Straße und, damit eng verbunden, für die Verbreiterung der Brücke über die Hauptverkehrsader im Süden.

Über 200 Mitglieder zählt die Bürgerinitiative Halle-Rosengarten (BI). Seit 2014 hat der zehn Personen umfassende Sprecherkreis unzählige Zusammenkünfte mit der halleschen Stadtverwaltung, Bundes- und Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien sowie Vertretern der DB Netze gehabt, um eine Lärmreduzierung entlang der Kasseler Bahn zu erreichen. Erst Anfang Mai gab es ein Treffen mit der DB Netze bei der Stadtverwaltung in Anwesenheit von Oberbürgermeister Bernd Wiegand, bei dem die BI ihre Forderungen nach Lärmschutzwänden für den Bereich Rosengarten wiederholt thematisierte. Und am 28. Mai lud die Deutsche Bahn AG (DB) zu einem Bürgerdialog zum Thema „Modernisierung der Bahninfrastruktur in Halle (Saale) – Komplexmaßnahme Rosengarten“ interessierte Anwohner in die DB Lounge des Hauptbahnhofes ein.

Obwohl es zum Leidwesen der BI bislang keine konkreten Ergebnisse im Kampf hinsichtlich Lärmschutz gibt und Messungen der DB laut Hans-Joachim Berkes angeblich jedes Mal keine übermäßigen negativen akustischen Auswirkungen des Zugverkehrs auf das Wohngebiet erbringen, geht es nun scheinbar voran mit greifbaren Planungen für die Baumaßnahmen am Knoten Rosengarten. Auch wenn die drei Meter hohe und über 662 Meter lange Lärmschutzwand an der Seite Kasseler Straße (aktiver Lärmschutz) nach Aussagen einer DB-Vertreterin während des Bürgerdialogs nun freiwillig erbracht würde. „Lärmvorsorge vor Lärmsanierung“ nannte sie das. So enthalten im Programm des Bundes, um den Schienenlärm auf bestehenden Strecken zu reduzieren. Zudem ist eine zwei Meter hohe und über 69 Meter lange Lärmschutzwand an der Seite Beerenweg (passiver Lärmschutz) geplant. Als Gründe für die Maßnahmen nennt die DB die Geschwindigkeitserhöhung ihrer Züge auf 120 Kilometer pro Stunde.

Der Bürgerdialog am 28. Mai in der DB Lounge des Hauptbahnhofs zum Thema „Modernisierung der Bahninfrastruktur in Halle (Saale) – Komplexmaßnahme Rosengarten“ war sehr gut besucht. (Foto: Gabriele Bräunig)

Bis die Baumaßnahmen in Angriff genommen werden, ist allerdings noch einiges an Geduld nötig. Denn das Planfeststellungsverfahren läuft noch; für März 2020 ist erst die Erteilung des Baurechts vorgesehen, im Juli 2020 die Vergabe der Bauleistungen. Im Februar 2021 soll dann Baubeginn sein. Bis November 2021 wird dafür die Zugstrecke zwischen dem Rosengarten und Angersdorf voll gesperrt. In diesem Zeitraum werden parallel verschiedene Baumaßnahmen umgesetzt: Zum einen sollen die Gleise erneuert, die Rosengartenbrücke und die Argentinierbrücke neu gebaut sowie die Lärmschutzwände im Bereich Rosengarten bis zur Freyburger Straße errichtet werden. Die alten Bahnanlagen wurden überwiegend Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Neue Bahnsteige sollen einen barrierefreien Zugang zur S-Bahn ermöglichen. Darüber hinaus will die DB das elektronische Stellwerk Angersdorf/Rosengarten Ende 2021 in Betrieb nehmen. Bis August 2022 erfolgen dann noch Restarbeiten im Umbaubereich. Ursprünglich sollten all diese Arbeiten zwischen 2019 und 2024 von statten gehen, aber die DB will mit der kürzeren Bauphase Belastungen für die Anwohner minimieren.

Da die hallesche Stadtverwaltung laut Hans-Joachim Berkes – offenbar aufgrund der Forderungen nach aktivem Lärmschutz an der Kasseler Bahn wie auch dem Erhalt der Vierspurigkeit der Merseburger Straße – mittlerweile eine Art Kreuzungsvereinbarung mit der DB abgeschlossen habe, könnte die Brücke am Rosengarten nun tatsächlich im Rahmen des Stadtbahnprogramms breiter gebaut werden. So hofft es jedenfalls die Bürgerinitiative Halle-Rosengarten, die sich als Initiator dieser Variante sieht.

Zufrieden äußerte sich die BI dann auch nach dem Bürgerdialog Ende Mai über die jetzigen DB Netze-Pläne zum Umbau des Knotens Rosengarten – wenn diese so umgesetzt würden, wie vorgezeichnet. „Schöner wäre es allerdings gewesen“, nennt der BI-Vorsitzende einen Wermutstropfen, „wenn man modernere, 1,50 Meter hohe Lärmschutzwände installieren würde. Diese kämen sicher der Seite Beerenweg an der Kasseler Bahn mehr entgegen, denn die Anwohner dort befürchten Sichteinschränkungen durch die zwei Meter hohe Lärmschutzwand. Vorgeblich seien diese modernen Wände jedoch noch nicht zugelassen.“ Überdies habe ihm der Ingenieur am Lärmsimulator wenig Hoffnung gemacht, dass der Lärm in seinem Garten nach dem Bau der Wände geringer sein würde. Ferner donnerten ja nicht nur Züge der Deutschen Bahn über die Gleise der Kasseler Bahn, sondern ebenfalls von anderen Anbietern. Ob die, wie die DB, ebenfalls „Flüsterbremsen“ in ihre Züge einbaue, sei nicht gesichert, so Berkes.

Die kurze Bauphase selbst, sagt er weiter, sei „sportlich gewählt“. Zudem müsse man abwarten, welchen Lärm und sonstige Belästigungen der eigentliche DB-Umbau des Knotens Rosengarten bringe. „Und danach geht es ja erst einmal so richtig los mit dem Stadtbahnprogramm in der Merseburger Straße“, gibt Hans-Joachim Berkes zu bedenken. Aber vielleicht lasse sich ja bis dahin noch etwas zur Verkehrsberuhigung vor allem in der Kasseler Straße erreichen. Diese sei früher eine reine Anwohnerstraße gewesen und werde heute mit vielen weiteren Autos gequert, deren Fahrer oft nicht einmal die Zone 30 interessiere. Der Verkehr hier wird wahrscheinlich auch noch zunehmen, wenn die zwei neu geplanten Wohngebiete vor der Silberhöhe und hinter der Pappelallee hinzukommen.